"... das ultimative Buch zum CSD"
(NDR Fernsehen N3)
Die alljährlich im Sommer stattfindenden Paraden schwuler Männer und lesbischer Frauen durch die großen Städte finden immer stärkere Beachtung bei Presse und Bevölkerung. Politiker und andere Prominente übernehmen Schirmherrschaften oder ziehen gar mit im Zug, und nicht nur im karnevalsgeübten Köln schaut sich auch das heterosexuelle Publikum das verrückte Treiben gern an.
"Over the Rainbow - Ein CSD-Lesebuch" präsentiert die Christopher-Street-Day-Paraden in ihrer Vielfalt und Buntheit aus unterschiedlichen Perspektiven (Text und Bild) zwischen zwei Buchdeckeln. Die Autorinnen und Autoren aus Hamburg, Berlin, München, Köln, Bochum und Freiburg gehen von eigenen Erleben und der eigenen Anschauung des CSD aus, spießen einen besonderen Aspekt auf, feiern, ironisieren, kritisieren oder amüsieren sich.
So werden die Beschreibung der heutigen Parade auch zum Ausgangspunkt für Exkurse in die Geschichte und in politische Auseinandersetzungen genommen. "Over the Rainbow" wird so zu einem kleinen "Baedeker zum CSD", zum "Botschafter" dieses Ereignisses weit über die "Community" hinaus.
Inhalt
- Der amerikanische Tenor - Wer war Christopher Street?
von Frau Emmi
- Der unerotische Hauch von bleifreiem Benzin - Dykes on Bikes
von Manuela Kay
- Typenlehre
von Jürgen Bräunlein
- Sehnsucht nach Rügen
von Stephanie Kuhnen
- "Nur die Liebe lässt uns leben" - Das Stelldichein der Schlagerprominenz
von Christoph Dompke
- Ellenbogen raus - Lesben und Schwule passen gut zusammen
von Ulrike Anhamm
- Contraceptia die Erste und Letzte - Ein CSD in der Provinz
von Lutz Büge
- Die Freiheit nehm ich mir! - Feminismus, der CSD und die Homoehe
von Verena Lappe
- Die Seele loslassen - Schwarze Luftballons und ein rosa-lila Fahrrad
von Andreas Meyer-Hanno
- UfftaPuschelHappyGay - Mit Muttern in der CSD-Loge
von Rolf G. Klaiber
- Seltene Vögel des Wattenmeers - Die Medien und der CSD
von Angela Gobelin
- Die Dritte Wurst ist gratis
von Hans Stempel
- Der CSD, der Karneval und andere kollektive Selbstzerstörungsstrategien
von Giannina Wedde
- Nackte Leiber - und kein Sex? - Ein CSD-Mysterium
von Peter Jungblut
- Ein amerikanische Traum? - Was war der Christopher-Street-Day?
von Detlef Grumbach
"Over the Rainbow - das ultimative Buch zum CSD."
Frank Jahn in der Live-Übertragung des CSD-Hamburg im NDR Fernsehen, 9. Juni 2001
"Das war doch eigentlich längst überfällig ... (und) verdanken wir Herausgeber und Mitautor Detlef Grumbach, der nicht nur auf eine gewisse Ausgewogenheit im Geschlechterproporz der AutorInnen geachtet hat, sonder auch die meist sehr unterhaltsam geschriebenen, persönlich und regional identifizierbaren Beiträge mit sachlich-informativen Zitaten, Zahlen oder historischen Quellen angereichert hat."
Sergej München Juni 2001
"Was sich anhört wie leichte Kost, ist es auch, allerdings gewürzt mit spannenden Gedanken, unterlegt mit interessanten und kreativ zusammengestellten Wahrnehmungen"
Lespress Juni 2001
"Egal ob glühender Verfechter oder frustrierter Verächter zunehmend karnevalesker CSD-Paraden - Detlef Grumbachs feinfühlige Textauswahl zu diesem 'Lesebuch zum Christopher-Street-Day' schafft es, durch ungewöhnliche Blicke auf Historie und Gegenwart des Gedenktags Lust auf die aktuelle CSD-Saison zu wecken."
Siegfried Straßner in Nürnberger Schwulenpost Juni 2001
"Höhepunkt des Bändchens ist Peter Jungbluts mehr als unterhaltsames Geständnis, nach 15 Jahren, rund 30 Paraden und trotz all der nackten Leiber noch immer keinen Sex auf dem CSD erlebt zu haben. Eben das sind die Fragen, die uns zu "unserem" Feiertag bewegen. So kann man sich mit "Over the Rainbow" prima in CSD-Stimmung lesen, das Lesebuch wird wohl bald zur Paraden-Vorbereitung gehören wie der Sekt und die Perücke. Und mit ihm hat der schwul-lesbische Nachwuchs auch endlich eine unterhaltsame Gelegenheit, mal tiefer in die spannende Historie der Christopher-Street-Day-Veranstaltungen einzusteigen."
Micha Schulze in "Queer Magazin" 5/2001
"Detlef Grumbach hat auf 96 Seiten einen kleinen 'Baedeker zum CSD' geschaffen, der sicher ein Botschafter des Ereignisses weit über die Community hinaus wird."
Anders ist richtig rum, CSD-Programm Hamburg
"Eine amüsante, kurzweilige Lektüre."
Adam 06 / 2001
"... zum Verschenken an Oma und den Heterobruder oder für eine kurzweilige Fahrt zur nächsten Parade."
Sergej Juni 2001
"Die Erfahrungsberichte sind mit Kommentaren aus Medien, Wissenschaft und Homogeschichte angereichert und machen das schmale Lesebuch zur idealen Lektüre bei der Anreise zum nächsten CSD-Event."
Thanassis Kalaitzis in Gay-Press.de 5 / 2001, S. 45
"Eine höchst vergnügliche Reise durch die homophile Spaßkultur und ein Appetitmacher auf das, was sich auf den Straßen und Plätzen des Landes in diesem Sommer wieder abspielen wird. (...) By the way wird ein wenig Historie mitgeliefert, in feinen und ernsthaften Häppchen serviert und so dosiert, dass der Spaß nicht auf der Strecke bleibt. Denn irgendwie ist der CSD natürlich hochpolitisch - aber eben doch auch Party (...).Das schöne: "Over The Rainbow" hat generationsübergreifend etwas zu bieten. Und wenn man noch nie auf einem CSD gewesen ist, wird man sich spätestens nach der Lektüre auf die Reise machen."
Stefan Mielchen, Eurogay.de
"Ein subjektiver und pointierter, ironischer und kritischer Blick auf den CSD für jedefrau und jedermann, egal ob aufgeklärt verklemmter Homo oder verklemmt aufgeklärter Hetero."
Our Munich Juli 2001, Seite 26
Das CSD-Mysterium
von Peter Jungblut
Zeit für ein peinliches Geständnis: Ich hatte - trotz vieler Bemühungen! - noch nie Sex auf einem CSD. Die niederschmetternde Bilanz von schätzungsweise 15 Jahren reger Beteiligung am schwullesbischen Hochamt. Mindestens 30 Paraden in drei Städten habe ich über die Jahre vorbeiziehen lassen. Ich war in München als Tunte unterwegs, in Köln als Matrose und in Berlin als Hochzeiter in der weißen Kutsche - alles vergeblich. Nun wird man mir vielleicht unterstellen, dass ich die Männer das ganze Jahr abschrecke und meine unfreiwillig enthaltsamen CSD-Tage daher nicht weiter von Belang seien. Falsch vermutet! Im Kölner Karneval zum Beispiel waren meine erotischen Abenteuer mitunter so zahlreich und anstrengend, dass ich danach zwei Wochen mit Fieber im Bett lag. Selbst bei minus fünf Grad, eingemummt am Rosenmontagszug, lernte ich einen bezaubernden städtischen Angestellten kennen, der wahrscheinlich bis heute seiner verantwortungsvollen Tätigkeit in der Poststelle des Kölner Rathauses nachgeht. Man sieht also: ich kann sogar im Schneetreiben - warum also klappt es nicht im Hochsommer, bei 30 Grad, zehntausend halb- oder ganz nackten Leibern, die verzückt durch den höchsten Feiertag der Schwulen und Lesben stöckeln? Anders gefragt: was ist der fundamentale Unterschied zwischen CSD und Rosenmontag? Eine Antwort auf diese Frage würde ein echtes CSD-Mysterium ein für allemal aufklären.
Vielleicht ist das vorliegende tabulose Geständnis auch der erste Schritt zu einer Selbsthilfegruppe, die dann auf den diversen Paraden mit einem eigenen Wagen präsent sein könnte ("Hilfe, der CSD macht uns impotent!"). Was mich betrifft, fängt der CSD-Tag schon ausgesprochen lustfeindlich an. Durch das frühe Aufstehen gerät mein Biorhythmus nämlich völlig durcheinander. Spätestens um neun muss man munter sein, will man rechtzeitig den Ausgangspunkt der Parade erreichen. Der ganze Vormittag: nur Stress und Hektik. Wagen schmücken, Luftballons aufblasen, Getränke besorgen, sich das richtige Outfit verpassen. Ich bin schon müde und geschafft, wenn der erste Wagen mit der üblichen Verspätung losrollt. Nun wäre das allein natürlich noch lange kein Grund, den Tag gänzlich ohne Sex hinter sich zu bringen: schließlich ist auch die morgendliche Vorbereitung auf den Rosenmontagszug anstrengend, und trotzdem klappt es dort vorzüglich mit der Anbahnung von fleischlichen Genüssen. Es muß folglich etwas mit der Aura des CSD zu tun haben, dass die Libido ihr Mittsommernachts-Schläfchen hält. Jeder, der auf sich hält, rafft sich an diesem hohen Festtag auf zu politischen Bekenntnissen - proud to be gay! Man schunkelt im Kreise der Bewegungsschwestern und -brüder, überschüttet die Passanten mit emanzipationsgesättigten Parolen und ist voll und ganz damit beschäftigt, seine Freude über die innere und äußere Befreiung hinauszuschreien. Das kostet Kraft, und es ist fast schon ein sakraler Akt. Mich erinnert die Stimmung auf den diversen Wagen an die freudetrunkenen Chöre amerikanischer Gospelinterpreten - man feiert in aller Reinheit, das Leben wird für einen Tag zu einem einzigen Pfadfinderlager. Es fällt mir in dieser Kulisse schwer, geile Gedanken zu wälzen. Zwar sind meine Foto-Alben voll mit CSD-Bildern, die mich in aufreizenden Stellungen mit ganz aparten Männern zeigen, aber das ist alles nur Dekor ohne Inhalt. Ich fürchte, ich hatte auf einem CSD noch nicht einmal eine Erektion - das zweite peinliche Geständnis. Die weihevolle Atmosphäre unterdrückt offensichtlich die segensreiche Tätigkeit der Schwellkörper auf perfide Art und Weise. Hinzu kommen die rein äußerlichen Hemmnisse. Man konsumiert in der Regel bis zum Mittag die erste Flasche Sekt. Man fährt drei bis vier Stunden auf einem Wagen mit. Man steht im Kreise seiner Lieben an der Parade-Strecke. Man stöckelt aufopferungsvoll den gesamten Parcours ab. Wie auch immer: gegen 16, 17 Uhr ist man fix und fertig. Das ist dann die Zeit für die obligate Dusch- und Fernsehpause. An Sex wieder kein Gedanke. Die Batterie ist leer. Wenn's die Energie erlaubt, hält man die Augen offen, bis im TV die CSD-Berichte laufen und ist enttäuscht, weil die Kamera wieder mal wegschwenkte, kaum das man im Bild gewesen wäre. Ich persönlich mache danach regelmäßig auf "family", d.h. ich treffe mich mit meinen langjährigen Freunden in der jeweiligen Stadt und gehe mit ihnen gemütlich zum Essen. Früher habe ich anschließend diverse CSD-Parties besucht. Das war meist eine sehr fröhliche Angelegenheit, weil ich dort Freunde und Bekannte aus der ganzen Republik traf, aber diese Art von Familienfeier verhinderte eben auch, dass man sich ungezwungen auf die Pirsch machen konnte. Wo man umzingelt ist von einem Dutzend Männern, mit denen man mal Sex hatte, sind die Triebkräfte automatisch blockiert. Also pflegt man die Konversation, lässt 15 Jahre CSD-Geschichte Revue passieren, betrinkt sich maßvoll, umarmt sich in sentimentaler Aufwallung und verabschiedet sich schließlich hochgestimmt ins Bett. Wie anders verläuft der Rosenmontag in Köln oder der Schwulengruppen-Karneval in München! Man ist schon mal vollkommen befreit von politischen Gedanken - die Großhirnrinde kann sich ganz darauf konzentrieren, was so an Signalen aus dem Stammhirn heraufgefunkt wird. Die Hormonflut der Keimdrüsen wird nicht kanalisiert. Man darf emanzipiert sein, ohne emanzipiert wirken zu müssen. Kein Mensch fragt einen im Karneval nach Judy Garland, Magnus Hirschfeld oder Martin Dannecker. Alle CSD-Ikonen bleiben vollkommen unerwähnt. Man muss nicht einmal Interesse aufbringen für Volker Beck! Niemand will wissen, wie man zum Lebenspartnerschaftsgesetz steht, wer im Fall einer Vermählung den Mann spielt und wer die Frau. Der Karneval ist völlig frei von solchen Ansinnen. Es reicht, ausgestattet mit zehn Glas Kölsch am Rosenmontagszug zu stehen und runde drei Stunden das geile Teil auf der anderen Straßenseite zu fixieren, bis es schließlich rüberkommt und einem seine Zunge in den Mund steckt. Das Schönste daran: Man hat dabei noch nicht einmal ein schlechtes Gewissen! Insofern ist es also vollkommen falsch, den CSD als schwulen Karneval zu bezeichnen - Welten liegen dazwischen. Der CSD ist ein politisch korrekter Tanztee vor einem immer zahlreicher werdenden heterosexuellen Publikum. Er wärmt das Herz, nicht die Hose. Unvergesslich sind mir die rührenden Szenen, als ich mal für den LSVD ein herzförmiges Papp-Sandwich durch Berlin getragen habe mit der Aufschrift "Liebe kennt keine Grenzen". Ältere Damen kamen im strömenden Regen auf mich zu, nickten mit einer ganzen Lawine von Verständnis, deuteten auf mein propagandistisches Marschgepäck als wäre ich Jesus und munterten mich auf mit einem tief bewegenden "Stimmt!". Nach solchen eruptiven Erscheinungen von Toleranz vergisst man sein Geschlechtswerkzeug für Stunden, und wandelt beglückt im CSD-Karma. Nun wäre es natürlich von Interesse, festzustellen, ob ich mit meiner Hormon-Blockade auf CSDs ein Ausnahmefall bin. Man könnte es annehmen, denn immerhin gibt es längst diverse CSD-Wagen, auf denen die unge-nierte sexuelle Stimulation gang und gäbe ist. Was aber, wenn auch hier das Dekor den Inhalt überdeckt? Will man am Ende gar keinen Sex, sondern nur zeigen, wie selbstverständlich man heutzutage schwulen Sex in aller Öffentlich-keit haben könnte? Erotisch im engeren Sinne sind die Kopulations-Demonstrationen auf Tiefladern für mich jedenfalls nicht. Ich muss auch zugeben, dass ich mich nicht erwärmen kann für die hier und da zu sehenden Nackten, obwohl manche durchaus appetitlich gebaut sind. Angemalte schlaffe Schwänze, die - lustlos! - durch die Menge baumeln, machen mich einfach nicht an. Womöglich liegt das an den Cock-Ringen, die völlig funktionslos mitgeschleppt werden.
Alles in allem habe ich mich inzwischen abgefunden mit meinem Problem. Ich fahre zu den CSDs wie früher Weihnachten zu den Eltern: pflichtbewusst, sentimental gestimmt und nur mit tugendhaften Absichten. Feiertage im Kreise der Familie. Statt Männer sammle ich auf dem Kölner CSD die Pfandgläser, für jedes Jahr mindestens eines! Die erinnern mich den Rest des Jahres an die höheren Ziele der Schwu-lenbewegung. Ich nehme sie mit Demut aus dem Schrank und beobachte das Ausbleichen der Aufdrucke mit ehrfürchtigem Schauer: das zerfurchte Gesicht der Tradition! Übrigens, einmal habe ich doch einen wahnsinnig geilen Augenblick auf einem CSD gehabt. Es war wie ein Blitz im November-Nebel. Ganz an der Spitze der Parade rollten drei, vier Polizisten auf Motorrädern. Einer von denen fuhr wenige Zentimeter an mir vorbei. Grüne Ledermontur, ein geiles Gesicht, ein Blick zum verrückt werden, ein Lächeln zum Verlieben. Bitte melde Dich!
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