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"Ich wage nicht, das zu schreiben: Scheißreise, Scheißkinder. Der Anfang einer Lüge: es niederzuschreiben hieße, auf den Roman zu verzichten." "Reise nach Marokko" ist kein Reiseroman im üblichen Sinn. Zwei schwule Männer fahren mit zwei Jungs nach Marokko in Urlaub. Guiberts Interesse gilt den Beziehungen der vier Personen zueinander. Die Reise durch das Land, Hotelsuche und das Faulenzen am Strand sind die Kulisse für die Beschreibung von Menschen in einem irritierenden Ausnahmezustand. Wie nehmen Erwachsene Jugendliche wahr, wenn keine elterlichen Gefühle im Spiel sind? Wie verhalten sich fünfzehnjährige Jungen, wenn keine Respektspersonen dabei sind? Hervé Guibert berichtet von den Erlebnissen dieser Reise mit der für ihn typischen Mischung aus präziser Beobachtung, bewußten Fälschungen und wildwuchernder Phantasie.Die Jungs probieren Rum, Zigaretten und Shit; Guibert und sein Freund fragen sich, ob diese "Scheißkinder" nun schon Männer sind, und wie sie überhaupt mit ihnen umgehen sollen. Dabei kommen immer wieder auch erotische Phantasien ins Spiel: "Gestern abend hat mich das keusche Kind gefragt, ob es mir eine magnetische Massage machen darf, ich hab ihm geantwortet, das würde ihm verfrüht ein Geheimnis offenbaren. Es fragt mich, ob ich drei Brustwarzen hab oder eine Narbe über den ganzen Körper. Vorhin hat das hübsche Kind darauf bestanden, daß ich mit ihm baden geh, und möchte den Grund meiner Weigerung wissen. Zu anderen Zeiten, in anderen Zivilisationen, hätte man mich schon gefoltert." "Reise nach Marokko" ist gewissermaßen die Vorgeschichte zu Guiberts Erzählung "Verrückt nach Vincent", die vor einem Jahr in unserem Verlag erschienen ist. Die zum Teil begeisterten Reaktionen auf diesen frühen Text eines Autors, der in Deutschland erst durch sein Aidstagebuch "Dem Freund, der mir das Leben nicht gerettet hat" bekannt wurde, haben uns ermutigt, nun auch diese faszinierend vielschichtige Erzählung herauszubringen. PressestimmenDie zunächst irritierenden Stilbrüche ... erweisen sich nachträglich als raffinierte Erzählabsicht: Wir folgen den poetisch-surrealen Träumen. lassen uns von den erotischen Wünschen selbst verführen, um dann umso brutaler auf dem Boden der Realität zu landen. Das Spiel von Fiktion und Fakten ist gerade deshalb so gelungen, weil sich hinter vordergründigem Tabubruch reale Trauer verbirgt. Die Sprachverliebtheit des Autors fasziniert immer wieder, dominiert den Roman jedoch stellenweise zu sehr, so dass am Ende viele Bilder im Gedächtnis bleiben, die sich jedoch nicht zu einer Einheit verbinden lassen. Fazit: Vielschichtig, verstörend, poetisch-surreal. "Der schillernde und mit erotischen Fantasien gespickte Text ist ein Wechselbad aus Traum und Wirklichkeit und beschert allen ein faszinierendes Lesevergnügen, die beim Thema Knabenliebe nicht gleich die Schotten dicht machen." "... verströmt Hervé Guiberts Bericht eine berückende Unschuld, auch darin den schönsten Märchen verwandt."
"... in sehr poetischer Reisebericht ..."
"Dem Verlag MännerschwarmSkript unter der Leitung von Joachim Bartholomae (ist das so?, fragt der Webmaster) gebührt Anerkennung und Lob für seinen verlegerischen Mut. Einen auf den ersten Blick als eher schwierig zu vermittelnden Autor wie Hervé Guibert im allgemeinen Programm anzubieten und dem traditionell eher experimentierunlustigen, auf traditionelle Erzählformen fixierten deutschen Lesepublikum nahe zu bringen, stellt ein gehöriges ideelles und finanzielles Risiko dar. (...) Hoffen wir also, dass der Verlag den Mut hat, uns, seine wilden Leser, auch weiterhin mit solchen exquisiten und formidablen Leckerbissen zu versorgen und zu verwöhnen. Für solch ein opulentes, obsessives Menü ist man(n) auch gerne bereit, ein paar Mark mehr als üblich für einen dünnen, schmalen Band auszugeben." In jüngster Zeit denken wir schnell an sexuellen Missbrauch, wenn wir ein Buch wie das vorliegende in den Händen halten. Das hohe literarische Niveau und die äußerste Ernsthaftigkeit des Autors können den Kopf frei machen für andere Gedanken, die wichtig sein können im Sinne eines vorurteilslosen Austauschs von Meinungen in einer brisanten Thematik.
Freitag, 19. März © Männerschwarm - 1999 - 2012 -Lange Reihe 102 - 20099 Hamburg |