Dino Heicker
Gespenster und Geschlechter
Homoerotik in der europäischen Schauerliteratur
Bibliothek rosa Winkel
Sonderreihe Wissenschaft. 2
Kartoniert, 280 Seiten
EUR (D) 22,00
ISBN 3 935596 58 8
Pressestimmen
zum Autor
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Unsittliche Schwärmereien
Nichts trägt zu Ausartung und Verwilderung mehr bey, als das Lesen der Geister- und Ritter-Romane. Werft diese unseligen Schriften weg, die so oft zu unsittlichen Schwärmereyen und sogar zum Selbstmorde geführt haben.
(L. F. Schulz über "Edle Charakterzüge", 1804)
1804 konnte die Lektüre von Schauerliteratur für "unsittliche Schwärmereyen" verantwortlich gemacht werden, 200 Jahre später offenbaren die unterhaltsam-schaurigen Geschichten ihre unterschwellig transportierten Botschaften, in denen es nicht selten um verpönte Formen der Sexualität geht.
Ein Mann, der eine als Mann verkleidete Frau begehrt, ein Mann, der sich als Frau verkleiden oder gar in eine verwandeln möchte, Frauen und Männer, die sich zu doppelgeschlechtlichen Hermaphroditen vereinigen wollen - sie alle stehen in der phantastischen Literatur nur allzu oft für chiffrierte (männliche) Homoerotik.
Das Buch stellt bekannte und weniger bekannte Autoren vor: William Beckford, Jacques Cazotte, E. T. A. Hoffmann, Francis Lathom, Matthew Gregory Lewis, Charles Robert Maturin, Friedrich de la Motte-Fouqé, Benedikte Naubert, Fitz-James O'Brien, Wladimir Odojewski, Jan Potocki, Igino Ugo Tarchetti, Ludwig Tieck, Christian Heinrich Spieß, Alexander von Ungern-Sternberg u. a.
Dieser Titel kann bei Libreka Volltextsuche teilweise eingesehen werden.
Dank seiner originellen und innovativen Dissertation, die nun in einer gut lesbaren Bearbeitung als Buch vorliegt, sind nicht nur bekannte (wie E.T.A Hoffmann, Ludwig Tieck und William Bedford), sondern auch weitgehend unbekannt Autoren zu entdecken.
Axel Schock in Hinnerk
Werke bekannter und weniger bekannter Autoren werden entsprechend unter die Lupe genommen - die Ergebnisse sind nicht weniger unterhaltsam als die Originallektüren.
Adam
Die Schauerromane des späten 18. und 19. Jahrhunderts, Vorläufer der heutigen Fantasygeschichten und Psychothriller, waren beim Publikum so beliebt, dass Heinrich von Kleist in einer Würzburger Leihbibliothek völlig verzweifelt vor den Regalen stand: "Rittergeschichten, lauter Rittergeschichten, rechts die Rittergeschichten mit Gespenstern, links die ohne Gespenster!"
In Dino Heickers hervorragend recherchiertem Buch wird auf unerwartete Weise deutlich, warum dieses Genre immer wieder für "unsittliche Schwärmerey, Ausartung und Verwilderung" verantwortlich gemacht wurde. Zwischen all dem Getümmel von Rittern, finsteren Mönchen, verfolgten Fräuleins und ketten-rasselnden Untoten bildete sich eine Nische, in der sich Geschlechtergrenzen verwischten und die Tabus der bürgerlichen Sexualität auf sublime Weise gebrochen wurden.
Die vertracktesten Varianten von cross-dressing inklusive sämtlicher denkbaren erotischen Verwirrungen, mystische Verschmelzungen zwischen männlichen und weiblichen Wesen, die eigenartige - und leider meist nicht lebensfähige - hermaphroditische Geschöpfe hervorbringen, abrupte Verwandlungen, die Männer in Frauenkörpern erwachen lassen oder aus Sex mit zwei schönen Orientalinnen im Handumdrehen Sex mit zwei männlichen Leichen machen ... die Autoren, die Heicker vorstellt, haben - bei sehr unterschiedlicher literarischer Qualität - eines gemein: eine schier unfassbare Kreativität, was die Chiffrierung homoerotischen Begehrens anbelangt. Neben einer überzeugenden literatur- und gesellschaftshistorischen Analyse ist Heickers Buch eine Fundgrube vieler teils bekannterer, teils längst vergessener Autoren der schwarzen Romantik.
Christine Wunnicke
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