Ferdinand Karsch-Haack
Die Rolle der Homoerotik im Arabertum
Gesammelte Aufsätze
1921 - 1928
Herausgegeben von Sabine Schmidtke
Bibliothek rosa Winkel
Sonderreihe: Wissenschaft, Band 3
Kartoniert, 192 Seiten mit 5 Abbildungen
22,00 € (D)/ 38,60 CHF/ 22,60 € (A)
ISBN 10: 3-35596-80-4
Pressestimmen
zum Autor
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"Erfrischende Sinnlichkeit"
"Die Homoerotik der Araber zeugt von erfrischender Sinnlichkeit. Es ist aber der Eindruck unrichtig, daß sie eben nur Sinnlichkeit sei. Araber haben auch Tiefes über dauernde Freundschaft gedacht."
Karsch-Haack beschwört ein Bild orientalischer Lebensfreude, das dem europäischen Betrachter jener Tage geradezu paradiesisch erschienen sein muss: Die Kombination von Gelehrsamkeit, verfeinertem Umgang und unbefangener Bewunderung jungmännlicher Schönheit entsprach in hohem Maß der Lebensweise, die homosexuelle Männer der gebildeten Schichten Europas für sich selbst anstrebten. Für den heutigen Leser erzeugt der Rückblick auf eine international bewunderte Kultur einen frappierenden Kontrast zu aktuellen Problemen wie religiösem Dogmatismus und menschenverachtender Sittenstrenge. "Renommier-Araber" am türkischen Hof, herzergreifende Liebesgeschichten und erotische Tabulosigkeit, die sich unter anderem in einer hochdifferenzierten Begrifflichkeit für sexuelle Vorlieben ausdrückt, sind nur einige Merkmale dieser kulturgeschichtlichen Dokumente. Wer würde heute wagen, die Gebetsschnur so blasphemisch zu bedichten?
Bescheidung
Andre mögen Paradiesesrosen pflücken -
Mir genügt: zu pflücken Rosen seiner Wangen.
Seit die Perlen seiner Zähne mein Entzücken,
Trage ich nach Perlenknoten kein Verlangen.
Dieser Band präsentiert einen bunten Reigen historischer und vor allem literarischer Funde aus mehr als einem Jahrtausend, die Beispiele dokumentieren die zu Beginn des 20. Jahrhunderts verfügbare wissenschaftliche Literatur und reichen zurück bis in die Zeit Karls des Großen. Der geplante Band über Hamiten und Semiten sollte die Buchreihe Forschungen über gleichgeschlechtliche Liebe vervollständigen, zu der bereits die Bände Das gleichgeschlechtliche Leben der Chinesen, Japaner und Koreer (1906) sowie Das gleichgeschlechtliche Leben der Naturvölker (1911) erschienen waren. Die Arbeit wurde jedoch nicht vollendet, und die vorab veröffentlichten Aufsätze werden hier erstmals im Zusammenhang vorgelegt. In ihrer Einleitung benennt die Herausgeberin Sabine Schmidtke, Professorin für Islamwissenschaft an der Freien Universität Berlin, nahezu lückenlos die von Karsch-Haack ausgewerteten Quellen und bestimmt so den wissenschaftsgeschichtlichen Standort seiner Arbeiten.
Aus dem Inhalt:
- Die Rolle der Homoerotik im Arabertum
- Homoerotik in Christentum und Islam
- Androgamie (Männerehe) bei den Amoniern
- Mehmed II., der Eroberer Konstantinopels
- Aus dem fernen Afghanistan
- literarische Zeugnisse wie Ein Batscha und seine Bewunderer
- Der verliebte Dichter
- und und und
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... eine intelligente Reise durch mehrere Jahrhunderte arabischer Entwicklung, als der Islam noch nicht unter einem Terror-Generalverdacht stand.
Die Besten
Was den von der Orientalistin Sabine Schmittke zusammengestellten und kommentierten Band so interessant macht, ist der im Subtext transportierte Einblick in die Geschichte der Sozialwissenschaften. Es verstört, wie wenig gesicherte Fakten zur Verfügung gestanden und wie viel Energie in die Korrektur von Tatsachen gesteckt hatten werden müssen, die als bare Münze galten, obwohl bekannt war, dass sie aus einer absichtlichen sittlichen Bereinigung von Übersetzungen resultierten.
Martin Droschke in Falter Buchbeilage 11/06
Heute, in Zeiten verstärkt religiösen Dogmatismus und einer alles andere als schwulenfreundlichen Atmosphäre in islamischen Ländern, vermitteln diese Aufsätze noch viel mehr den Eindruck von Zeugnissen einer gar zu fernen, untergegangenen Welt.
Axel Schock in Hinnerk
Manches mag einem vorkommen wie Krempel aus der Mottenkiste, alles in allem aber ist es eine interessante, spannende und amüsante Sammlung von Texten.
Adam
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