... auf der Wendeltreppe kannibalischer Beziehungen

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Im Alter von 85 Jahren verstarb im März einer der ganz großen Erzähler der amerikanischen Literatur, James Purdy. Obwohl Purdy Kollegen wie Gore Vidal oder Paul Bowles zu seinen "Fans" zählen konnte: Richtig "berühmt" wurde er nie; er wurde bewundert und gelobt, von der Kritik gefeiert, den kommerziellen Durchbruch aber schaffte er nicht. Fast alle seine Bücher haben eine mehr oder weniger deutliche homosexuelle Thematik, aber "schwule Literatur" im Sinne der zielgruppengerechten Unterhaltung hat er nie geschrieben. Er entzog sich den Kategorisierunen und blieb dadurch der große Außenseiter.

Von seinen Werken sind im Laufe der Jahrzehnte etliche ins Deutsche übertragen worden. Sie erschienen u.a. bei Greno, Luchterhand, Albino, Gmünder und Männerschwarm. Regulär lieferbar ist keines mehr! Von den Erzählungen "Zärtliche Kannibalen" und dem Roman "Der Gesang des Blutes" gibt es noch Restexemplare.


"Zärtliche Kannibalen":
Purdys Figuren sind "Kannibalen der Liebe" - niemals finden sie eine ausgewogene Beziehung zu den Objekten ihrer Begierde. Ihre Unbedingtheit, die sie schließlich auffrißt, schafft ihnen für einige Zeit Ruhe an einem sicheren Ort, egal ob es sich dabei um ein dreckiges Zimmer in einem Abbruchhaus oder um den mit Antiquitäten vollgestopften Salon einer reichen Witwe handelt. Für kurze Zeit erreichen sie ihr Ziel, und das ist mehr als ein wohldosiertes Glück auf Dauer.