Xaver Rammbock
Die Welt der Knollennasen
Eine sozio-rhinologische Untersuchung
Kartoniert
144 Seiten
zahlreiche Abb.
14,00 EUR (D)
ISBN: 978-3-939542-99-5
Pressestimmen
Der Autor
Leseprobe
|
|
 |
|
|
Die Welt der Knollennasen
Ob Konrad und Paul, Adam und Eva oder Gronzo Granato, Ralf König hat ein Universum der Knollennasen geschaffen, das zunehmend die uns bekannte Welt durchdringt. Und es gibt so manches, was wir Langnasen von unseren andersnasigen Brüdern lernen können. Umso erstaunlicher ist es, wie lückenhaft unser Wissen über die Knollennasenmatrix beschaffen ist. Xaver Rammbock, der selbst diesem Paralleluniversum entstammt, gewährt uns nach gründlichem Studium der Quellen atemberaubende Einblicke: diese Wissenschaftsparodie ist komisch und aufschlussreich und ein Muss für alle Ralf-König-Fans!
Und dies sind einige seiner Themen: Wahnsinn und Normalität, die Frau als Randerscheinung, Familienaufstellungen, Metaphysik, Hundeleben sowie "David Cassidy und die Problematik des Realimports". Seine Erkenntnisse über Zeitverschiebung, Geschwisterkonstellationen und die Arbeitsbedingungen von Putten in der Weihnachtszeit werden die Rhinologie auf völlig neue Grundlagen stellen!
Das Universum der Knollennasen von Ralf König hat viele Besonderheiten. Die Geschichten spielen in der Realität, die Figuren sind (abgesehen von einzelnen physischen Besonderheiten) echte Menschen, die als solche auch dem Alterungsprozess unterliegen, und der Witz der Geschichten wird aus den Eigenheiten und Angewohnheiten dieser realen Menschen gewonnen. Was liegt also näher, als den Versuch zu unternehmen, all die in fast dreißig Jahren entstandenen Geschichten einmal gründlich zu analysieren und das "Weltbild" herauszuarbeiten, das ihnen zugrunde liegt. Unser Autor hat das getan, und man kann nur staunen, auf welche Bereiche in Alltag, Kultur und Geschichte sich die Welt der Knollennasen bereits erstreckt. Wir nennen diese Welt der Einfachheit halber "Knollennasenmatrix" im Sinne eines künstlich erschaffenen Paralleluniversums.
Der Autor Xaver Rammbock hat sich mit viel Liebe in dieses Paralleluniversum hineinversetzt, mit der Folge, dass ihm wie von selbst viele Literaturangaben "zugeflogen" sind, die eben nur ein Bewohner der Knollennasenmatrix kennen kann. Der Leser braucht sich also nicht zu wundern, wenn er manche der genannten Bücher in seiner Buchhandlung nicht kaufen kann - noch immer sind die Handelsbeziehungen zwischen den beiden Paralleluniversen lückenhaft. Wir hoffen jedoch, dass der Leser oder die Leserin, der oder die bisher viel Freude bei der Lektüre der Knollennasengeschichten hatte, dankbar dafür sein wird, dass die geballte Lebensweisheit dieser Welt nun in komprimierter Form zugänglich gemacht wird. Wir wünschen allen Lesern dabei viel Vergnügen.
|
Xaver Rammbock wurde im Knollennasenuniversum als Zwillingsbruder des Schauspielers Richie Rammbock geboren, siedelte später jedoch in die USA, dann nach Berlin um. Er studierte Medizin und lehrte Nasologie an verschiedenen Universitäten. Sein Arbeitsschwerpunkt liegt auf der Zwillingsforschung. 2009 erhielt er den Dirty-Deal-Preis der Muckraker-Society für seinen investigativen TV-Beitrag "Ein Knollen-Ei - zwei rattige Rivalen".
Richie (links) und Xaver Rammbock
|
|
|
"Die Welt der Knollennasen" ist eine reichlich überdrehte, ungemein detailverliebte wie spitzfindige Gesamtschau des Werks von Ralf König. Rammbock entdeckt beispielsweise nicht nur physikalische Besonderheiten im Alterungsprozess der Comicfiguren Konrad und Paul, sondern ...
Eine höchst originelle Hommage an Ralf König ...
Axel Schock in Hinnerk
Die Knollmax erscheint als eine bessere Welt der permanenten Triebabfuhr und ewigen Jugend, eine Welt, in der Heteros einen ohnmächtigen Minderheitsstatus haben und die Religion auf verlorenem Posten steht. Auch was das Materialistische angeht, kann man in der Knollmax nicht klagen: "... Man hat seine Mastercard, womit der Geldverkehr in virtuelle Regionen verschoben wird." Kurz: Königs Kunstwelt scheint unübertrefflich.
Hans-Herrmann Kotte in der Frankfurter Rundschau
Eine hübsche Abhandlung über homosexuelle Lebensweisem und Weltbilder - ein schöner Spaß für Fans von Ralf König.
Martin Reichert in der taz
Mit viel Liebe hat sich der Autor in dieses Parallelunivesum hineinversetzt.
Box
Mit Sachverstand und Akribie ... ein unentbehrliches Handbuch.
Rolf G. Klaiber in Leo
Rammbock analysiert nicht nur das sexuelle Verhalten der Knollmaxbewohner, sondern leitet aus deren empirisch belegtem Übergewicht homosexuell veranlagter Menschen (und Tiere!) die Grundlagen des sozialen Lebens in der Knollmax her.
Andreas Platthaus in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
'Dieses Buch schafft etwas völlig Eigenes.' Genau!
Michael Rädel in Blu
Auf ein Wort: "Ich komm mir vor wie 'ne Witzfigur ..."
Die Knollennase erfreut sich gerade in Zeiten der Krise einer wachsenden Beliebtheit, denn sie verkörpert eine von wirtschaftlichen Sorgen freie, lustbetonte und anarchische Lebensform, die in einem ganz eigenen Universum zu Hause ist. Wir kennen mehrere solcher von Knollennasen bevölkerten Parallelwelten, die im nasologischen Sprachgebrauch als Knollennasenmatrix oder kurz Knollmax bezeichnet werden. Besonders hervorzuheben sind das antike Kleinbonum sowie die Loriot-Max, die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts große Aufmerksamkeit genossen.
Die hier vorliegende sozio-nasale Studie konzentriert sich jedoch auf die Königsklasse der Knollmax, die auf den ersten Blick nur schwer als Parallelwelt zu erkennen ist, da sie sich an Orten manifestiert und mit Figuren bevölkert ist, die sich auch im irdisch materialisierten Farang-Kosmos wiederfinden. Der Farang- oder Langnasen-Kosmos, der leider oftmals für das einzig reale Universum gehalten wird, trägt seinen Namen aufgrund der dort über Jahrtausende dominanten Gruppe der weißen Langnasen. Die aus Thailand stammende Bezeichnung impliziert den oft etwas verwunderten Blick der Asiaten auf den langnasigen Westen. In dieser Studie, die sich exemplarisch der Königs-Knollmax widmet, dient die Farangmax gelegentlich als Referenz, um auf Unterschiede aufmerksam zu machen und die Besonderheiten der Knollmax zu verdeutlichen. Verbindend über die Grenzen der Matrix hinweg wirkt allein die herausragende Eigenschaft der Nase: Sie eröffnet ihrem Träger die Möglichkeit, öfter mal den Mund geschlossen zu halten, ohne sofort zu ersticken.
"Ihr könnt jetzt gucken." Die Anfänge
Was ist der Kosmos, in dem wir uns bewegen? Seine Anfänge liegen ebenso im Dunkel wie die Zukunft, die ihm bestimmt ist. Physiker und Evolutionsbiologen streiten mit Kreationisten um die Frage, ob diese Welt nach einem Plan erschaffen oder zufällig entstanden sei. Bezüglich der Knollmax möchte ich die Auffassung vertreten, dass dieser Kosmos durch den Eingriff eines Schöpfers entstanden ist. Es handelt sich jedoch um keine Schöpfung im biblischen Sinne, in deren Verlauf aus dem Tohuwabohu eine göttliche Ordnung entsteht1. In der Knollmax gelingt es dem Schöpfer, aus dem Nichts ein überwältigendes Chaos zu erschaffen, ein Chaos, das sei hier angemerkt, bei dem auch er selbst gelegentlich die Orientierung verliert. Paranormale Phänomene, das labile Zeitkontinuum oder unheimliche Begegnungen mit Riesendödeln seien dafür als Symptome angeführt.
Nur am Rande sei darauf hingewiesen, dass die Annahme eines überforderten Schöpfers auch in der Farangmax einige sonst schwer verständliche Phänomene erklären könnte, denken wir nun an gekrümmte Zeit, logischen Raum oder elektrische Eierkocher.
Doch bleiben wir in der Knollmax: Wie müssen wir uns ihren Kreator vorstellen? Was für ein Schöpfer mag das sein, dem es gefällt, solche Welten zu erschaffen? In Bild und Wort ist ein Gespräch überliefert, in dem der "bekannte homosexuelle Comiczeichner Ralf König" vorgestellt wird, der "hinter all den lustigen Knollennasenmännchen steckt"2. Dieses Dokument ist insofern einzigartig, als außer in diesem Kontext keiner der Knollmax-Bewohner jemals den Namen "Ralf König" in den Mund nimmt. Sei es aus religiöser Ehrfurcht, sei es aus Zweifeln an seiner Existenz.
Die Knollmax befindet sich in der komfortablen Situation, dass ihr Erschaffer keine Legende aus vergangenen Zeiten ist, sondern wie eh und je tatkräftig sein Schöpferhandwerk betreibt. Und so zeigt uns dieses bedeutende Dokument, wie ein knollennasiger Reporter den Schöpfer der Knollennasen interviewt - auch er eine Knollennase! Damit stellt sich die drängende Frage, ob dieser Schöpfer auch sich selbst erschaffen haben mag.
Selbstverständlich besteht nach wie vor die Möglichkeit, dass die Figur "Ralf König" als Schöpfergott nur eine Projektion der Bewohner der Königs-Knollmax ist. Spätestens seit Feuerbach quält uns alle die Frage, ob denn die Menschen eine Schöpfung Gottes oder ob Gott eine Schöpfung der Menschen ist - eine wahrhaft philosophische Frage, bei deren Beantwortung uns die empirischen Fakten nicht weiterhelfen. Der Mythos, König könne sich an Zeiten erinnern, "lange bevor es Menschen gab"3, und habe als teigige, aasfressende Hüpfqualle (eine Art Homo erectus?) seine ersten analerotischen Erfahrungen gemacht, scheint seinen überzeitlich-göttlichen Status allerdings zu untermauern.
Bisher lassen sich nur wenige Zeugnisse nachweisen, in denen Ralf König direkt zu den Menschen mit oder ohne Knollennase spricht. Umso wertvoller erscheint sein Bericht darüber, dass er zwar nicht wie Jesus Christus Sohn eines Tischlers ist, jedoch in jungen Jahren in eine Tischlerlehre ging4. Möglicherweise stammt aus der Arbeit an den Kreissägen das Trauma des Fingerverlusts, das kompensiert wird, indem die Gestalten der Knollmax lediglich mit vier Fingern das Licht der Welt erblicken5.
Wenden wir uns nun der Frage zu, ob auch die Knollennasen der Königs-Matrix sich an moralischen Wertvorstellungen orientieren. Anhand welcher Kriterien unterscheiden sie zwischen "gut" und "böse"? Die Antwort ist einfach: Diese Kriterien spielen eine untergeordnete Rolle, denn bei der Beurteilung der Mitmenschen wird zuallererst zwischen Homo- und Heterosexualität differenziert. Das mag nur auf den ersten Blick verwundern, doch schon ein Blick auf den christlichen Wertekanon gibt Aufschluss: Schließlich war es ein heterosexuelles Paar, Adam und Eva, das vom Engel mit dem Feuerschwert des Paradieses verwiesen wurde. Seitdem unterliegen sie der Erbsünde. Welches Unheil die Heterosexuellen im Lauf der Jahrhunderte angerichtet haben, verdeutlicht jeder noch so flüchtige Blick in die Geschichtsbücher.
Es spricht also einiges dafür, an die Stelle einer katholischen Moral von Anfang an die sexuelle Orientierung als zentrales Kriterium zu setzen. In der Knollmax ist man gut damit gefahren.
Zum Abschluss dieser ontologischen Annäherung wollen wir die etwaigen Kontakte der Knollmax zu außerirdischem Leben untersuchen. Dabei lassen wir das Wirken der erstaunlich oft zu beobachtenden Weihnachtsengel beziehungsweise Putten zunächst außer Betracht, da der kosmologische Status dieser Lebensform auch in einer langwierigen christlichen Forschung noch immer nicht hinreichend geklärt werden konnte6. Für Kontakte zu eindeutig außerirdischen Wesen steht uns als einzige Quelle ein Zeugnis aus dem Jahre 1989 zur Verfügung. Es berichtet über die Fernseh-Liveübertragung des Blowjobs zweier männlicher Knollennasen im Rahmen einer Tiersendung auf dem Planeten Dementia 13, die ganz offensichtlich auf gleich mehreren Missverständnissen beruht. Den außerirdischen Wissenschaftlern ist nicht einmal bewusst, dass dieses Ereignis in der Knollmax und nicht etwa in der Farangmax stattfindet.
Für die Knollennasen selbst ist dieses Ausspähen vor allem aus einem Grund von Bedeutung: Als die sexuelle Erregung der handelnden Figuren zu erlahmen drohte, griffen die Wissenschaftler auf das sogenannte "telepathische Potenztanz-Ritual" zurück, wobei unter anderen die Worte "Hoggeli, hoggeli, hoggeli hooo!" skandiert wurden, und das von erstaunlichem Erfolg gekrönt war. Seitdem wird in der Knollmax ein überdurchschnittlich befriedigender Blowjob als "außerirdisch" bezeichnet7. Anzeichen weiterer Kontakte zu anderen Lebensformen haben sich bisher nicht auffinden lassen, daher darf vermutet werden, dass es sich bei der Geschichte um die Crew von Dementia 13 um einen Mythos handelt, der die besondere Sexualisierung der Knollmax erklären möchte8.
Es bleibt also auch für kommende Forschergenerationen noch genug zu tun, wenn es darum geht, letzte Gewissheit über die innere Beschaffenheit der Knollmax und ihre prähistorische Ära zu erlangen. In diesem Punkt unterscheidet sie sich nicht von der Farangmax. Mehr Licht fällt zweifellos auf die Epochen der biblischen Zeit, der Antike und der Renaissance, die wir im Folgenden skizzieren möchten.
Anmerkungen
1 DDb, S. 112
2 UD, S. 8
3 UD, S. 17
4 MM, S. 35
5 Säglinde Kattner von Schnippelsfelden: Ödipus und Amputation, Hackbeuren 1997
6 Gustav Theodor Fechner: Vergleichende Anatomie der Engel, Leipzig 1825; Maria Klonaris/Katarine Thomadaki: Dem Geschlecht nicht unterworfen. Ein Manifest, in Engel:Engel, Wien/New York 1997
7 SX, unpaginiert
8 Ramon Jodas Follar: Mythologische Rammelriten, Delmenhorst 2001, S. 484ff.
© Männerschwarm 1999 - 2010 - Lange Reihe 102 - 20099 Hamburg
Kontakt/Webmaster: Detlef Grumbach
|