Buchladen Männerschwarm

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Unser letzter Winter in der Langen Reihe

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msLiebe Kundinnen und Kunden, liebe Freunde*,

seit der Buchladen Männerschwarm vor 34 Jahren aus der Schwulenbewegung heraus als Homolulu GmbH gegründet wurde, hat er viele Veränderungen durchlaufen. Personell wie inhaltlich, strukturell wie räumlich. Viele unterschiedliche Buchhändler_innen haben im Laden gearbeitet; international renommierte Autoren bei uns gelesen und viele anderswo verschmähte Themen haben bei uns eine Heimat gefunden, so z.B. SM-Literatur, undogmatische lesbische Literatur oder das größte Angebot an schwul-lesbischen Comics in Deutschland. Wir waren eine der ersten Verkaufsstellen von schwulen und lesbischen Videos und später DVDs und der erste schwule Ausbildungsbetrieb. Mit dem Umzug nach St. Georg 2002 hatten wir uns komplett neu aufgestellt. Der Laden in der Langen Reihe 102 ist der wohl öffentlichste schwul-lesbische Arbeitsplatz der Stadt, an keinem anderen Ort ist die Vielfalt schwul-lesbischer Lebensweisen so für „jedermann" sichtbar wie hier.

Aber Sichtbarkeit allein ist kein Garant für wirtschaftliches Überleben. Das Leseverhalten nicht nur von Schwulen und Lesben sowie das Sehverhalten von Filmen und Serien hat sich bei vielen Menschen in den letzten Jahren grundlegend verändert. Zudem haben sich die Veröffentlichungswege (nicht nur) schwul-lesbischer Literatur und Unterhaltungsmedien stark verschoben.

Aufgrund dieser Veränderungen ist der Buchladen in seiner jetzigen Struktur nicht mehr tragbar. Schweren Herzens haben sich die Geschäftsführung und die Gesellschafter des Ladens daher dazu entschieden, den Mietvertrag für die Lange Reihe 102 nicht über den 31.01.2015 hinaus zu verlängern und zudem die Buchladen Männerschwarm GmbH aufzulösen.

Aber keine Angst, bis zum Ende des Jahres ist der Buchladen Männerschwarm uneingeschränkt aktiv! Unsere Kunden erwartet ein spannendes Herbstprogramm und ein rauschendes Weihnachtsgeschäft. Lesungen und Vorträge sind weiterhin Bestandteil unseres Angebotes und die Öffnungszeiten sowie der Service bleiben unverändert. Gleichzeitig arbeiten wir mit Hochdruck daran, ein Geschäftsmodell für die Zeit nach der Schießung zu finden. Auch wenn es nicht nahtlos weitergehen kann, soll die Marke Männerschwarm Hamburg auf jeden Fall erhalten bleiben! Zumal der Männerschwarm Verlag von der Schließung des Buchladens nicht unmittelbar betroffen ist. Er hat zum 1. August neue Büroräume am Steindamm 105 bezogen.

Wir bitten von Beileidskundgebungen abzusehen! Stattdessen freuen wir uns über fröhliche Kunden (im Laden und im Versand) sowie ernstgemeinte und realistische Ideen und Vorschläge für die Zukunft. Denn in der Veränderung liegt die Beständigkeit!

Ihre/ Eure Männerschwarms

Hans-Jürgen Köster & Volker Wuttke

 

Kommentare  

 
0 #4 Kommentar zum Ausverkauf des schwulen Buchladens Männerschwarm in HamburgTorsten Müller 2015-01-19 11:28
Eine wichtige Institution in Hamburg geht jetzt leider zu Ende. Lange wurde der
Buchladen mit viel Engagement, Herzblut und Idealismus geführt. Vielen hat er weitergeholfen schwule und lesbische Bücher zu finden, dazu Comics, Filme oder anderes. Immer gab es ein offenes Ohr und manchmal auch Lebenshilfe.
Schwule und lesbische Medien gibt es schon lange im Internet oder zum Teil auch in allgemeinen Buchläden.
Aber dort gibt es keine so kompetente oder auch mal subjektive Beratung oder Zeit für ein Schwätzchen wie bei Männerschwarm. Dort kann man sich die Sachen anschauen, ist nicht auf irgendwelche Online-Bewertungen angewiesen, deren Stichhaltigkeit kaum einzuordnen ist.

… und natürlich sind dort Leute treffen, die vielleicht auch, aber nicht nur am einen interessiert sind. Wie gut vernetzt und beliebt Männerschwarm ist, zeigt sich auch an der Gestaltung des letzten Monats. Wer kennt sonst so viele wichtige und vielfältige Leute aus der Szene? Sie sind bereit sich, auch dann noch für Männerschwarm einzusetzen, wenn der Ausverkauf leider nicht mehr zu verhindern ist.
Wer mit der Art von Geschäftsführer Hans-Jürgen nicht zufrieden ist, kann sich an Geschäftsführer Volker wenden – oder umgekehrt. Sie haben angenehm. unterschiedliche Themenschwerpunkte, Wissensgebiete und Temperamente.

So ist es sehr traurig und ein großer Verlust für die Szene, dass der Buchladen Männerschwarm zum Ende dieses Monats schließt. Volker und Hans-Jürgen wünsche ich alles Gute für die Zukunft und es bleibt zu hoffen, dass es vielleicht doch irgendwann wieder möglich sein wird, in Hamburg einen solchen Buchladen zu führen.
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+1 #3 Peter SchmedingPeter Schmeding 2015-01-09 18:23
Hätte Euch noch viele Jahre gewünscht, vielleicht klappt es auf
Dauer mit neuen Projekten.

https://www.youtube.com/watch?v=sW5UtZZrO5M

LG Peter
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+2 #2 RE: Unser letzter Winter in der Langen ReiheJürgen Burwiek 2014-09-19 16:33
Keine Beileidsbezeugungen? In Ordnung! - Aber Trauer um einen Verlust und die Frage nach dem Warum?, das muss möglich sein.

In ihrem schönen Buchladen mit Sitzecke und Kaffee-Angebot in bester Lage am Ende der Langen Reihe haben es Volker Wuttke und Hans-Jürgen Köster viele Jahre lang geschafft, allen kulturinteressierten Menschen so etwas wie eine kleine Oase anzubieten. Dabei ging und geht es im "Männerschwarm" natürlich insbesondere um Kultur mit schwulem oder lesbischen Kontext - mit all ihren unterschiedlichen Facetten. So kompetent, freundlich und hilfsbereit mach(t)en sie dies, dass für mich jedes Stöbern und jeder Einkauf zu einem schönen kleinen Erlebnis wurde. Jedem regelmäßigen und aufmerksamen Besucher des Ladens wurde dabei allerdings klar, dass die Beiden sich mit ihrem intensiven Arbeitseinsatz für ihr Geschäft bis an die Grenze des Möglichen einsetz(t)en. Dafür - fröhlich (wie gewünscht) - und ohne Pathos: Danke!

Warum muss ein schwuler Buchladen 34 Jahre nach seiner Gründung nun - im Januar 2015- schließen? Aus dem gleichen Grund, aus dem das Thalia-Buchhaus in den Großen Bleichen, also in bester Innenstadtlage, vor nicht allzu langer Zeit geschlossen werden musste?

Warum habe ich so selten junge Besucher im "Männerschwarm" gesehen? Und falls doch, warum ging es dann fast immer nur um den Vorverkauf von Tickets für Party-Veranstaltungen?

Sind schwule Buchläden nicht mehr zeitgemäß?

Die Antworten auf diese Fragen kann ich nur erahnen, aber ich finde, es lohnt sich, über diese Fragen nachzudenken.

Viel Glück für den Verkauf der Herbst-Novitäten und das Weihnachtsgeschäft - und natürlich für "die Zeit danach". beruflich und privat!

19.09.2014 / Jürgen Burwiek
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0 #1 ARCADOSThommen 2014-09-05 18:30
Bin ich als erster von allen Buchläden jetzt zum Überleben "verdammt"?
Liebe Grüsse, Peter
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