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Lutz Büge
& Charles Dickens

Der Fall Edwin Drood

Eine Zeitreise

Übersetzungen aus dem Englischen
von Heike Steffen
Taschenbuch
336 Seiten
vergriffen, Reste im schwulen Buchhandel
ISBN 978-3-939542-23-0

Pressestimmen

Leseprobe

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Ein viktorianisches Geheimnis

Ein verschlafenes Nest im England des 19. Jahrhunderts: ein sportlicher Vikar, der bei seiner Mutter wohnt, ein exotisch-schönes Geschwisterpaar aus den Kolonien, ein opiumsüchtiger Kantor und sein reizender Neffe. Wie in Filmen von Alfred Hitchcock scheint die Welt in Ordnung zu sein, aber dann geschieht das Undenkbare: Edwin Drood, der Neffe des Kantors, verschwindet spurlos. Die Bewohner des Städtchens geraten in Aufruhr ... und der Autor Dickens stirbt, ohne seinen letzten Roman vollendet zu haben.

Lutz Büge präsentiert einen Schluss, wie ihn Dickens nicht besser hätte schreiben können: Die Guten werden glücklich, die Bösen werden bestraft, die Liebenden finden zueinander, und die Seelen der untoten Romanfiguren werden endlich erlöst!

Drood und schwul? Dabei fügt sich in Büges Komplementär-Erzählung Der Fall Edwin Drood sprachlich und inhaltlich erstaunlich glatt gestrickt aus Originalvorlage und Ergänzung, nur zusammen, was doch irgendwie zusammen gehört. Dickens Männerpersonal nähme sich fraglos auf jeder CSD-Parade prächtig aus. Sie sind ja nicht nur überwiegend ausnehmend hübsch, die braven Männer aus Cloisterham um den sanften Hilfskanonikus Septimus Crisparkle, sie pflegen obendrein ausnehmend herzliche, ja vertrauliche Umgangsformen.
Wolfgang Hettfleisch über die Originalausgabe in der Frankfurter Rundschau


Pressestimmen

... mitreißend, überschwänglich, lustvoll zwischen Prosa und Punk ... Müsste man einen Live-act beider Autoren beschreiben, wäre "schrullig-schön versus rotzig-schwul" genau der richtige Slogan.
Männer 2/2008

Ein witziger, vielschichtiger Roman
Martin Weber in Lambda-Nachrichten

Büge schafft es, die Stimmung des 19. Jahrhunderts einzufangen und einen klassischen Roman ohne Brüche zu beenden.
Xtra

Ein spritziges Highlight im noch jungen Buchjahr.
Adam


"Erzählen Sie mir von sich", fordert Edwin. Ich bin sicher, dass es über Sie viel, viel mehr zu erzählen gibt als über mich!"
Schweigen im Wind. Edwin versucht das Gesicht des anderen in der Dunkelheit auszumachen, aber er kann nichts weiter erkennen, als dass es ihm zugewandt sein muss. Er stellt sich vor, dass es erstaunt aussieht und vielleicht ein bisschen unwillig. Der Mond ist immer noch hinter Wolken.
"Ich wollte immer so sein wie Sie, schon lange, bevor ich Sie kennen lernte", sagt Neville leise, so dass Edwin seine Worte fast nicht versteht. "Ein britischer Gentleman, schön und lässig, von männlicher Haltung, so dass alle Anfeindungen wirkungslos an mir abprallen müssten. Ich wollte dem Leben mitten ins Gesicht spucken, genau wie Sie es gewohnt sind, und ihm zubrüllen: Du kannst mir nichts, ich bin dir über. Ich wollte die Kraft haben zu sagen: Was kann ich dafür, dass mir alles so einfach zufliegt - ist das denn nicht normal?"
"Sie beschreiben mich nicht besonders positiv", gibt Edwin betroffen zurück.
"Sehen Sie es von meiner Warte! Vergleichen Sie uns! Ich bin nicht schön und nicht lässig. Ich befremde die Menschen mit meiner Unbeherrschtheit und meiner dunklen Erscheinung, so dass sie nichts mit mir zu tun haben wollen, und ich muss mir selbst den kleinsten Fortschritt im Leben mühsam erarbeiten. Wie gern hätte ich es leichter gehabt!"
"Neville ... Darf ich Sie so nennen? Ich will Sie nicht verletzen oder herabsetzen, aber jetzt, wo wir nicht mehr zerstritten sind ..."
"Wenn ich Sie ebenfalls bei Ihrem Vornamen nennen darf?"
"Ja, natürlich. Was ich sagen will, ist ... Nein, so geht es nicht. Ich muss etwas ausschweifen und einen Umweg nehmen, einen Umweg über Ägypten. Seit meinem achten Lebensjahr weiß ich, dass ich nach Ägypten gehen will, um dort zu helfen die Segnungen des Fortschritts einzuführen. Es muss ein faszinierendes Land sein, fremdartig und geheimnisvoll, mit dunkelhäutigen Menschen. Ich sah einen Ägypter auf einem Jahrmarkt in London, als ich acht war. Er gab sich als Zauberer vom Kult des Osiris aus, doch das war natürlich nur eine Künstlerbezeichnung. Ich weiß nicht mehr, welche Kunststücke er dargeboten hat, aber ich bin sicher, dass der bleibende Eindruck, den ich von ihm hatte, nichts mit seiner Vorführung zu tun hatte. Ich habe noch heute manchmal das Gefühl, in seine Augen zu blicken, die dunkel wie die Nacht waren und tief wie die Zukunft. Seine Augen waren unglaublich kraftvoll! Wissen Sie, dass Sie ebensolche Augen haben?"
"Wie dieser Ägypter?"
"Genau wie er! Ich kann Ihre Augen im Moment nicht sehen, aber ich erinnere mich daran und schon damals, beim Mittagessen bei Mr. Crisparkle, als Mr. Honeythunder seine Reden schwang, ist mir aufgefallen, dass der Blick, der mich seit meiner Kindheit antreibt, dem Blick Ihrer Augen sehr ähnlich ist. Das war ein merkwürdiges Gefühl."
Just in diesem Moment geben die Wolken den Mond frei. Silbriges Licht ergießt sich über Nevilles bronzenes Gesicht, das eigentümlich exotisch schimmert. Groß und dunkel stehen darin die orientalischen Augen, die Edwin anblicken. Edwin stockt der Atem.
"Seltsame Worte, Edwin", murmelt Neville beklommen und mustert Edwin prüfend. Das Mondlicht spielt in ihren Haaren.
"Ich weiß nicht, wie ich darauf komme, Ihnen das zu sagen, aber ..."
Edwin spricht ebenso leise. Trotzdem kann Neville ihn leicht verstehen, als habe der Sturm plötzlich nachgelassen oder als seien sie einander näher gerückt. "Vielleicht sollte ich etwas mehr von jener Haltung beweisen, die Sie an mir schätzen. Aber wir wollen doch Freunde sein, nicht wahr? Darf ich also nicht so vertraut mit Ihnen sprechen?"
"Es bleibt unter uns hier im Sturm", antwortet Neville.
"Ist das nicht merkwürdig? Wir waren zutiefst zerstritten, aber jetzt fühle ich mich Ihnen plötzlich so nahe, dass ich gar nicht weiß, was ... Als wäre es schon immer so gewesen."
"Ihr Onkel stand zwischen uns, sonst nichts."
"Und Rosa. Sie haben so viel Temperament, und zusammen mit Ihrer exotischen Ausstrahlung - ich dachte, Sie würden mich bei Rosa ausstechen."
"Selbst wenn ich das wollte - ich glaube, ich hätte keine Chance", gibt Neville zurück. "Die meisten Engländer mögen mich nicht und ich fürchte, dass Miss Rosa darin keine Ausnahme macht."
"Dann sind die meisten Engländer dumm."
"Ich habe mich nie auf diese Weise für Miss Rosa interessiert. Was mich aufbrachte, war der Ton, in dem Sie über sie sprachen."
"Zu Recht. Sie sollen der Erste sein, der es erfährt: Wir haben unsere Verlobung aufgelöst. Rosa und ich haben festgestellt, dass wir uns nicht in dem Maß lieben, das zur Begründung einer Ehe nötig wäre."
"Wie englisch Sie doch sind!" Neville lacht leise und ein wenig spöttisch.
"Ja, spotten Sie nur." Edwin lacht ebenfalls und dann flüstert er: "Jetzt ist alles ausgeräumt, wirklich alles, nicht wahr? Ich jedenfalls fühle mich plötzlich sagenhaft frei." Er seufzt. "Es ist etwas in Ihren Augen ..."
"Edwin, vielleicht sollten Sie nicht so reden", sagt Neville mit einem leichten Zittern in der Stimme.
"Wenn nicht jetzt und hier, wann dann?"
Darauf weiß Neville nichts zu erwidern. Die Worte, die Edwin dann spricht, wird er sein Leben lang nicht vergessen.
"Wenn ich darüber nachdenke", sagt er und blickt Neville tief in die Augen, "dann kommt es mir immer mehr so vor, als ob ich Angst vor Ihren Augen hatte. Merkwürdig - das ist mir nicht bewusst gewesen. Diese Augen, die mir als Achtjährigem unvergesslich die Richtung gewiesen haben, blickten mich plötzlich über Mr. Crisparkles Tisch hinweg an, am Tag Ihrer Ankunft in Cloisterham." Er stutzt und fährt nach einigen Sekunden stockend fort: "Mir kommt da gerade ein merkwürdiger Gedanke. Ich weiß nicht recht, wie ich es sagen soll. Vielleicht ... vielleicht war es gar nicht Rosa, um die ich fürchtete. Vielleicht hat mich Ihre Anziehungskraft so verwirrt, dass ich Rosa nur vorgeschoben habe, um mich selbst zu schützen."
"Zu schützen? Aber vor wem denn?"
"Vor Ihnen, Neville. Ja, ich glaube, ich hatte Angst, Ihnen zu verfallen. Komisch, warum wird mir das erst jetzt bewusst?"
"Verfallen?", ruft Neville und weicht einen Schritt zurück, doch Edwin geht diesen Schritt mit.
"Bitte, Neville, bleiben Sie!", fleht er.
"Ich bleibe ja. Aber Sie sind ein Mann, wie können Sie da so was sagen? Als würden Sie mich ..."
Er bricht ab und mehrere Sekunden vergehen, bis Edwin leise sagt: "Ja, ich glaube, so ist es."
Neville blickt ihn schweigend aus weit aufgerissenen Augen an, deren Weiß im Mondlicht geheimnisvoll glitzert wie ein klarer Bergkristall. Für einen Moment droht sich eine Wolke vor den Mond zu schieben, streicht dann aber knapp daran vorbei. Das Schilf am Flussufer wiegt sich geschmeidig unter dem Ansturm des Winds. Edwin streckt seine freie Hand aus, um Nevilles Hand zu ergreifen. In der anderen hält er seinen Hut. Neville zuckt leicht unter der Berührung zusammen, hält Edwins Hand aber fest.
"Sie meinen, wie bei den alten Griechen?", flüstert Neville. "Mr. Crisparkle hat mir davon erzählt, dass sie ..."
"Warum brechen Sie ab?"
"Ich versuche mich an das Wort zu erinnern, das Mr. Crisparkle dafür verwendete - für diese Freundschaften unter Männern, die sich sehr zugetan waren."
"Ich bin Ihnen ebenfalls zugetan, Neville, und ich würde mir wünschen, dass Sie vertrauter mit mir reden würden."
"Sie verwirren mich, Edwin."
"Oh ... Das ist ein ziemlich großes Geständnis für einen stolzen Menschen wie Sie, nicht wahr?"
"Sie schaffen es, dass ich nicht weiß, was ich sagen soll."
"Sprechen Sie frei von der Leber, so wie wir es heute gelernt haben."
"Als Mr. Crisparkle mir davon berichtete, dass es diese Art von Freundschaft gab, konnte ich mir nicht vorstellen, dass derartige Beziehungen ... warmherzig sein könnten. Aber jetzt ... Wollen Sie wissen, was ich gerade denke? Ich denke, dass Sie wunderschönes, lockiges Haar haben."
Noch immer halten sie einander die Hand, noch immer blicken sie sich in die Augen ohne den Zwang zu verspüren, ihre Blicke zu senken.
Jetzt rücken sie einen winzigen Schritt aufeinander zu, so dass sie nur noch eine Elle voneinander entfernt sind. Da verschwindet der Mond hinter einer Wolke, sie sind in Dunkelheit getaucht, doch Edwin sagt: "Wie hell mir zumute ist."
Soll er? Will er? Darf er?
"Edwin, was ist das?", flüstert Neville. Sein Mund ist schon fast an Edwins Ohr.
"Ich weiß nicht, aber es kann nicht falsch sein, oder?"
"Nein ..."
Ihre Mäntel berühren sich und reiben sich leise knisternd aneinander. Hüte fallen zu Boden. Die beiden freien Hände finden sich im Dunkeln, werden ergriffen, lösen sich voneinander, suchen die Schulter des anderen und ziehen sie zu sich heran. Edwins Kopf schmiegt sich an Nevilles Schulter. Der Stoff des Mantels ist rau, aber Edwin meint, nie etwas Weicheres gespürt zu haben. Neville drückt seine Nase in Edwins Locken und saugt den Duft des Haars tief ein, während Edwin seine Wange an Nevilles Ohr reibt. Sie zittern, ihnen wird heiß bis auf ihre Hände. Edwin spürt Nevilles Lippen an seinem Hals. Heiß und kalt überläuft es ihn, er legt seinen Kopf ein wenig zurück, damit Neville besser herankommt, umschlingt ihn fest und drückt ihn an sich. Er weiß nicht, was er tut, aber es ist ein wunderbares, überraschendes Gefühl, das ihn völlig überwältigt, eine tiefe, brennende Wärme, die sich ganz und gar in ihm ausbreitet. Noch nie hat er einen anderen Menschen so nah bei sich gespürt.
Eng umschlungen und tief versunken stehen sie so bei der alten Hütte, während der Orkan über die Downs fegt, und hören dennoch nichts von seinem Heulen und Winseln. Über ihnen reißen die Wolken auf und Sterne scheinen auf sie herab, doch sie sehen nichts von ihrem Glitzern, denn ihre Augen sind geschlossen.
Langsam heben sie ihre Köpfe. Haar knistert an Haar, Wange an Wange, Nase an Nase. Blind finden sie den Mund des anderen, und als ihre Lippen sich berühren, durchzuckt es Edwin und plötzlich weiß er, was das ist. Es ist eigentlich unmöglich, abwegig, verboten, aber es ist durchdringend echt und richtig. Es ist helle Erkenntnis und ein dumpfes Rumoren im Bauch, und Knie, die schlagartig weich werden, als Edwin eine Zunge in seinem Mund spürt, die nach ihm tastet. Er weiß plötzlich, er war bisher nur eine taube Hülle, voll gestopft mit Formeln, und in diese Hülle donnert jetzt von außen ein berauschendes Gefühl hinein, eine endlos weite Welt, ein anderer Mensch, in dem er besinnungslos versinken möchte; und er überlässt sich diesem Gefühl. Er kann ohnehin nichts mehr machen, alles ist entschieden; doch Angst hat er deswegen nicht.
"Sag nichts", sagt Edwin, als sich ihre Lippen voneinander trennen.
"Es ist alles gesagt", gibt Neville zurück.
Und sie brechen zu einem weiteren Kuss auf.

Edwin blickt in die Runde und ein schuldbewusstes, zugleich aber siegessicheres Lächeln spielt auf seinen Zügen. Er ist blass und verschwitzt, aber er sieht an den Gesichtern seiner Zuhörer, dass alle Fragen hinreichend geklärt sind.
Mr. Grewgious ergreift als Erster das Wort. Seine Stimme klingt heiser, beklommen, als hätte er sich vorher räuspern sollen.
"Gestatten Sie, dass ich Punkt für Punkt vorgehe", sagt er. "Erstens: Geständnis. Ich gestehe, dass ich in diesen Dingen bedauerlicherweise zu wenig Erfahrung habe, um mitreden zu können. Ich meine Liebe ... Liebesdinge. Drücke ich mich unklar aus?"
"Klarer geht es nicht", antwortet Edwin.
"Sehr befriedigend. Punkt zwei: Lob. Obwohl ich nicht viel von dem nachvollziehen kann, was da vor sich ging, muss ich die Wiedergabe der Ereignisse loben. Sie war poetisch und plastisch genug, um mir klar zu machen, dass etwas geschehen ist, von dem ich nichts verstehe, so dass ich darüber umsichtig zu urteilen habe. Das wollte ich sagen: Umsicht ist die Mutter des Urteils."
Er blickt zweifelnd in die Gesichter der anderen und erntet zuversichtliches Nicken. Besonders Neville folgt seiner Rede mit weit aufgerissenen Augen.
"Punkt drei: Kritik. Mr. Drood, warum unterbrachen Sie Ihren Bericht ausgerechnet an dieser Stelle?"
Mr. Tartar stößt ein heiseres Lachen aus und knufft Crisparkle in die Seite. Mr. Datchery lächelt leicht debil und Neville wendet errötend seinen Blick ab.
"Verzeihen Sie, Mr. Grewgious", sagt Edwin. "Sollte ich Lücken gelassen haben? Worauf zielt Ihre Frage?"
"Auf den Vollzug, Mr. Drood, auf den Vollzug!"
Allen ist klar, dass er nicht den Strafvollzug meint. Datchery gluckst leise.
"Ich wollte Ihre Gefühle nicht verletzen, Sir", antwortet Edwin.
"Meine Gefühle tun nichts zur Sache!", versetzt der Anwalt. "Was geschah also?"
"Nun ja, irgendwo musste ich schließlich übernachten, nicht wahr? Bei Jasper zu schlafen war mir nach diesem Abend nicht mehr möglich. Möchten Sie wirklich detailliert erfahren, was ..."
"Sehr wahr, alles klar, nein danke." Mr. Grewgious räuspert sich endlich, wendet sich an Mr. Datchery und verkündet: "Bester Mann, ich verstehe vollkommen, was hier vorgefallen ist. Sie haben vollendete Arbeit geleistet!"
"Verstehen Sie wirklich?", fragt Datchery und blickt seinen Auftraggeber zweifelnd an. "Warum zum Beispiel setzte sich Mr. Drood einfach ab, ohne irgendein weiteres Lebenszeichen? Warum ließ er die ganze Welt glauben, er sei Opfer einer Gewalttat geworden?"
"Nun, Mr. Datchery, ich darf wohl unterstellen, dass Sie der Schilderung des jungen Mannes aufmerksam gefolgt sind. Er hat es selbst gesagt: Für ihn hat ein neues Leben begonnen. Sein vorheriges Leben hat er einfach hinter sich gelassen - mit einer Konsequenz, die man nur als rücksichtslos bezeichnen kann und die trotzdem verständlich wird, wenn man sich in die Lage des Betroffenen hineinversetzt. Ich verstehe von diesen Dingen nicht viel, aber ich darf wohl unterstellen, dass dieser Schritt ebenso von Mut wie von Angst geprägt war."
"Mut zum radikalen Schnitt und Angst vor verständnislosen Fragen", sagt Helena, nickt und sieht ihren Bruder an, der den Blick erwidert. Sie ist vor einigen Minuten ins Zimmer zurückgekehrt und hat den Schluss des Berichts noch mitbekommen. Rosa steht neben ihr und lächelt selig, da endlich alles geklärt scheint. Sie hat ihren Arm um Helenas Hüfte gelegt. Ab sofort muss sie sich nicht mehr heimlich mit Helena treffen und weitere Fragen, wen man lieben darf und wen nicht, erübrigen sich.

 
 


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