Blog
«Schwule Literatur«


Suchen
Ebooks
Frühjahr 2012

Herbst 2011

AutorInnen A - Z

Belletristik

Sachbuch / Wissenschaft

Comic / Ralf König / Kunst

Erotik

SM / Pauls Bücher

Taschenbuch
Bibl. rosa Winkel

Ed.Waldschlösschen

Invertito

Queer Lectures
Verlag rosa Winkel
Download-Center






Der Männerschwarm Verlag
ist Mitglied im
Freundeskreis der
Kurt-Wolff-Stiftung


Männerschwarm Verlag

Home   Lesungen   Presse   Bestellungen   Verlagsportrait   Kontakt & Impressum   Buchladen 

Brane Mozetic

Banalien

Gedichte

aus dem Slowenischen von Andrej Leben


Gebunden mit Schutzumschlag
64 Seiten
16,00 EUR (D)
ISBN: 978-3-939542-97-1



Pressestimmen

Der Autor

Leseprobe

 


portofrei bestellen bei www.gaybooks.de

Keine Zuflucht

Es ist schwierig, die Nähe von Männern zu suchen, und zugleich alles zu hassen, was diese Welt zu einer Männerwelt macht Es ist genau dieser Widerspruch, der die Welt des "Ichs" dieser Gedichte prägt. Eines Nachts bemerkt er an seinem Freund einen Geruch, den er seit der Zeit des prügelnden Stiefvaters nur zu gut kennt, und er läuft davon. Uniformträger aller Art sind ihm ebenso unverständlich wie kluge Party-Schwätzer, egal ob in Ljubljana, Paris oder New York. Aber manchmal trifft er einen Anderen, der sich aus einer ähnlichen Einsamkeit heraus an ihn wendet und ihn berührt.

Der Zyklus dieser fünfzig Gedichte fügt sich zu einer Reise durch intime und soziale Räume, die nur selten von Erinnerungen an glückliche Momente erhellt werden. Am Ende dieser Reise steht eine Liste all dessen, was zu vergessen ist, und diese Liste schöner und schmerzlicher Erlebnisse beschwört die ganze Intensität des Lebensgefühls, das der Autor in seine Prosagedichte hat einfließen lassen. Niemand wird diese "Banalien" je vergessen.

Brane Mozetic hat mit "Banalien" nicht einfach eine Sammlung schöner Gedichte, sondern einen thematisch abgestimmten Zyklus vorgelegt, der in dieser Art im positiven Sinn ungewöhnlich ist. Der Sprecher dieser überaus intensiven Momentaufnahmen bewegt sich aus der Isolation der Schreibstube hinaus in die Welt, auf der Suche nach Menschen, mit denen zusammen er an einer persönlichen und gesellschaftlichen Zukunft bauen kann. Dabei gerät er einerseits in die Abgründe eines Nachtlebens voller Drogen und durchgeknallter Typen, andererseits berichtet er von Straßenkämpfen und politischen Auseinandersetzungen. Stets innerhalb der Ausdrucksmittel der Poesie vermittelt er dadurch Einblicke in persönliche Befindlichkeiten, die heftige Liebesgeschichten zwar enthalten, aber immer wieder auch darüber hinaus weisen.

Brane Mozetic wurde 1958 in Slovenien geboren. Bisher sind von ihm zwölf Gedichtbände und drei Prosatexte erschienen. Viele seiner Bücher wurden in andere Sprachen übersetzt. Neben seiner eigenen literarischen Produktion arbeitet Mozetic als Übersetzer, u.a. von Rimbaud, Genet, Foucault, und als Verleger internationaler schwuler und lesbischer Literatur. Seit zwanzig Jahren ist er in der Schwulenbewegung aktiv, unter anderem als Mitveranstalter des schwullesbischen Filmfestivals in Ljubljana.

Pressestimmen

Mein Gott, wie entwaffnend ehrlich, berührend, verstörend, schön sich das liest. (...) Brane Mozetic macht viele, wohlgesetzte Worte. Voller Kraft, Bilder und Metaphern - und ja, auch voller Lebenskraft.
Andreas Hergeth in Du&Ich

Auf meist nicht mehr als einer Druckseite komprimiere sich Alltagsdramen und Seelenzustände. Mozetic schafft mit wenigen Sättzen intensive atmosphärische Situationen und skizziert Cruiser, Loser und Nachtgestalten.
Axel Schock in Hinnerk

... überaus intensive Momentaufnahmen ...
Fresh

Klassisch schöne knallharte (schwule) Lyrik, wie ich sie schon lanmge nicht mehr gelesen habe. Ich bin von diesen Gedichten angefixt. Ich bin süchtig.
Helga Pankratz in Lambda

Mozetics Prosagedichte beschreiben in lyrischer Sprache die Brutalität einer Männerwelt. Sie philosophieren über die Sinnhaftigkeit des Daseins in einer Umgebung, in der Blut, Sperma und Drogen den Alltag bestimmen, wo Zärtlichkeit mit Gewalt gepaart ist und die Nächte vor Sehnsucht schlaflos bleiben.
Rolf G. Klaiber in GAB

Intensive Momentaufnahmen für den Serienmörder in mir.
LEO

Echte, erwachsene Literatur.
Mario Reinthaler in XTRA

... hinterlässt ein beklemmend intensives Gefühl ...
Blu


Leseprobe

WIE GEWÖHNLICH KAM ER SPÄT. FÜR HARMONIE GAB
es keinen Grund mehr. Die Dinge waren
banal geworden, das Leben, das Schreiben,
überflüssig. Er legte sich zu mir, umarmte mich,
und augenblicklich spürte ich einen Geruch.
Ich zuckte, prüfte noch einmal, aber
es ging nicht. Es war eindeutig. Mir wurde
schlecht, ich sprang auf und stürzte ins
Badezimmer. Durch das offene Fenster
schnappte ich Luft, alles drehte sich.
Es war Männergeruch.
Die Zeit war zurückgekehrt, vor der ich
davonlaufen wollte. War das sein Geruch?
Seit wann roch er so? Tat er das früher nicht?
Oder war der Geruch eines anderen Mannes
auf ihm? Er kam nicht nach, klopfte nicht.
Er blieb dort mit dem Geruch, zu fern. Ich
zitterte vor Kälte, eingesperrt, am Boden.
Es half nicht. Die Hand meines Stiefvaters
sauste herab, eine Männerhand,
der Kopf flog mir weg. Später, wenn
er sich näherte, wich ich jedesmal aus.
Auch wenn die Hand weit weg war.
Es war der Geruch. Man kriegte
ihn nicht aus der Wohnung. Ich wich
den Männern aus. Ihre Welt
mochte ich nicht. Zu welcher sollte ich denn
gehören? Roch man den Männergeruch,
wenn ich einen anderen schlug?
Und der Schmerz jetzt. Soll ich aufsperren,
soll ich ihn waschen? Geht denn das? Soll
ich mich woanders zudecken und versuchen
einzuschlafen ohne ihn?



DER HUND JAGT ÜBER DIE WIESE UND ICH BEOBACHTE IHN.
Alle paar Augenblicke bleibt er stehen, er schnüffelt, eilt
weiter. Zieht Kreise. Vor allem beschnuppert er
die Maulwurfhügel. Er bohrt sich richtig hinein. Da stört
mich das Brummen meines Handys.
Bin gleich soweit. Was treibst du, fragt
eine bekannte Dichterin. Liest du? Schreibst du?
Im Park ist es wohl schön. Nein, nein! Sie verwirrt
mich. Ich betrachte die Maulwurfhügel … und
den Hund, der die Nase hineinsteckt. Ach, soooo? Ich
hab gedacht, du arbeitest. Na, ich ruf an, wenn
ich fertig bin. Jetzt machte er sich über den
größten her. Er gräbt wie wild, schnüffelt. Ich bin
zu dumm, kluge Gedichte zu schreiben. Ich laufe
zu ihm, denn er geht zu weit. Ich schreie, er
ignoriert mich. Ich ziehe ihn weg, knie mich hin,
schütze den Kanal in das Maulwurfland. Ich sehe,
einen hat er fertig gemacht. Hinten rettet jemand
panisch sein Fell. Ein schmächtiger Maulwurfdichter,
der an seinem Buch arbeitet. Er wird es tiefer
schleppen, in die Erde, binden lassen, und durch
Tausende von Kanälen wird es dann in die zentrale
Maulwurfbibliothek kommen, wo schon Millionen
Bücher die Geschichte bannen. Ich lächle, in der
Tasche brummt es wieder. Soll es doch. Ich stehe
auf, mache Platz, der Hund schaut mich an, und als
ich mich umdrehe, weiß er, dass er vernichten kann,
was noch übrig ist.



WAS IST ÜBERHAUPT PASSIERT? ICH GING AUF EINEN
nächtlichen Streifzug in eine Art Reservat
der Alternativkräfte des armseligen Volkes,
dem ich angehöre, und siehe da, ich kam
gleich ins Schlittern. Im Dunkeln wurde Bier
geschlürft, geredet, andere kreischten, einige
sprangen wild über die Tanzfläche. Es begann
nach Gras zu stinken, zwei Dealer boxten mir
in die Rippen, dass ich was kaufen soll. Da
sagte ich mir, nehm ich halt was als Vorrat,
vielleicht kommt was Schönes vorbei. Und weil
ich mich schon mein halbes Leben damit abmühe,
zu überleben und vielleicht das Geheimnis
des Lebens zu entdecken! Jetzt taumelte ich zu
den allerjüngsten Tänzern, um diese fruchtlosen
Mühen zu vergessen, und schon war da ein Junge,
der nur darauf wartete, sich bis zur Bewusstlosigkeit
zu betäuben. Ich drückte ihm eine Tablette
in die Hand und lächelte verschwörerisch.
Ich wusste, dass ich dabei nicht nüchtern
bleiben durfte, denn es schüttelte ihn bereits,
er verdrehte die Augen, knirschte mit den Zähnen
und brachte kaum noch ein Wort heraus.
Er klebte an mir, und unser Schweigen
brachte mich bei der hämmernden Musik
in Bewegung. An den Heimweg kann ich mich
nicht erinnern, plötzlich lag ich neben ihm.
Er schlief, draußen war noch Nacht, aber ich
konnte nicht schlafen. Ich zog mich an und ging
hinaus zu den Häusern und Straßen. Erst jetzt
bemerkte ich, dass es schneite, dass überall
Schnee lag. Ich schaute hinauf, wo
ich im Schein der Straßenlampen nur die
Flocken sah, die auf mich zuflogen.
Alles drehte sich, es war so schön,
alle Fragen schienen mir völlig
bedeutungslos.

 
 


© Männerschwarm - 1999 - 2012 -Lange Reihe 102 - 20099 Hamburg
Kontakt/Webmaster: Detlef Grumbach