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Mit der Kuh auf Du und Du
Die Kuh in ihrer bedächtigen Art setzt Glückshormone frei, man möchte mit ihr kuscheln und alles Böse von ihr fernhalten. So ergeht es auch Ute mit ihrer Kuh Sylke, doch dann geraten diese beiden in die Fänge der skrupellosen Lucy Fair, die durch Genmanipulationen friedliche Wiederkäuer in plastikfressende Monstren verwandelt. Utes Freundin Jeanne, mit einem starken Hang zu Ruhm und Reichtum, erliegt beinahe Lucys Charme und löst da mit einen handfesten Beziehungskrach aus. Langtext: Die Autorin
Pressestimmen
Geprägt von schnellen Schnitten, trashiger Slapstick-Komik und surrealen Assoziationsketten verbindet es Gesellschaftskritik, Heimatfilmparodie und Science-Fiction und ist eines der komischten Lesbenbücher überhaupt. LeseprobeDAS PARADIES ![]() Innen. Morgen. In einem kleinen Zimmer schlafen zwei Frauen eng umschlungen in einem bäuerlichen Bett. Eine liegt auf dem Bauch, die andere hat den Arm um sie gelegt. Wir hören das leise Ticken einer Uhr. Das Zimmer ist voller Zeug. Ein großer Kleiderschrank. Eine Kommode mit einem Spiegel darauf. Klamotten, Blumen. Fotos an der Wand. Fotos der beiden Frauen, Seite an Seite, Händchen haltend und in die Kamera lächelnd. Der Wecker klingelt. Jeanne (37) richtet sich abrupt auf. Utes Arm fällt von ihrer Schulter. Jeanne dehnt sich kräftig. Sie zieht sich die Ohrstöpsel aus den Ohren und wir hören das laute Rauschen des Autoverkehrs. Sie läuft zum Fenster und macht es auf. Ein LKW donnert vorbei. Sie wohnen direkt an einer Schnellstraße. Jeanne fängt an, sich in sportlicher Manier in alle Richtungen zu dehnen und auf der Stelle zu trippeln. Ute (35) schläft noch tief. Sie lächelt versunken in einem schönen Traum. Außen. Tag. Jeanne tanzt in einem überirdisch schönen Kirschblütengarten und strahlt Ute an. Ute singt. Ein komplettes Symphonieorchester begleitet ihren klaren Sopran. Sie hält ein Körbchen in der Hand und hüpft um Jeanne herum. Aus dem Korb holt sie Blüten, die sie in die Luft wirft. Die Blüten fallen auf Jeanne, die strahlend lacht. Ute umarmt Jeanne, sie laufen Hand in Hand. UTE (SINGT) Jeanne lässt Utes Hand los und springt über den Zaun. Sie hüpft über die Wiese. Ein weißer Schal schwebt hinter ihr durch die milde Luft. JEANNE (SINGT) Jeanne entwischt hinter einen Baum. Verführerisch lugt sie durch die Blütenzweige. Da kommt eine Kuh ins Bild. Ihre Hörner sind mit Blüten geschmückt. Sie trägt eine Schleppe aus weißer Seide, die in der sanften Frühlingsbrise weht. UTE (SINGT) Ute sieht sich nach Jeanne um. Immer wieder sieht sie sie zwischen den Blüten entwischen. Ute dreht sich auf dem Rasen immer schneller mit ausgebreiteten Armen um sich selbst. Den Kopf im Nacken schmettert sie ihre Liebeserklärung in den Himmel. UTE (SINGT) Wie große Blüten sinken bunt gestreifte Plastiktüten auf den Rasen nieder. Eine blaue Plastiktüte klatscht ihr ins Gesicht! Die Musik bricht jäh ab. Innen. Morgen. Ute erwacht allein im Bett und reibt sich müde die Augen. Innen. Tag. Wir betreten mit Ute eine Küche. Jeanne steht am Herd und kocht Kaffee. Der Tisch ist gedeckt. Ute setzt sich und schmiert Butter auf einen Zwieback. Jeanne reicht ihr einen Kochtopf. Ute öffnet, ohne aufzustehen, die Tür hinter sich. Wir sehen draußen eine Wiese und Salatbeete. Ute öffnet das kleine Medaillon, das sie um den Hals trägt. Die Melodie einer Spieluhr klimpert durch die Morgenluft. Sylke, eine Kuh, kommt angetrottet und schiebt ihren Kopf durch die Tür. Ute tätschelt sie. Sylke stellt sich quer vor die Tür, so dass Ute sie bequem melken kann. Wir hören einen Milchstrahl in den Topf prasseln. Ute reicht den Milchtopf an Jeanne, die mit wichtiger Miene die Milch mit einem Schneebesen aufschäumt. Ute nimmt sich die Lokalzeitung. Jeanne läuft aus der Küche.
Ute zieht die Blumen aus Sylkes Maul und ordnet die gebrochenen Stengel zurück in die Vase. Sylke kommt sofort wieder zu den Blumen. Jeanne reißt ihr die Blumen aus dem Maul und haut ihr mit den Stengeln auf die Nase. Ute nimmt Jeanne aufgeregt die Stengel aus der Hand und tätschelt Sylke. UTE JEANNE UTE
Innen. Tag. Ute steht in der Küche und rührt Crêpeteig in einem großen Topf. Ihre Kuh, Sylke, sieht ihr durch das Fenster zu. Wir hören draußen eine Fahrradklingel und eine Frauenstimme. POSTFRAUENSTIMME Außen. Tag. Ein großer Umschlag landet auf dem Rasen in dem kleinen Garten neben der Schnellstraße. LKWs donnern vorbei. Ute kommt aus dem Häuschen gerannt und wischt sich die Hände an der Schürze ab. Sie öffnet den Umschlag und holt eine Zeitschrift daraus hervor: LEBEN MIT KÜHEN. Auf dem Cover sieht man Ute mit Sylke vor dem Häuschen stehen. Sylke stellt sich hinter Ute und liest mit. Utes Augen weiten sich, ihr Unterkiefer sinkt langsam nach unten. Außen. Tag. Am Hafen, in einer grauen Stadt irgendwo im Norden, sehen wir einen kleinen Crêpestand am Ende einer Mole, einziger Farbfleck in tristem Graubraun vor windzerzaustem Wolkenhimmel. Kleine Tische stehen davor. Ein paar Gäste sitzen dort und essen ihren Crêpe. Jeanne steht lächelnd am Herd. Sie dreht gekonnt den Teig auf der Kochplatte, wirft einen Crêpe in die Luft und lässt ihn im sauberen Salto auf einen Teller fallen. Außen. Tag. Ute fährt Fahrrad auf der Schnellstraße. Sie fährt gegen die Fahrtrichtung und wirkt auf ihrem alten Fahrrad inmitten der rasenden Autos völlig anachronistisch. Ein Riesentopf steht auf dem Gepäckträger, eine Milchkanne klappert am Lenker. Außen. Tag. Jeanne läuft sicher und tänzerisch zwischen den Tischen herum und bedient die Gäste. Wir merken jetzt, dass die Gäste dicke Wintermäntel tragen. Jeanne scheint die Temperatur nichts auszumachen, sie trägt ein einfaches Kleid, darüber eine weiße Schürze. Sie richtet da und dort die Blumen in den kleinen Vasen auf den Tischen. Sie dreht die Gasheizung neben einem Tisch auf und lächelt die Frau an, die in einem dicken Mantel eingemummelt ihren Crêpe aufschneidet. Die Frau strahlt zurück. Außen. Tag. Ute radelt die Mole des Industriehafens entlang. Sie singt wieder das Lied. UTE Sie stellt das Fahrrad ab und rennt zu Jeannes Stand. Jeanne wirft gerade einen Crêpe in die Luft. UTE JEANNE (OHNE HINZUHÖREN) Jeanne zieht ein Konfitüremuster auf einen Crêpe. Eine Kundin kommt um zu zahlen. KUNDIN Jeanne setzt ihren ganzen Charme ein und spitzt den Mund in Vollendung französischer Verführung. JEANNE KUNDIN Die Frau geht, Jeanne dreht sich ohne jeglichen Charme zu Ute. JEANNE UTE Aber das ist doch schön hier ... Ute dreht sich um und sieht zum Hafen gegenüber. Sie meint das Wasser und die Möwen, aber Jeanne schaut auf die Schornsteine, aus denen schwarze Wolken quellen. Jeanne läuft mit zwei Tassen zu einem Tisch und setzt sich hin. Ein Riesenschiff fährt direkt vor ihrer Nase an der Mole entlang. Ute holt die Zeitschrift aus dem Umschlag und legt sie vorsichtig auf den Tisch. Sie verschwindet mit dem großen Topf Teig hinter dem Stand und kommt ohne Topf wieder. Jeanne starrt immer noch zu den Türmen und macht ein finsteres Gesicht. Ute setzt sich vorsichtig. UTE Nö. Ute nimmt die Zeitschrift und blättert. Sie sieht ab und zu hoch, ob Jeanne guckt. JEANNE Ute klappt die Zeitschrift ertappt zu und legt sie auf den Tisch. UTE Ute greift wieder nach der Zeitschrift. Jeanne nimmt sie ihr gereizt aus der Hand und blättert ungeduldig darin, ohne das Cover zu beachten. Plötzlich hält sie inne. JEANNE Jeanne schaut entzückt auf ein Foto, auf dem sie hinter Ute in ihrem Crêpe-Stand mit der Pfanne herumwirbelt. Sie zeigt Ute die Seite. Man sieht ganz viele Fotos von Ute und ihrer Kuh Sylke, nur ganz unten auf einem kleinen Foto ist Jeanne im Hintergrund zu sehen. Jeanne blickt begeistert auf das Foto und liest, was daneben steht. JEANNE UTE JEANNE UTE Jeanne blättert aufgeregt in der Zeitschrift und bleibt bei einer anderen Seite hängen. JEANNE Mann, die Frau ... Jeanne hält Ute die Zeitschrift flüchtig entgegen und schaut sich das Foto selbst noch einmal an. Wir sehen das schwarz/weiß Foto einer Fünfzigjährigen. Eine herbe Schönheit mit kaltem Blick. JEANNE Sie hält die Zeitschrift Ute kurz hin. Ute sieht etwas unglücklich aus. UTE Jeanne klappt die Zeitschrift zu und sieht noch mal flüchtig auf das Cover. JEANNE Während sie spricht, nimmt sie den Umschlag und sieht nach, was noch so drin ist. JEANNE Zwei Tickets fallen aus dem Umschlag. Jeanne bückt sich und hebt sie auf. JEANNE UTE © Männerschwarm - 1999 - 2012 -Lange Reihe 102 - 20099 Hamburg |