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Michael Bochow

Ich bin doch schwul und will das immer bleiben

Schwule Männer im dritten Lebensalter

Edition Waldschlösschen Bd. 6
kart., 376 S., € (D) 22,00
ISBN 3-935596-79-0


Ebook im PDF-Format:
EUR 9,99


Leseprobe:
Biografische Skizzen aus der Studie


Pressestimmen


zum Autor



Buch portofrei oder als Ebook bestellen bei
www.gaybooks.de

Alt und (doch nicht) allein?
Wie leben schwule Männer im Alter heute?

Einer ist Jahrgang 1925, hatte schon in frühester Jugend homosexuelle Kontakte und blickt zufrieden auf ein erfülltes Leben zurück. Einsam ist er auch im Alter nicht. Ein Anderer dagegen war lange verheiratet, entdeckt seine Homosexualität erst mit sechzig und versteckt sie gegenüber seiner Familie und den Freunden. Wie soll er Kraft aus einer Gemeinschaft schöpfen, die ihn trägt? Ob Schwule Angst vorm Alter haben, ob sie im "dritten" Lebensalter einsam und versteckt leben, ob sie ein soziales Netz, Freunde und Kontakt zur "Szene" haben, hängt von vielen Bedingungen ab. Wovon und auf welche Weise sich ihre zu einem erheblichen Teil schwierige Situation verbessern ließe, hat der Berliner Soziologe Michael Bochow im Auftrag des Schwulen Forums Niedersachsen untersucht. 33 schwule Männer, die 55 Jahre alt und älter sind, hat er für seine Studie interviewt. Die Ergebnisse werden in Form einzelner, gut lesbarer und oft auch anrührender Lebensgeschichten präsentiert und einer Analyse unterzogen. Um den Blick nicht zu verengen, hat Bochow zum Vergleich auch einige deutlich jüngere Männer nach ihrer Lebenssituation befragt. Am Ende formuliert er die Anforderungen, die sich daraus ergeben: an die Schwulen selbst und ihre Community, an die Sozialpolitik und an die ganze Gesellschaft.
Dieser Titel kann bei Libreka Volltextsuche teilweise eingesehen werden.


Pressestimmen

... gibt Auskunft über die Situation von älteren Schwulen und zielt dabei auf die schwule Lebenswirklichkeit von morgen.
Rainer Hörmann in Hinnerk 2/2006

Dieser hervorragende Band zeigt die verschiedenen Aspekte schwulen Lebens von "älteren" Männern. ... Für mich ein sehr liebevolles Buch über Männer mit Geschichte(n). Unbedingt empfehlenswert.
Mario Reinthaler in Xtra 10/2005

Vielleicht hat der Horror vorm Alter auch damit zu tun, dass man keine alten Schwulen kennt. Dass man kein Bild davon hat, wie es gehen soll - und auf andere Quellen angewiesen ist...
Peter Rehberg in Siegessäule 11/2005

Nicht um Ermutigung und Modellbildung für die Zukunft geht es Bochow, sondern um eine möglichst differenzierte Darstellung des Ist-Zustands und der Wege, die dorthin geführt haben. ... Wer schon in jungen Jahren relativ offen mit seiner Homosexualität umgehen konnte, ist im Alter meist glücklicher als jene, die ein Leben lang ängstlich und zurückhaltend waren.
History 5/2005

So wird also die Frage nach einem geglückten Coming-out zentral für den "Dritten Lebensabschnitt", sagen wir's ruhig: das Alter.
Rolf G. Klaiber in GAB 12/2005


Als Leseproben seien hier einige "Biographische Skizzen" angeboten, die in aller Kürze Informationen über einige der in der Studie befragten Schwulen geben:

Bernhard Rodenberg wird 1925 im Rheinland geboren. Als er 13 ist, wird sein Vater als preußischer Beamter aus dem Rheinland nach Hannover versetzt. Mit 17 wird er nach dem Realschulabschluss zur Wehrmacht eingezogen. Als Soldat der Kriegsmarine kommt er 1944 nach Frankreich und dort in amerikanische Kriegsgefangenschaft, die jedoch nur wenige Monate andauerte. Schon 1945 ist er zurück in Hannover, wo er eine Ausbildung zum Schneidergesellen macht. Es gelingt ihm in den fünfziger Jahren, eine Anstellung in einer Couture-Firma in Hannover zu bekommen, in der er bis zu deren Konkurs in den sechziger Jahren arbeitet. Danach arbeitet er in einem größeren Hannoveraner Industriebetrieb als technischer Übersetzer. Wegen starker rheumatischer Beschwerden geht er in den Vorruhestand. Seit über 30 Jahren lebt er mit seinem 20 Jahre jüngeren Freund in Hannover zusammen.

Thadeus Herdes wird 1935 geboren und wächst bei seinen Adoptiveltern in Hildesheim auf. Er macht eine Lehre als Schuhmacher im elterlichen Betrieb. Mit 18 verlässt er wegen seiner Homosexualität das Elternhaus und zieht nach Hannover. Dort arbeitet er zunächst als Verkäufer, recht bald auch zusätzlich als Barmann im "Wielandseck", der wichtigsten Bar für homosexuelle Männer im Hannover der fünfziger Jahre. Später arbeitet er in einem Spirituosengeschäft und nebenbei als Kellner bzw. Barmann. Eine Zeit lang betreibt er selbst mit seinem Freund eine Bar. Zuletzt findet er eine Anstellung in einer Modeboutique, in der er nach seiner Verrentung eine Teilzeitstelle innehat. Mit seinem ersten langjährigen Freund lebt Thadeus zwölf Jahre zusammen, mit seinem zweiten Freund 28 Jahre. Dieser stirbt 1995 an Lungenkrebs.

Konstantin Weishaupt wird 1926 geboren. Er wird mit 17 zur Wehrmacht eingezogen und kommt an die Ostfront, wo er 1944 in Ostpreußen aufgrund einer Schusswunde seinen linken Fuß verliert. Er liegt daraufhin über ein Jahr im Lazarett. 1946 kann er sein Abitur nachholen, danach studiert er Jura in Göttingen. Während seiner Berufstätigkeit ist er in verschiedenen niedersächsischen Ministerien tätig. Mit 59 geht er in Frühpension und lebt weiterhin im geräumigen Stadthaus seiner Eltern, in dem er seit seiner Jugendzeit gewohnt hat.

Ali Khalil wird 1929 in Alexandria geboren. Sein Vater ist ägyptischer Unternehmer, seine Mutter deutsche Musikerin, die ihren Beruf zugunsten von Ehe und Familie aufgibt. Ali K. besucht eine französische Ordensschule in Kairo und studiert dort nach dem Abitur Medizin. Seine Facharztausbildung als Internist macht er ab 1954 in West-Berlin. 1958 folgt er seinem Chefarzt nach Oldenburg. Später macht er sich selbständig in Oldenburg, 1959 lernt er einen Kölner Kunsthistoriker kennen, der die große Liebe seines Lebens wird. Der frühe Tod (1966) seines Freundes stürzt Ali Khalil in große Einsamkeit. 1969 macht er die Bekanntschaft eines Bibliothekars aus Münster, mit dem er seitdem befreundet ist. Diese Beziehung bleibt jedoch - nicht nur geographisch gesehen - eine Beziehung auf Distanz. Zum Zeitpunkt des Interviews lebt Ali Khalil seit mehreren Jahren in Oldenburg im Ruhestand.

Achim Dotsen wird 1944 in Minden geboren. Sein Vater ist Beamter des mittleren Dienstes, seine Mutter Hausfrau. Er absolviert die Realschule in Osnabrück und macht eine Lehre als Bankkaufmann. In diesem Beruf arbeitet er einige Jahre. Mit 23 Jahren lernt er seinen Lebensgefährten Jürgen kennen, der neun Jahre älter ist. Mit Ende 20 gibt er seinen Beruf als Bankkaufmann auf und arbeitet im Schuhgeschäft seines Freundes. Dieser zieht Ende der achtziger Jahre in einen Vorort von Oldenburg, um dort wiederum ein Geschäft aufzumachen. Nach zwei Jahren folgt ihm Achim D. Das Freundespaar lebt seitdem zusammen in der gemieteten Hälfte eines Zweifamilienhauses. Achim D. arbeitete einige Jahre als Taxifahrer, seit fünf Jahren betreibt er mit seinem Freund einen Getränkeladen.

Jürgen Radek wird 1941 in Oranienburg geboren. Sein Vater stirbt, als er 14 ist, seine Mutter hat eine Kaderposition im Bezirk Frankfurt/Oder. Er hat zwei Brüder. Ein einjähriges Pädagogikstudium muss er wegen einer Haftstrafe (sexuelle Kontakte mit einem 15jährigen Jugendlichen) abbrechen. Jürgen Radek absolviert schließlich ein Lehramtsstudium in den Fächern Geschichte und Englisch. Er heiratet 1968 seine Partnerin, die 1967 einen Sohn von ihm bekommen hatte. 1969 wird eine Tochter geboren. Da er erneut zu einer Haftstrafe verurteilt wird wegen sexueller Kontakte zu einem Jugendlichen, lässt sich seine Frau 1971 von ihm scheiden. Nach seiner Haft gelingt es ihm in den siebziger Jahren, eine Stelle in der Ausbildungsabteilung eines Ost-Berliner Industriebetriebs zu erhalten. In den achtziger Jahren arbeitet er im Kulturamt eines Ost-Berliner Bezirks. Mit der Wende verliert er dort seine Stelle. Jürgen R. versucht einen beruflichen Neuanfang in Hamburg und Hannover, der scheitert. Er ist mehrere Jahre arbeitslos. Im Jahre 2001 wird bei ihm Vollbild AIDS diagnostiziert, seit 2002 wird er von der Hannöverschen AIDS-Hilfe betreut. Jürgen Radek ist sehr gebrechlich. Obwohl ihm das Reden schwer fällt, beteiligt er sich engagiert am Interview. Es bereitet ihm sichtliche Freude, ausführlich über sein Leben zu erzählen und einem aufmerksamen Gesprächspartner mitzuteilen, was ihn beschäftigt.

Gunnar Olsen wird 1937 in Hannover geboren. Sein Vater ist Baumaterialhändler, seine Mutter Hausfrau. Er hat zwei Brüder. Er macht eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann und arbeitet im elterlichen Betrieb. Er heiratet 1962, 1964 wird eine Tochter geboren und 1970 ein Sohn. Vor und während seiner Ehe hat er immer wieder gleichgeschlechtliche Sexualkontakte. Lange Zeit hofft er, dass seine Ehe sein homosexuelles Begehren vermindern wird. Dies ist jedoch nicht der Fall, so dass es Ende der siebziger Jahre zur Trennung von seiner Frau kommt. Aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten muss die väterliche Firma Anfang der achtziger Jahre schließen. Gunnar O. findet bald eine Anstellung als kaufmännischer Angestellter in einem Baumarkt. Dieser geht Mitte der neunziger Jahre in Konkurs. Gunnar O. wird arbeitslos und mit 60 Jahren frühverrentet. Im Alter von 63 Jahren lernt er einen 25 Jahre jüngeren Mann kennen, mit dem er zum Zeitpunkt des Interviews seit einem halben Jahr fest befreundet ist.

 
 


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