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Die neue Schwulenbewegung der siebziger Jahre enstand vor dem Hintergrund der Studentenbewegung mit all ihren gesellschaftsverändernden Zielvorstellungen. Für viele ist seitdem die Gleichung „schwul=links" die allergrößte Selbstverständlichkeit. Wie die Beiträge dieses Bandes zeigen, handelte es sich hier um ein einseitiges Liebesverhältnis: In den Augen der heterosexuellen Linken war schwule Emanzipation kaum jemals ein politisches Thema; zudem wurde schwul hartnäckig mit „dekadent" assoziiert und als Auswuchs der bürgerlichen Gesellschaft eingestuft, der in einer freien Gesellschaft automatisch verschwinden würde.
Der Band enthält Beiträge von Detlef Grumbach (Weimarer Republik), Alexander Zinn (Faschismus/ Exil), Günter Grau (DDR) und Elmar Kraushaar (BRD nach 1968).
Pressestimmen„Wer sein Linkssein ernst nimmt und nach einer Gesellschaft strebt, in der die Freiheit des einzelnen die Grundlage für die Freiheit aller ist, wird dieses Buch mit roten Ohren lesen: Nur nach der Analyse der Fehler der Vergangenheit - und das schließt eigene Vorurteile ein - können wir eine Politik entwickeln, die den Zielen unserer Klassiker entspricht." (Walther Weihrauch in „Neues Deutschland")"Brauchen wir überhaupt noch eine Schwulenbewegung?" fragt Detlef Grumbach daher provokativ in seinem Nachwort. Die Frage ist jedoch nur rethorisch gestellt, denn auch wenn die Schwulenbewegung eine ganze Menge erreicht hat, und offen schwul zu leben heute leichter möglich ist als vor zehn oder zwanzig Jahren, so kann wohl kaum von einer gesellschaftlichen Anerkennung schwuler Lebensformen gesprochen werden, allenfalls von einer größeren Toleranz diesem "Anderen" gegenüber. Ob jedoch die in der BürgerInnenrechtspolitik des Schwulenverbandes in Deutschland (SVD) und des Bundesverbandes Homosexualität (BVH), mit ihren Forderungen nach Anerkennung schwuler (und lesbischer) Lebensgemeinschaften (Eheschließung unter Homosexuellen) z.B., zum Ausdruck kommende Entradikalisierung und Anpassung der Schwulenbewegung in die richtige Richtung weist, scheint mir mehr als fraglich.
Grumbach fordert daher auch vor dem gemeinsamen Kampf in der gegenwärtigen Situation einen anderen Aspekt von Bewegung ein: einen funktionierenden Diskussionszusammenhang als Voraussetzung, um sich im Dschungel der politischen Fragen orientieren zu können, "dem Widerspruch zwischen den Utopien von gestern, den Erfahrungen von heute und der Realität von morgen auf der Spur zu bleiben; ... schwulenpolitische Ziele zu formulieren und sich für ihre Verwirklichung einzusetzen." (S. 183) Wichtig scheint mir, die Utopien dabei nicht zu vergessen, sondern produktiv wiederzubeleben. Damit wäre die Schwulenbewegung dann der heute utopielosen "Linken" - zumindest dem, was in dem Buch darunter verstanden wird - meilenweit voraus. © Männerschwarm - 1999 - 2012 -Lange Reihe 102 - 20099 Hamburg |