Buchladen Männerschwarm

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Münchens schwuler Buchladen schließt

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MaxundMilian

Unsere Kollegen in München, mit denen wir freundschaftlich und in vielen Projekten (unser Webshop gay-and-lesbianbooks.de, Kataloge der schwulen Buchläden) verbunden sind, werden in einigen Wochen für immer ihre Ladentüren schließen. Hier der Abschiedsbrief des Lettermans aus München:

EINE ÄRA GEHT ZU ENDE...

Ihr Name: Max & Milian.

Tja, liebe FreundInnen, München wird in Kürze keinen schwulen Buchladen mehr haben. Zumindest nicht diesen, zumindest nicht Max & Milian in dieser Form. Wir werden sehen...

Es geht einfach nicht mehr. Die Kosten, vor allem die hohe Miete machen dem Laden seit langem zu schaffen, hat Max & Milian schon öfters an den Rand der Pleite gebracht. Mit vielen Anstrengungen finanzieller Art haben die Gesellschafter die letzten Klippen immer wieder umschifft. Jetzt ist´s aus, Anfang des Monats haben wir Insolvenz angemeldet.

Leider gibt es für Buchläden keine Rettungsschirme wie z.B. für europäische Staaten oder Großbanken, so dass wir den Fakten ins Auge sehen müssen: seit Jahren rückläufige Umsätze haben zu der Situation geführt, dass Max & Milian jetzt schließen muss. Eine ausführliche Analyse der Situation würde den Rahmen eines Newsletters sicher sprengen. Erste Reaktionen aus dem Internet zeigen aber auf, wo wir stehen. So meint ein Facebook-Mitglied, dass die Schließung von ein paar(!) schwulen Buchläden eben in Kauf genommen werden muss als Preis der gesellschaftlichen Normalität, die Schwule und Lesben jetzt doch erreicht hätten. Kollateralschäden, sozusagen. Jede/r mag sich ihren/seinen Reim darauf machen...

Allerdings schließt Max & Milian nicht sofort: Wie diejenigen von Euch, die noch gelegentlich bei uns vorbeischauen gemerkt haben, geht der Verkauf momentan weiter. Ein Insolvenzverwalter kontrolliert die geregelte Abwicklung der Geschäfte mit dem Ziel, den Schaden für alle Betroffenen möglichst gering zu halten. Ihr könnt also nach wie vor bei Max & Milian einkaufen, auch Bestellungen können wir wie gewohnt ausführen. Mit anderen Worten: jedes verkaufte Buch, jede DVD, die über den Ladentisch geht, hilft den Schuldenberg abzutragen...

In diesem Zusammenhang ist es auch an der Zeit, all denjenigen ein aufrichtiges Dankeschön zu sagen, die uns in den letzten Jahren immer wieder mit Rat und Tat und vor allem: Geld unter die Arme gegriffen haben: Bücherkonten, Darlehen, Nachsicht bei überfälligen Rechnungen und Mietrückständen, Freundschaftspreise bei mancher Dienstleistung, kollegiale Unterstützung vieler Art. Es tut uns aufrichtig leid, wenn nun manch eine/r durch unsere Insolvenz Geld verliert, sorry, so war´s nicht geplant.

Nun denn: ein großes Dankeschön gilt natürlich all jenen, die über Jahre hinweg Max & Milian die Treue gehalten haben, ihre Bücher, Postkarten, Zeitschriften, CDs und DVS hier gekauft und bestellt haben, zu unseren Lesungen und anderen Veranstaltungen gekommen sind. Kurz: den schwulen Buchladen dieser Stadt als etwas begriffen und benutzt haben, wofür wir, die Macher, ihn immer sahen: ein Stück schwule Kultur für München und darüber hinaus der gesamten schwul-lesbischen Szene dieser Region.

Mit einer Träne im Knopfloch grüßen

Die Gesellschafter und der Geschäftsführer/Buchhändler sowie dessen Kollegin
und natürlich
der Letterman
von Max & Milian.

 

Kommentare  

 
0 #2 Kam spät...Buchladen Männerschwarm 2012-12-20 15:02
Die Schließung erfolgte vor einem Jahr - Ihr Kommentar kommt also spät! Gefreut haben wir uns trotzdem...
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+3 #1 WolframWolfram Schneider 2012-12-20 07:04
GNAMPF! besser wäre AUTSCH!

Leider war ich nie in meinem Leben bisher nach München gekommen, hatte mir aber fest vorgenommen, daß - sollte ich es schaffen - den Max & Milian aufsuchen wollte. Und jetzt das!!! SCH....!

Daß Menschen außerhalb des Buchhandels unsere Krise nicht begreifen - hmpf! Müssen wir wohl hinnehmen: ich weise meine Kunden daraufhin, daß AMAZON so gut wie kein Geld in der dt. Steuerkasse hinterläßt, aber Millionen bei uns Deutschen umsetzt.

Aber den Verlust eines schwulen Buchladens (vor allem mit diesem Spektrum) so leichthin abzutun - da redet ein Blinder von der Farbe.

So bleibt uns allen vor allem eine Option: Männerschwarm, Eisenherz und Erlkönig mit noch mehr Tatkraft und vor allem Umsatz zu unterstützen.

Diese Buchläden sind in meinen Augen mehr als nur reine Buchhandlungen (und damit Wirtschaftsunternehm en): Sie sind schwules - und mittlerweile auch lesbisches - Kulturleben!!!
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