Kunst im Buchladen

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Nachdem wir im vorangegangenen DiCKen (dem Katalog der Schwulen Buchläden) den Comicschwerpunkt des Buchladens ausführlich vorgestellt haben, präsentieren wir im DiCKen Frühjahr/Sommer 2011 einmal unsere Geschichte als Galerie:

Der Dicke 2011Liebe Leserinnen und Leser!

Ausstellungen waren seit Anbeginn der Zeit, nein des Buchladen Männerschwarm, ein integraler Bestandteil unseres Veranstaltungsangebotes. Dieser Anbeginn wird übrigens bald 30 Jahre her sein. Ob Foto-Kunst, Malerei, Skulptur oder Installation, im Männerschwarm gab es schon immer mehr zu sehen als nur Bücher. Bekannte und weniger bekannte Namen durften wir in unseren Räumen begrüßen, Herbert Tobias zum Beispiel, aber auch Boris von Brauchitsch und Paul Kremp.

Im alten Laden am Neuen Pferdemarkt wurde für die Ausstellungen ein extra Raum genutzt, heute, an der Langen Reihe, stellen wir den Künstlern meist unser großes, lichtes Schaufenster zur Verfügung und machen so die Kunstwerke einem noch größeren Publikum zugänglich.

Manche Künstler haben über die Jahre schon mehrmals bei uns ausgestellt. So zum Beispiel Hannes Steinert, der mit seinen Siebdrucken und Linolschnitten die Tradition des nackten Jünglings im arkadischen Idyll Revue passieren lässt und sie auf seine ganz eigene Weise kommentiert.

Wie so mancher schwule Hamburger haben auch wir immer mal nach Berlin "geschielt". Etwa auf die Fotos von Jens Friedrich. Fotografien, die er größtenteils nachts bzw. frühmorgens in der Berliner Szene aufgenommen hat. Die Partypeople und die von ihnen hinterlassenen Spuren sind die Motive dieser Fotos, wobei Jens Friedrich mit Makroaufnahmen experimentiert, durch verzerrende Prismen und Flaschen fotografiert oder Lichtreflexe in Glasscherben einfängt.

jensfriedrich2Manches mal wurde das Ausstellungs-Kozept auch aufgebrochen bzw. ironisiert, indem wir die Möglichkeit, die ausgestellten Werke zu erwerben, bis zu einem Shop-im-Shop-Experiment weitergetrieben haben. Etwa als "Die Hausfreunde" bei uns ihre Schlafanzüge und Frottee-Morgenmäntel ausstellten bzw. verkauften.

Als Gebrauchsgegenstände nutzbare Kunstwerke haben wir sehr gerne im Laden. Wie etwa die Porzellanarbeiten von Hendrik Schink. Gefäß und Figur: das ist das Thema der Arbeiten von Hendrik Schink. Akte, Torsi und Porträts aus Porzellan stehen autonom gegenüber großen Gefäßen. Sie Lederkönnen als "funktionierende Wesen" Schalen empor heben, sie verschließen Öffnungen dekorierter Dosen
oder tragen die Last eines prunkvollen Objekts.

Ihre Herkunft aus schwuler Künstlerhand verleugnen die bei uns ausgestellten Werke aber nie. Immer feiern und zeigen sie offen ihre Sexualität. So auch in unserer aktuellen Ausstellung des Polen Mateusz Gryzlo. Er gehört einer jungen Generation polnischer Künstler an, die schwule Themen und schwule Erotik mit einem Augenzwinkern verarbeiten. Sie spielen mit schwuler Ikonographie und Stereotypen auf eine ganz eigene Art. Mateusz Gryzlo stellt z.B. Kissen mit Zeichnungen von Fetischkerlen und Seemännern her. Er arbeitet mit Keramik und schafft Teller, die mit Fotos verziert sind, als Travestie antiker griechischen Vasen.

Für den Tag der Vernissage hatte der Künstler sich sogar etwas ganz Besonderes ausgedacht. Mit der Aktion "Side specific" gab er seinen Einstand. Dazu der Künstler selbst:

"Side specific ist eine Art der Gestaltung eines Kunstraumes. Ein subtiler Eingriff in einen kommerziellen Raum, wodurch er in einen Kunst raum verwandelt wird. Die vorhandenen Gegenstände (in diesem Fall Bücher) werden in eine abstrakte Installation einbezogen, ohne dass ihre Funktion (ihr Wesen) verändert werden (ein Buch bleibt ein Buch, es wird aus ihm kein Kunstwerk gemacht). Eine solche Installation bereinigt die kommerzielle Räumlichkeit und wird zum Wegweiser zu den sich an diesem Ort befindenden, selbständigen Kunstwerken." Wie genau diese Aktion aussah, können Sie sich auf unserer Webseite anschauen.

Sie sehen, der Buchladen Männerschwarm ist mehr als nur ein Buchladen.
Wir freuen uns auf Ihren Besuch. Die nächste Ausstellung kommt bestimmt!

Ihr Volker Wuttke

(Abb. auf dieser Seite: 1. Jens Friedrich, 2. Hendrik Schink)