Eine verbotene Liebe
Eine Jugendfreizeit am Meer, eine nicht zu bändigende Horde von Jungen und Mädchen zwischen zehn und siebzehn Jahren, gestresste Betreuer: Vor diesem Hintergrund entwickelt sich eine Freundschaft zwischen Michael, dem Schwarm aller Mädchen, und Robert, einem der Betreuer. Michael spürt, wie viel er Robert bedeutet, und aus Eitelkeit stachelt er den Älteren immer mehr an. Robert ist voller Bewunderung für Michael, dem wegen seiner Schönheit alles in den Schoß fällt, aber er will sich deshalb nicht von ihm ausnutzen lassen. Ganz allmählich kommt es zur Annäherung zwischen den beiden.
Erfrischend, mal was anderes aus dem schwulen Raum zu hören!
Männer aktuell über Reinhard Knoppka
Das ist ohne Kitsch (wenn auch mit manchen Längen), mit viel Sinn für Herz, Verstand und Eros erzählt. Ideale Sommerlektüre!
Du & Ich
Bildreich und plastisch offenbart sich eine Lustsphäre ...
Männer 2/2008
Neuauflage des wichtigen Roman des Kölner Autors
Box
Ein Happy-end ist nicht in Sicht ... Gut so, möchte ich fast sagen.
Adam
Toben im Gang. Robert legt das Buch weg, lehnt den Kopf gegen die Scheibe, die vom Rütteln des Busses vibriert, setzt sich die Kopfhörer auf und schaltet den Walkman an. Einleitende Klavierklänge und dann die Sopranstimme mit der Hymne an die Jungfrau - wobei er Michael heimlich beobachtet.
"Was hörste da?", fragt ein Mädchen, das selber Kopfhörer aufhat.
"Schubert."
"Was isn das?"
"Ave Maria", singt Robert.
"Ach du Scheiße!", ruft das Mädchen.
"Was hörst denn du?"
"David Hasselhoff!"
"Ach du Scheiße!", äfft er sie nach und dreht sich nach dem Lärm in seinem Rücken um. Rüdiger produziert sich lauthals vor den Mädchen auf der letzten Sitzbank: Die sind schon voll da und zeigen, was sie haben, und der Junge grabscht nach ihren Brüsten.
"Tu doch was!", ruft Sigrid und zerrt an seinem Walkman, als wollte sie sagen: Deinen beschissenen Schubert kannste auch zu Hause hören!
Schulterzuckend steht Robert auf und bahnt sich einen Weg durch die Kinder, die wie die losgelassenen Affen rumturnen. Er bittet sie, sich hinzusetzen, und da er das eher ironisch meint, lächelt er dementsprechend, so dass sie einfach weitermachen und ihn "Arschloch!", "Blödian!" schimpfen.
"Danke, gleichfalls", sagt er und verbeugt sich vor ihnen.
Dann zuckt er zusammen: Michael sitzt auf seinem Platz und hat seinen Kopfhörer auf.
"Wer sind John Thomas und Lady Jane", fragt der Junge und blättert im D. H. Lawrence.
"Eigentlich heißen sie Constance und Parkin."
"Versteh ich nicht."
"Na ja - die beiden anderen Namen stehen in der englischen Umgangssprache für die männlichen und weiblichen Geschlechtsorgane", sagt Robert leise.
"Dann geht's um Sex?"
"Um Liebe."
"Ist doch das Gleiche."
"Nee - mehr."
"Spinner!", ruft Michael, springt auf und geht zurück zu seinem Platz.
Pinkelpause. Stolperndes Gedränge. Die Jungen werden von Roland zu den Toiletten begleitet, die Mädchen von Sigrid und Tanja. Robert muss sich um die Proviantausgabe kümmern. Mist, jetzt fängt es auch noch an zu nieseln, und der Karton, den er mit Argusaugen bewacht, weicht auf. Die Kinder umringen ihn. Er verteilt die Fresspakete und passt auf, dass keiner sich zwei unter den Nagel reißt.
"Arnold, du hattest schon nen Apfel."
"Na und?"
"Zurück damit!"
"Hab aber Schmacht!" Er pfeffert ihn zurück in den Karton.
Dann sieht Robert die anderen Betreuer vom Toilettentrakt zum Restaurant hinüber gehen.
Die schlürfen jetzt nen heißen Kaffee, während ich mir in der Nässe einen abfriere!, denkt er und vertreibt einen herrenlosen Hund, der ihn an einen Fernsehbericht über ausgesetzte Tiere in Urlaubszeiten erinnert. Die Kinder streicheln ihn, werfen ihm angebissene Brötchenhälften hin, die er gierig verschlingt, und beschweren sich dann, dass sie nicht satt geworden sind.
"Na endlich!", ruft er den Betreuern zu, als sie zurückkommen.
Die Polstersitze sind verklebt von ausgelaufenem Saft, ausgespuckten Kaugummis und aufgeweichter Schokolade. Weggeschmissenes Papier bedeckt den Boden, und als sie aussteigen, hinterlassen sie einen Saustall.
Es regnet. Überall Pfützen. Die Jugendherberge besteht aus einstöckigen, barackenartigen, hufeisenförmig angeordneten Gebäuden: Im Krieg war sie eine Flakstation. Eine Fahne klatscht an den Mast. Ein rostiger Anker liegt auf dem mit Steinplatten gepflasterten Hof.
Die Kinder kämpfen sich schreiend zu ihrem Gepäck durch. Da hinten ist Michael mit seinem Riesenkoffer buchstäblich im Schlamm stecken geblieben.
"Ganz schöner Kaventsmann", sagt Robert und packt mit an: "Ist da Blei drin?"
"Nee, Gold", sagt Michael und lässt los.
"Soll ich den etwa allein tragen?"
"Ist nur ein Griff dran."
"Der ist ja wohl stark genug!", ruft Barbara, die gepäckbeladen an ihnen vorbeikeucht: "Hilf mal lieber den Mädchen da drüben!"
"Na los, Bimbo!", sagt Michael und schaut ihn mit seinen blauen Augen an.
"Nicht in diesem Ton mit mir!"
"Sollt n Scherz sein", grinst er, tritt ganz dicht an ihn heran und wischt ihm die Regentropfen von den Brillengläsern: "Kuckuck!"
"Bist wohl gar nicht von dir eingenommen, was?", ruft Robert, schnappt sich den Koffer, wuchtet ihn auf die Schulter und stapft krumm und schwankend auf den Jungentrakt zu.
Robert hat abgewartet, in welchem Zimmer Michael sich einquartieren wird, ist ihm nach dorthin gefolgt und sieht, wie er den kleinsten Jungen, Sven, an den Beinen aus einem Hochbett zerrt, ihm brutal den Arsch versohlt, wobei die Schläge merkwürdig gedämpft klingen, die Sven wohl auch nicht wehtun, denn er lacht den Großen aus, versucht, ihm ins Gesicht zu treten, worauf ihm Michael in die Fresse haut, und der Kleine fängt gleich zu heulen an, ruft Robert zu Hilfe, der sich aber auf Michaels Seite stellt und erklärt, oben sei es zu gefährlich für den Kleinen, und zudem sei Michael der Vernünftigere, habe von oben aus den Überblick und könne schlichtend eingreifen, wenn was los sei. "Haste gehört, Furzknoten?", ruft Michael mit einem Grinsen, reißt den Kleinen, der sich schreiend festklammert, mit einem Ruck aus dem Bett, und hätte Robert ihn nicht aufgefangen, wäre er glatt auf den Boden geknallt, was Michael nicht zu kümmern scheint, und er schmeißt Svens Klamotten durchs Zimmer und beginnt, sich einzurichten.
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