Weil doch was blieb ...
Auch große Diven werden älter, aber nicht jede will das wahrhaben. Ob aus Eitelkeit oder des Geldes wegen: viele große Schauspielerinnen haben am Ende ihrer Laufbahn grauenvolle Filme gedreht oder mussten sich für Billigware verheizen lassen, weil ihnen andere Rollen nicht mehr angeboten wurden. Manchmal sind die Ergebnisse so furchtbar, dass sich bei augenzwinkernder Betrachtungsweise schon wieder Funken daraus schlagen lassen.
Mit profunder Detailkenntnis vertieft sich Christoph Dompke in die letzten Zuckungen seiner Idole – das Spektrum reicht von Pola Negri über Joan Crawford bis Maryl Streep. Die Erstausgabe im Jahr 1998 rief in der Presse einen Sturm der Begeisterung hervor – diese Neuauflage ist von Grund auf überarbeitet und um zirka zwanzig Schicksale erweitert.
Mit Personenregister und ausführlicher Biblio- und Filmografie
Und das meinte die Presse zur Erstauflage:
Schon das Thema ist schlichtweg genial: es verspricht Zärtlichkeit und Peinlichkeit, etwas sehen, was man vordem allenfalls gesehen hat, ohne es eigentlich zu sehen. (…)
Geschrieben hat das Buch Christoph Dompke, als Kabarettist Darsteller der schrillen alten Kammersängerin Frau Emmi, einer also, der sich die Inszenierung der alten Frau mehrfach anverwandelt hat und der, nebenbei, ein ausgezeichneter Filmkenner ist. (…)
Alte Frauen in schlechten Filmen beschreibt (…) weibliche Leinwand-Karrieren an ihrem Ende, in Niederungen und Verfall. In diesen letzten Kämpfen um Anerkennung, Würde und hier und dort ums schiere Überleben stecken natürlich Komödien und Tragödien, und Joan Crawfords alkoholisierter, vergeblicher Kampf mit der schlecht sitzenden Perücke vor der Kamera ist wirklich komisch. (…) Trotzdem ist dieses Buch schon ein wenig mehr als ein unterhaltsamer Filmführer durch höchst marginale und deshalb natürlich aufregende Aspekte der Kinogeschichte. (…) Insofern ist Dompke eine Pioniertat gelungen, für die man ihm nur dankbar sein kann.
Georg Seeßlen, epd Film
Hemmungslos subjektiv und hoffnungslos ungerecht liest sich das zuweilen, und man würde protestieren wollen, wäre nicht alles so gnadenlos liebevoll gemeint.
Süddeutsche Zeitung
Und sie werden hier gewürdigt:
- Hildegard Knef
- Marlene Dietrich
- Elisabeth Bergner
- Elke Sommer
- Zsa Zsa Gabor
- Blandine Ebinger
- Margot Trooger
- Joan Crawford
- Bette Davis
- Shelley Winters
- Ava Gardner
- Elisabeth Flickenschild
- Lil Dagover
- Ingrid Bergman
- Lana Turner
- Marika Rökk
- Tallulah Bankhead
- Pola Negri
- Ruth Leuwerik
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- Audrey Hepburn
- Bette Midler
- Meryl Streep
- Maria Schell
- Zarah Leander
- Evelyn Künneke
- Yvonne De Carlo
- Hannelore Hoger
- Hannelore Elsner
- Lauren Bacall
- Barbra Streisand
- Judy Dench
- Charlotte Rampling
- Hermione Gingold
- Liz Taylor
- Hanna Schygulla
- Liselotte Pulver
- Anita Ekberg
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- Carol Channing
- Beryl Reid
- Flora Robson
- Geraldine Page
- Jennifer Jones
- Ruth Roman
- Mildred Dunnock
- Debbie Reynolds
- Elfriede Ott
- Lillian Gish
- Judith Anderson
- Lilli Palmer
- Norma Varden
- Joan Fontaine
- Rose Renée Roth
- Barbara Hershey
- Veronica Lake
- Ruth Roman
- Merle Oberon
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Christoph Dompke wurde 1965 in Bremen geboren; über den zweiten Bildungsweg brachte er es bis zum Dr. phil. im Fach Musikwissenschaft. Seine Faszination für ältere Damen lebt er seit Beginn der 1990er Jahre als Verkörperung der steinalten Kammersängerin Frau Emmi aus – zusammen mit Christian Willner im Komiker-Duo „Emmi & Willnowsky“. Außer regelmäßigen Filmbesprechungen für verschiedenen Medien (u.a. epd Film) verfasste er den Filmführer „Unschuld und Unheil – das verdorbene Kind im Film“ und die historische Untersuchung „Unterhaltungsmusik und NS-Verfolgung“.
zur Website von Christoph Dompke
Foto: Gesa Simons/Quatsch Comedy Club
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Charlotte Rampling in Basic Instinct 2 (2006)
Das Opening von Basic Instinct 2 zumindest ist rasant. Sharon Stone fährt zusammen mit einem Schwarzen mit 180 Sachen Auto und lässt sich während der Fahrt von ihm befriedigen, dabei stürzen beide mit dem Auto ins Hafenbecken. Der Schwarze ertrinkt. Nun geht es an die Aufklärung des Unfalls. Der ermittelnde Polizeibeamte glaubt, das Unfallopfer sei vorher mit Drogen betäubt worden, und deshalb soll der Geisteszustand der Schriftstellerin Catherine Tramell von einem Psychologen überprüft werden. Daraus ergibt sich ein Katz- und Maus-Spiel zwischen der Autorin und dem Psychiater, aus dem eine Reihe von Leichen und erotischen Verwicklungen hervorgeht. Die Fährten werden dabei nicht einmal ungeschickt gelegt, auch wenn sie aus dem Baukasten des Fernsehkrimis stammen. Außerdem hat sich der Drehbuchautor alle erdenkliche Mühe im Erfinden von Doppeldeutigkeiten gegeben, aber nicht einmal der sehr deutliche „dirty-talk? löst irgendeinen erotischen Schauer aus. Doch der Teufel steckt im Detail. Augenscheinlich spielt der Film in London, und ab und an ist auch eine Sehenswürdigkeit zu sehen. Trotzdem ist der Film völlig ortlos – er könnte auch in Timbuktu oder Tripolis spielen, das wäre egal. Denn der Gegensatz zwischen der Autorin aus Amerika und dem Psychologen aus London spielt überhaupt keine Rolle, obwohl dies dem Zuschauer mit Dialogfetzen über Nietzsche und den Dekonstruktivismus glaubhaft gemacht werden soll. Aber vielleicht ist das auch ein Problem der Schauspieler. David Morrissey als Dr. Michael Glass wirkt nicht besonders erotisch und bewältigt das verlangte Spektrum von sexueller Begierde über Raserei bis zur Resignation nicht einmal ansatzweise. Er macht meist ein braves Pfannkuchengesicht. Sharon Stone hat sich vorgenommen, eiskalte Erotik hauptsächlich durch unbewegliche Mimik zu erzeugen. (Es könnte natürlich auch sein, dass sie durch die eine oder andere Operation gar nicht mehr viel bewegen kann.) Das geht daneben, und wenn sie sich breitbeinig auf einen Stuhl setzt und der Zuschauer mit einer langen Kamerafahrt in Spannung versetzt wird, ob die Dame denn nun wohl ein Höschen trägt, erinnern sich selbst eingefleischte Junggesellen daran, wie unterhaltsam doch die „Vagina-Monologe? waren. Mit etwas gutem Willen könnte man das auch als Unterspielen bezeichnen, erotischer wird es dadurch allerdings nicht.
Die wahre Königin des Unterspielens, die One-Faced-Woman des internationalen Kinos, ist auch in diesem Film jedoch wieder einmal Charlotte Rampling. Für Rampling, einst durch den weithin überschätzten Skandal-Film Der Nachtportier als KZ-Überlebende, die sich auf eine SM-Beziehung mit ihrem ehemaligen Peiniger einlässt, berühmt geworden, hat nach diversen Filmklassikern (u.a. Die Verdammten von Visconti) der Abstieg in den Ruhm begonnen. Es gibt, nicht zuletzt in diesem Buch, viele Beispiele von Schauspielerinnen, die ihren Lebensabend mit kleinen und kleinsten Rollen fristen mussten. Egal, wie man die diese Filme einschätzt – aber Agnes Moorehead oder Tallulah Bankhead haben ihre Rollen gespielt oder es zumindest versucht. Charlotte Rampling macht einfach immer nur ein und dasselbe Gesicht. Dafür wird sie von einer ganzen Reihe von Kritikern mit Lob überhäuft. Es scheint an ihrem Blick zu liegen, Charlotte Rampling – The Look heißt denn auch der Dokumentarfilm über ihr Werden und Wirken. Und über ihre Augen, die in der Wahrnehmung der Kollegen und Kritiker allerdings häufig mal die Farbe wechseln. Dirk Bogarde, ihr Partner aus Der Nachtportier, erinnert sich „an die glühenden smaragdenen Augen?, die zu Stahl werden und dann sacht schwinden „zum weichsten, zärtlichsten, rehäugigsten Braun ...?. Andreas Busche erkennt in Ramplings „eisgrauen, medusenhaften Augen? eine „abschätzige Erotik? und Ariane Heimbach befindet, dass „ein herablassender Blick aus ihren grünen Augen? genüge, „die Verhältnisse umzukehren?.
Ich bin sicher, wenn man den Damen und Herren Kritikern Ausschnitte aus Filmen wie Basic Instinct 2, Spy Game, Immortal, Street Dance 3D und Babylon A.D. zeigen würde – keiner von ihnen würde irgendeinen Unterschied im Gesichtsausdruck bemerken, geschweige denn sagen können, welcher Ausschnitt welchem Film entstammt. Interessant ist dabei die eigene Selbsteinschätzung der Actrice. In dem Dokumentarfilm The Look sagt Rampling, „Kino als reine Unterhaltungskultur hat mich nicht interessiert?. Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung spinnt sie diesen Gedanken fort: „Filme, die auf Nummer Sicher gehen, reizen mich überhaupt nicht. Ich denke mir: Wenn ich mich schon beim Lesen des Drehbuchs langweile, dann muss sich das Publikum doch erst recht langweilen.?
So spielt sie auch in diesem Film alle Emotionen auf diesem einen, ewig schlechtgelaunten Gesichtsausdruck: Betrübnis und Besorgnis, Erstaunen und Erschrecken, und selbst, als sie sich auf eine Affäre mit Catherine Tramell einlässt und bedingungslose Begierde spielen soll, sieht sie aus wie eine schlechtgelaunte Hotelmanagerin, die ihre Gäste fragt, ob sie zum Frühstück lieber Kaffee oder Tee oder vielleicht gar nichts möchten. Michael Althen fand in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung für diesen Gesichtsausdruck eine schöne Umschreibung: Sie bestach „durch ihre Fähigkeit, sich der Kamera physisch wie psychisch völlig auszuliefern und doch die Kontrolle zu behalten. Ihr stählerner Blick über starken Wangenknochen und der strenge Zug um die kühn geschnittenen Lippen schienen den Betrachter auch im Zustand äußerster Nacktheit in Schach zu halten.? In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung sagte Rampling über ihr Rollenverständnis: „Man gräbt tief in sich und sucht nach den Gefühlen, um sie zum Ausdruck bringen zu können.? Nun, wo auch immer sie für Basic Instinct 2 gegraben hat, augenscheinlich hat sie nichts, aber auch überhaupt nichts gefunden.
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