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Anitra Figenschou (Hrsg.)

Happy Endings

Liebesgeschichten von Schwulen und Lesben

aus dem Norwegischen von
Gabriele Haefs

geb., 240 S., € 19,90
ISBN 3 935596 63 4

Pressestimmen

  Happy Endings


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Schwul-lesbische Zweisamkeit im Elchtest -
verzwickte Beziehungsgeschichten aus Norwegen

Dass Männer und Frauen nicht zusammen passen, ist von Wissenschaft und Literatur hinreichend dokumentiert. Nachdem sich die Euphorie der Emanzipation von Schwulen und Lesben gelegt hat, stellt sich heraus, dass auch Mann und Mann bzw. Frau und Frau ihre liebe Not miteinander haben, und zwar in allen drei Phasen einer Liebesbeziehung: vorher, während dessen und danach. Es sind also vor allem Missverständnisse und kleine Missgeschicke, die von den Helden und Heldinnen dieser 13 Geschichten erlitten und bewältigt werden müssen, und bekanntlich verfügt das Pech anderer Menschen über einen beträchtlichen Unterhaltungswert, wenn es dem Publikum genüsslich serviert wird.

Liebes- oder Beziehungsgeschichten bringen persönliche Eigenheiten auf den Punkt, die Intimität der Beteiligten lässt ein Maskenspiel nicht dauerhaft zu. Insofern bietet dieses Genre jenseits der Schmachtgeschichten der Groschenromane die Möglichkeit, aktuelle Befindlichkeiten, Wünsche und Probleme zu verarbeiten. Wenn am Ende hin und wieder etwas richtig Schönes dabei herauskommt, um so besser.

Die meisten Autoren und Autorinnen sind in Norwegen (und einige auch in Deutschland) bereits bestens eingeführt, mehrere schreiben sonst Jugendbücher, ein Indiz für erzählerisches Talent. So bunt und unterschiedlich diese Zusammenstellung sich auch präsentiert, eine Gemeinsamkeit ist festzustellen, und vielleicht ist es gerade diese Eigenschaft, die in den letzten Jahren immer wieder das Interesse des deutschen Publikums auf die skandinavische Literatur gelenkt hat: Sie verstecken sich nicht hinter geschmäcklerischen Ambiente-Schilderungen, Markennamen und weltläufigem Getue, sondern entfalten mit schlichten Worten die Poesie jeder noch so eigentümlichen oder gar verschrobenen Figur. Diese puristische Tendenz ist für den deutschen Leser immer wieder eine schöne Überraschung.

Eine Auswahl:

Ein Feingeist verlässt einmal im Jahr die Zivilisation, um allein in den Bergen zu wandern. Zu seinem Schrecken taucht ein zweiter Wanderer in seiner Hütte auf, dessen bodenständige Männlichkeit ihn fasziniert und verängstigt. Im Unterschied zum Stadtmenschen ist der "schöne Wilde" jederzeit in der Lage, ganz selbstverständlich das Richtige zu tun - und so wird der Held nicht abgestochen, wie er befürchtet, sondern erlebt eine großartige Verführung ohne viel Gerede.
("Alles klar" von Odd Klippenvåg)

Bei Simon lässt die Pubertät auf sich warten. Während die andern Jungs schon überall Haare bekommen, tut sich bei ihm noch gar nichts. Heimlich himmelt er den schönen Lingen an, und bei der Konfirmation stehen ausgerechnet diese beiden nebeneinander. Es ist dann auch weniger die Hostie als der "Leib Lingens", der Simon in spirituelle Verzückung versetzt, und als er aus der Ohnmacht erwacht, sieht er Lingens Gesicht über sich.
("Der Leib Lingens" von Gudmund Vindland - Autor von "Der Irrläufer" und "Sternschnuppen")

Weihnachten, eine schlimme Zeit für Singles. Ein Mann sitzt allein zu Haus und lässt Erinnerungen an seine große Liebe Revue passieren. Der Leser begreift allmählich, dass dieser wunderbare Liebhaber den armen Kerl nach Strich und Faden ausgenutzt hat, aber der begreift es noch immer nicht.
("Ein echtes Mannsbild" von Ulf Nestvold)

Anne und Anne, Gerd Brantenbergs berühmtes Lesbenpaar, leben seit Jahren fern der Kneipenszene in einer Satellitenstadt. Wenn eine von beiden ausgehen will, vermutet die andere sofort den geplanten Seitensprung; also gehen sie endlich gemeinsam in die Disco. Dort treffen sie ein anderes Paar, und ohne viel Federlesens gehen zwei Beziehungen in die Brüche, zwei neue werden gegründet - und alle sind sehr zufrieden.
("Anne und Anne besuchen einen Frauenabend" von Gerd Brantenberg - Autorin der "Töchter Egalias" und weiterer klassischer Lesbenromane)

Das "Durchhecheln" verflossener Liebschaften kann grausam sein: Auf einem Fest wird genüsslich erzählt, wie eine bildschöne Frau in der Disco ausgerechnet bei einer dicken Postbotin aus der Provinz landete, was von allen wortreich bedauert wird. Leider sitzt die Postbotin mit am Tisch.
("Abendfüllend" von Beate Nossum)

Lesben im Heterochaos: auf einer Hochzeit geht so gut wie alles schief, was nur möglich ist, der Oberkellner fällt von einer Ohnmacht in die nächste, nur die Serviererinnen sind nicht zu beeindrucken und verlassen als das eigentlich glückliche Paar die Szene.
("Hochzeit" von Petra von der Fehr)

Außerdem vertreten:
Tor Fretheim (Österreichischer Jugendbuchpreis, 2 Jugendbücher bei DTV)
Pernille Rygg (Autorin von "Der Schmetterlingseffekt", "Der Liebesentzug", "Der goldene Schnitt" (btb))
Tormod Haugen (Autor von "Die Nachtvögel" (Oetinger), "Georg liebt Gloria" (Ravensburger), Deutscher Jugendbuchpreis, Hans Christian Andersen Medaille)
Dag Johan Haugerud
Per Knutsen (Autor von "Falsche Spiele", Nagel&Kimche)
Gerd Eva Lillo

Pressestimmen

Vielleicht ist es ja die Mischung aus Witz und Melancholie, die uns diese norwegischen Schwulen- und Lesbenwelt so lesenswert macht.
Rolf G. Klaiber in Sergej München 2/2005

Sprachlosigkeit und Melancholie, beeindruckende Landschaften und Einsamkeit, aber auch Ironie und Situationskomik prägen das Norwegen-Bild, das 13 Kurzgeschichten mit lesbischer und schwuler Thematik zeichnen. So entsteht ein spannendes und nicht selten skurriles Sittenbild des modernen Norwegen, bei der die lesbische Seite des vermeintlich liberalen norwegischen Homo-Paradieses nicht zu kurz kommt. ... Ein Buch, das man beim Sonnenuntergang auf der Fähre nach Oslo lesen möchte...
Ansgar Drücker in Lespress

Liebesgeschichten, so recht für den Winter, und kühl genug, um wohliges Verlangen nach Tee, Kamin und Daunendecken zu wecken.
Siegfried Straßner in NSP

Die Figuren verkörpern keine Klischees, nirgends wird ein Drang zur Erklärung schwuler Lebenswelten spürbar, wie er bei deutschen Autoren häufiger vorkommt. Schlichte Poesie und die pure Schilderung schwulen Lebens in all seinen Verzwicktheiten und Glücksfällen machen "Happy Endings" zu einem Schmöker, der über den gerade wieder schief hängenden Haussegen garantiert hinweg tröstet.
Markus Kocherscheidt in Männer aktuell

Hätten sich italienische Autoren der Textideen angenommen, es würden wohl ständig die Fetzen fliegen, Tränen kullern oder Wolken auf Etage sieben belegt werden. Die Norweger gehen da eher ruhig, aber keinesfalls sachlich ran.
Axel Limberg in Hinnerk

Nicht nur einfühlsam, sondern sehr humorvoll.
Adam

Mit einem Hardcopyeinband ist dieses im schwedischen Stil gehaltene Buch recht robust und verfügt über ausreichend Potential für mehrere nette Abende.
Toni Fibinger in rosalila

 
 


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