Der Männerschwarm im Spiegel der Presse

Volker Wuttke
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Unser Beitrag für den "Dicken", dem Frühjahrskatalog der schwulen Buchläden:

Liebe Leserinnen und Leser,

über den Jahreswechsel 2009/2010 sind gleich zwei längere Artikel über unseren Buchladen in der schwul/lesbischen Presse erschienen, aus denen wir Ihnen hier ein paar Auszüge präsentieren wollen.

Christoph Dompke, Autor von so illustren Büchern wie "Alte Frauen in schlechten Filmen" und die bessere Hälfte des Kleinkunst-Duos EMMI & WILLNOWSKY, hat in der vierten Ausgabe des wunderbaren (und kostenlosen) Filmmagazins für den "nicht heterosexuellen Film" SISSY viel aus dem Nähkästchen geplaudert und weiß aus den Anfangstagen des Buchladens (damals noch am Neuen Pferdemarkt) zu berichten: "Ganz im Stil der Zeit wurden Kunden auch immer wieder kräftig angeraunzt - einige der männlichen Verkäuferinnen waren natürlich versteckte Show-Queens, die den Laden ganz einfach als Bühne nutzten. Alle diejenigen, die den alten Laden am Neuen Pferdemarkt noch gekannt haben, werden sich erinnern, daß eine Showtreppe direkt in das fliederliche Boudoir der Bildung führte."

Aber auch das Sortiment und die Kundenstruktur unseres neuen Domizils kennt er ganz genau: "Statt der gesammelten Werke von Hanns-Henny Jahn verkaufen die klugen und kompetenten Kulturhändler inzwischen "The Adventures of a Lesbian College Schoolgirl". Inmitten des nunmehr florierenden Viertels St. Georg werden in der Langen Reihe immer noch Handreichungen für Heranwachsende angeboten, eindeutige Postkarten inzwischen von Hausfrauen und Grünen-Sympathisanten gekauft, die mal was richtig Freches verschicken wollen und nur Kinder unter 18 Jahren haben das Nachsehen und müssen draußen bleiben. Dabei gäbe es gerade für staunende Kinderaugen soviel zu entdecken..."

Und er beschließt diesen ebenso informativen wie amüsanten Artikel mit dem provokanten Vergleich: "Es verhält sich mit dem Männerschwarm ähnlich wie mit der guten alten deutschen Braunkohle: Im Wandel beständig - durch Anpassung krisenfest."

Philip Eicker dagegen hat sich in seinem Artikel für die DU&ICH (Ausgabe 466, Februar/März 2010) mehr mit dem schwulen Buch an sich und der Zukunft des schwulen Buchhandels beschäftigt. Anekdoten hat aber auch er zu berichten: "Es gibt Fragen, auf die man nur in einem schwulen Buchladen eine Antwort bekommt. Eine Dame mittleren Alters betritt den Männerschwarm in Hamburg, um eine einzige schlichte Frage zu stellen: Warum ist das neueste Werk von Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller ein schwules Buch? Schließlich liege es im Schaufenster. Volker Wuttke, einer der beiden Geschäftsführer, kann weiterhelfen: Gleich auf den ersten Seiten der "Atemschaukel" beschreibt Müller, wie ihre Romanfigur auf Cruising-Tour geht."

Bei dem Interview, das Philip Eicker mit uns führte, wurde auch die Entwicklung kleiner Teilbereiche unseres Sortiments nicht außer Acht gelassen und der menschliche Faktor in einem Buchladen in den Vordergrund gestellt: "Gerade der Pornomarkt schrumpft, der für Sexmagazine ist eingebrochen. "Seit dem letzten Halbjahr kommt so gut wie nichts mehr aus den USA." Dafür wächst mit "Frauenschwarm" das - nur selten pornografische - Angebot für Lesben. Bei allen Geschlechtern kann Männerschwarm beim Service punkten: "Wenn unsere Kunden einen Titel bei Amazon nicht finden, wissen wir weiter", sagt Hans-Jürgen Köster."

Er schließt seinen Artikel mit einem tiefen Einblick in das Wesen des schwulen Buchhandels: "Und vor allem: Männerschwarm hilft dabei, im gewaltigen Angebot der Verlage die Homo-Perlen herauszufischen. Und das ist im Jahr 2010 fast wieder so schwierig wie vor hundert Jahren: "Früher war das Schwule in der Literatur so maskiert, dass man es suchen musste", erzählt Hans-Jürgen. "Nur Eingeweihte durften Bescheid wissen." Seit Kurzem gäbe es wieder solche Romane, in die eine schwule Geschichte unauffällig eingebettet wird. "Aber das Schöne daran ist: Weil das Schwulsein einfach selbstverständlich ist."

Nicht in der Presse, aber ebenso öffentlich im FemBio-Blog hat die Autorin Luise Pusch uns in einem Text zu Frauenschwärmen, Männerschwärmen und Bienenschwärmen ein sehr schönes Kompliment gemacht: "Ist Garbo dann vielleicht ein Männerschwarm? Nein, dies Wort bezeichnet seltsamerweise auch eher Männer: Männer, für die Männer schwärmen. Echte Männer schwärmen natürlich nicht (das überlassen sie den Frauen), schwule Männer dafür umso mehr. Sie schwärmen nicht nur für Opernsängerinnen, sondern auch für andere Männer. Jedenfalls legt das der Name der fast schon alteingesessenen schwulen Buchhandlung Männerschwarm in Hamburg nahe."

Den vollständige Blog-Eintag von Luise Pusch können Sie hier nachlesen: http://www.fembio.org/biographie.php/frau/comments/frauenschwarm-maennerschwarm-und-bienenschwarm/.

Viel Spaß beim (Weiter)Lesen wünscht

Volker Wuttke