Bernd-Ulrich Hergemöller
Chorknaben und Bäckerknechte
Homosexuelle Kleriker im mittelalterlichen Basel
ISBN 3 935596 60 X
geb., 144 S., € (D) 18,00
Pressestimmen
zum Autor
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Äußerst infames und schändliches Fehlverhalten - Aus der langen Geschichte des Missbrauchs durch Priester
Wegen des Theologen Heinrich von Rheinfelden wird 1416 eine Untersuchung durchgeführt, weil er sich gerne den jungen Knechten und Gesellen in der Backstube nähert, sie betastet, ihnen "den Schwanz herauszieht" oder sie unter Vorwänden dazu zu überredet, die Nacht mit ihm zu verbringen. Gegen Kaplan Johannes Stocker wird Ende des 15. Jahrhunderts ermittelt, weil er den Chorknaben Johannes Müller brutal vergewaltigt hat. Diese beiden dokumentierten Fälle homosexuellen Missbrauchs durch Kleriker im mittelalterlichen Basel werden in diesem Band erstmals allgemein zugänglich gemacht: eine Entdeckung für HistorikerInnen, ein Lehrstück für alle, die Interesse an Kultur- und Sexualgeschichte haben.
Die Klagen über das "äußerst infame und überaus schändliche Fehlverhalten der Priester" setzen schon in der Mitte des 11. Jahrhunderts ein. Petrus Damiani, der asketische Abt und Reformkardinal, behauptete 1049 in dem sogenannten "Liber Gomorrhianus", dass sich "der Krebs der sodomitischen Unreinheit" "in unseren Gegenden" so stark verbreitet habe, dass sofortige Gegenmaßnahmen eingeleitet werden müssten. Und auch knapp 1000 Jahre später ist die Kirche mit dem Problem konfrontiert: Neun Jahre lang leitete Kardinal Hans Hermann Groër (1919-2003) die Erzdiözese Wien (1986 -1995), bevor wegen sexuellen Missbrauchs seiner Ämter enthoben wurde. In den USA bezifferten sich die Schadensersatzforderungen von Opfer klerikaler Missbrauchstäter allein für das Erzbistum Boston auf etwa 100 Millionen Dollar.
Am Beispiel der beiden dokumentierten Fälle arbeitet der Historiker Bernd-Ulrich Hergemöller in seinem einleitenden Essay Muster und Besonderheiten derartiger Fälle heraus. Neben der kirchengeschichtlichen Bedeutung eröffnet das Buch Erkenntnisse über das Sittenleben der römisch-katholischen Kirche, über homosexuelle "Alltagswirklichkeit" im 15. Jahrhundert und auch darüber, wie hochstehende Kleriker und die Knaben aus dem "niederen Volk" miteinander kommuniziert haben. Auf den Essay folgen die Abschriften der teils in mittellateinischer und teils frühneuhochdeutsch-oberdeutscher Sprache erhaltenen Dokumente aus Schweizer Archiven und ihre Übersetzung ins Deutsche sowie ein Personenregister.
Die Quellen:
Heinrich von Rheinfelden (1416)
Vor dem Rat der Stadt Basel sagen sechs ehemalige oder aktive männliche Laien-Knechte und Gesellen des dortigen Dominikanerklosters aus, dass sie von dem dortigen Ordensregens Dr. Heinrich von Rheinfelden jahrelang unsittlich berührt und zu sexuellen Handlungen überredet und genötigt worden seien.
Johannes Stocker (1475)
Johannes Stocker, Vikar am Münster zu Basel, wird vom geistlichen Gericht des Bischofs von Basel wegen Vergewaltigung des Chorknaben Johannes Müller zu ewigem Exil verurteilt.
Dieser Titel kann bei Libreka Volltextsuche teilweise eingesehen werden.
So spannt der schmale Band "Chorknaben und Bäckerknechte" auch für historische Laien einen interessanten Bogen zwischen kirchlich geprägtem Sittenleben im Mittelalter und heute.
Siegfried Straßner in NSP März 2005
Der Historiker hat bei der Recherche in Archiven ganze Arbeit geleistet.
Box
Das Vertuschen von "Sex-Skandalen" durch die katholische Kirche hat eine lange Tradition.
Männer aktuell
Ein einführender Essay liefert kirchengeschichtliche Hintergründe und schlägt eine Brücke zu den pädophilen Faktren der Gegenwart.
Martin Droschke in Junge Welt vom 8. November 2004
Kirche und Homosexualität, ein trauriges Kapitel.
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