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Joachim Bartholomae (Hg.)

Lauter schöne Lügen
11 Liebesgeschichten

hg. von Joachim Bartholomae
kart.,  200 S., EUR 4,00
ISBN 3 928983 80 6

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Lauter schöne Lügen


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www.gaybooks.de

Schwule Liebesgeschichten sind Mangelware: Das zeigt der Erfolg des inzwischen vergriffenen Sammelbands „Grüne Nelken", an den wir mit dieser neuen Anthologie anknüpfen. Im Unterschied zur heterosexuellen O-Bein-Geschichte (Kennenlernen-Probleme bewältigen-Heirat) scheint der schwule Autor zur X-Bein-Geschichte zu neigen: die Wege kreuzen sich und gehen wieder auseinander. Es kommt also offentichtlich darauf an, schnell genug „auszublenden", wie Tucholsky in seinem Gedicht so schön erklärt, bevor es wieder unerfreulich wird.

Die Autoren dieses Sammelbands liefern schillernde Momentaufnahmen: Mario Wirz wählt ein rauschendes Fest in ferner Zukunft, Detlev Meyer kontrastiert schnellen Sex mit symbolisch inszenierter Erotik, Lutz Büge erzählt von einem flüchtigen Urlaubserlebnis, das vielleicht die große Liebe hätte werden können. Michael Sollorz badet die Liebe seiner zwei Helden in Strömen von Blut und Peter Hofmann (dessen Fans sich leider noch immer mit gelegentlichen Beiträgen zu Sammelbänden zufrieden geben müssen) beweist, daß in frischen Liebesbeziehungen Schweigen Gold sein kann. Außerdem vertreten sind Thomas Böhme, Walter Foelske, Elvira Klöppelschuh (in Kreuzberg statt Gran Canaria), Klaus Mattes, Kolja Michovski und Peter Tschiche.

Ganz offensichtlich ermöglicht die „dünne Luft" emanzipierten Großstadtlebens vielen Schwulen Experimente der Gefühle, denen gegenüber die „Tristesse royale" der heterosexuellen Konkurrenz recht dürftig wirkt. Da nach Meinung des dänischen Soziologen Henning Bech die Homosexuellen ohnehin die typischen Großstadtmenschen sind, laden wir die geneigte Leserschaft jedweder sexuellen Präferenz dazu ein, die eigene Phantasie ein wenig in Schwung bringen zu lassen.


Pressestimmen

Siegfried Straßner in NSP Juni 2000:
Trotz des Themas "Liebe" hat der Band "Lauter schöne Lügen" absolut nichts mit einer schwulen Ausgabe einschlägiger Erzeugnisse der Regenbogenpresse gemein. Statt platter Herz-Schmerz-Geschichten finden sich durchwegs spannende, liebevoll entwickelte Storys mit überraschenden Pointen.
Interessant auch, dass der Verlag neben Beiträgen bekannter schwuler Autoren auch Texte schwuler Nachwuchsautoren, die im letztjährigen schwulen Literaturwettbewerb teilgenommen hatten, für diese Anthologie auswählte. Sie erlaubt nicht nur Einblick in das aktuelle Niveau der deutschsprachigen schwulen Autoren, sondern stellt zugleich ein - natürlich literarisch verfremdetes - Spiegelbild des aktuellen schwulen Lebens dar.

Axel Schock in "Hinnerk" Juni 2000:
Wer das Gefühl von der Liebe auf den ersten Blick noch einmal bis zum Atemstillstand auskosten möchte, dem sei Lutz Büges undramatische und doch emotional packende Erzählung "Nicht ein Traum" empfohlen. (...)
Elf Geschichten, unter anderem auch von Detlev Meyer, Michael Sollorz, Peter Tschiche und Walter Foelske, die man an einem schönen Sonnentag hintereinanderweg verschlingen kann.


Detlev Meyer:
Bericht an einen fernen Freund

Ich habe heute Vormittag eingekauft, Timo, als erwartete ich dich, als holte ich dich heute nachmittag von der Central Station ab, als müsste ich dich heute Abend füttern.

Es gibt alles, was dein Herz begehrt: Butter und Vollmilch, Crème fraîche und Sahnequark, Toastbrot und Kekse. Mein Gott, Timo, wie falsch du dich ernährst!

Schokoladenaufstrich habe ich selbstverständlich auch besorgt, wie immer. Es gibt Menschen, solche der extremeren Art, die sich gegenseitig mit Kot einschmieren, wir beließen es immer bei Nutella. Der Vorschlag kam von dir, wenn ich mich recht erinnere. Bei der ersten Anwendung schleckte ich dir Brustwarzen und Eichel ab, und du sagtest: „Das ist doch absolut geil, oder etwa nicht?" Und ich sagte mit verschmiertem Mund: „Geil schon, aber nicht gut für die Zähne."

Im Eisschrank sieht es aus, als wollte ich zum Kindergeburtstag laden, dachte ich vorhin, aber leider ist der kleine Jubilar verhindert ...

Weil Du derzeit verhindert bist, weil es dir gegenwärtig schier unmöglich ist, mich in Amsterdam zu besuchen, will ich dir von meinen Tagen hier detailliert Bericht erstatten:

Angekommen bin ich gestern Nachmittag, und logischerweise hat es mich nachts gleich in die Bars getrieben. Der Typ, mit dem ich es in einem dieser Fickverschläge in der oberen Etage des „Company" getrieben habe, war zirka Ende zwanzig, gut bestückt und sehr verständnisvoll. Nach meinem etwas vorzeitigen Orgasmus bestand er nicht darauf, mich zu penetrieren, obwohl er bereits ein Kondom über seinen Penis gezogen hatte. Ich war immerhin aufmerksam genug, ihm den Pariser abzurollen und, quasi als Dankeschön, ihm noch einmal mit meiner Zungenspitze die Harnröhrenöffnung zu kitzeln.

Als wir die Kabine verließen, lud er mich zu einem Bier ein. An der Theke entdeckte ich in seinem Schnäuzer ein paar graue Haare, und da tat es mir Leid, mich ihm verweigert zu haben. Im Licht betrachtet war der Typ übrigens eher Mitte dreißig als Ende zwanzig, was ich ihm aber keineswegs verübelte.

Ganz im Gegenteil, ich glaubte sogar, mich für meine ejaculatio praecox entschuldigen zu müssen. „Sorry", sagte ich, „aber in diesen Zellen upstairs bekomme ich nach zehn Minuten regelmäßig Platzangst." Und er sagte: „Never mind! How about my place?"

Ich verspürte jedoch keine Lust, neben ihm zu erwachen und im grellen Licht des Morgens der ungeschminkten Wahrheit seines Alters in die Augen zu schauen. Der Typ war eigentlich sehr attraktiv, Timo, dir hätte er ausnehmend gut gefallen, aber mir war er zu sehr Mann, ausgereifter Mann, der tagsüber einer furchtbar ernsthaften Tätigkeit nachgeht. Der steht mit beiden Beinen mitten im Leben, unverrückbar, unerschütterlich, dachte ich, der ist vor langer, langer Zeit dort angekommen, wohin er wollte. Wie öde! Ich bin dann gleich nach Haus gegangen und habe vor dem Fernseher noch ein bisschen onaniert, mehr aus Gewohnheit denn aus Geilheit.

Ich war übrigens nicht allzu betrunken, und du darfst mir getrost glauben, dass meine erste Nacht in Amsterdam nicht mit einem Filmriss endete, was mich selber verwundert, da ich vor dem Besuch des „Company" ein paar Stunden mit dem trinkfreudigen Hubert (du kennst ihn?) verbrachte, wir hatten uns im „De Jaaren" verabredet (das kennst du). Was ich zum Trinken gegessen habe? Lachs und Salat, kein Dessert. Das Hauptgericht war ein erfreulicher Pinot Grigio für knappe dreißig Gulden. Nach dem zweiten Digestif meldete sich mein Glied und fing an zu nörgeln. Bauch und Kehle waren ruhig gestellt, also pochte nun es auf sein Recht, wollte es sich versorgt sehen. Aus diesem Grund führte es mich, wie bereits erwähnt, ins „Company". Mein Glied fühlte sich dort gleich wie zu Hause, während ich mir mit Schlips und Kragen sehr deplatziert vorkam.

Meinem kühnen Verstoß gegen den dresscode wurde jedoch die freundlichste Aufmerksamkeit zuteil, und ich darf dir berichten, mehr Blicke geerntet zu haben als alle Lederkerle zusammen.

Nun will ich keineswegs verhehlen, lieber Timo, dass ich ausgesprochen elegant aussah. Ich trug einen lichtgrauen Zweireiher aus feiner Wolle im Minihahnentritt zu einer dunkelgrauen Flanellhose mit Kellerfalte und Schlag. Ich neige zu der Ansicht, dass es dieser Schlag war, der mich so begehrenswert machte, falls du mir diesen kleinen Scherz bitte nachsehen möchtest.

Da ich auch schwarze Halbschuhe (Budapester), schwarze Kniestrümpfe und ein anthrazitfarbenes Oberhemd (Trabkragen) trug, sah ich sinister genug aus, um im düsteren Reigen mittanzen zu dürfen. Ja, ich gefalle mir sogar in dem Gedanken, ihn gestern Nacht angeführt zu haben. Meine gestrenge Eleganz, ironisch gebrochen von einer knallrot getupften Seidenkrawatte, stellte all die tragisch zerrissenen Jeans und die ranzigen Lederchaps in den Schatten. Mein Outfit entlarvte diese Kleidungsstücke als phantasielose Masquerade, die seit Menschengedenken beim Mummenschanz der harten Jungs getragen wird. Mit mir, Timo, war ein frischer Wind in die Bar geweht worden, den die Schmerzversessenen unter den Gästen insgeheim einen scharfen Wind nannten. Kurzum: Man erkannte in mir den Herrn, und so manches Knie hätte sich gern vor mir gebeugt. Ich war aber eigentlich noch viel zu erschlagen von der Bahnfahrt und ließ es daher bei dem bereits erwähnten Stehfick in der Kabine bewenden.

Am längsten bei diesem Quickie hat, ehrlich gesagt, das An- und Ausziehen, mein An- und Ausziehen, gedauert. Der Typ warf Lederjacke und Denimhemd achtlos in die Ecke (wir hatten uns darauf verständigt, die Oberkörper zu entblößen), während ich Jackett, Schlips, Hemd und T-Shirt feinsäuberlich über die Türklinke hängte. Der Zweireiher ist übrigens, das wird dich interessieren, aus dieser „High Twist" genannten Schurwolle, einem Stoff, der so hoch gezwirnt wird, dass er mit innerer Sprungkraft gegen Knautsch und Knitter stabilisiert ist, wie die Herrenausstatter zu versichern nicht müde werden.

Folglich hätte auch ich meine Jacke nonchalant in die Ecke werfen können, aber ich wollte einfach kein Risiko eingehen. Den darkroom betrete ich als Dandy, und heraus komme ich als Clochard – das, Timo, war noch nie mein Stil! Selbst die peinigendste Geilheit darf uns nicht dazu hinreißen, die Gesetze des guten Geschmacks zu übertreten. Aber wem sage ich das, Lieber.

Als der Typ, er stellte sich später beim Bier als Jerry vor, mich auch noch bat, die Hose abzulegen, wurde ich fast panisch. Wohin nur mit dem guten Stück, schoss es mir durch den Kopf. Gewiss, die Hosenbeine sind weit genug, um über die Schuhe gezogen zu werden, welche, wie du weißt, ich in derartigen Örtlichkeiten nie ausziehe. Vielleicht bin ich heikel, aber es graut mir vor dem Gedanken, baren Fußes durch fremder Männer Spermalachen zu waten.

Was also tun? Guter Rat war teuer, denn die Klinke war ja bereits belegt.

Ohne Jerry beim Zwirbeln meiner Brustwarzen zu stören (was er übrigens mit dem zartesten Einfühlungsvermögen tat), entledigte ich mich geschickt der Beinkleider, schnüffelte dabei sogar noch an der Poppersflasche und hatte dann im Amylnitritrausch die glänzende Idee, die Hose von innen nach außen zu wenden und sie auf Jerrys Lederjacke zu deponieren. Allein ich entdeckte sie nicht, finde du einmal im darkroom ein schwarzes Kleidungsstück!

Also stocherte ich mit dem Spielbein in der Dunkelheit (derweil mir die Hoden massiert wurden), bis mein Fuß auf etwas Weiches trat. Sanft löste ich Jerrys Hände von meinem Skrotum, um mich mit der zweimal gefalteten Hose zu seiner Jacke zu bücken, die zu glätten ich selbstverständlich umsichtig genug war. Wie schnell, Timo, rutscht Stoff von Leder, nicht wahr? Ich muss beim Bücken wohl einen besorgten Seufzer ausgestoßen haben, den Jerry als lustvolles Stöhnen missverstand. Keck steckte er mir seinen rechten Zeigefinger in den Anus, erregt flüsternd, dass ich genau das jetzt brauche. Das, dachte ich, und ein paar Bügel!

Später, beim Anziehen, fungierte Jerry als Kleiderständer. Ich hieß ihn, Jackett, Krawatte und Oberhemd zu halten, um das T-Shirt überstreifen zu können. Dann befahl ich: „The shirt, please!"

„And now the tie, please!"

„Would you have the kindness to help me into my jacket?"

Jerry schien sich in der Rolle des Kammerdieners zu gefallen, er züngelte an meinem Ohr und hauchte: „You are nuts, baby! I think I love you."

Als ich mit Jerry am Tresen stand, habe ich mich dazu hinreißen lassen, ihm meine hiesige Telefonnummer zu geben, ja, Timo, ich bin sogar so weit gegangen, ihn in unser beider Liebesnest zu laden. Du verzeihst mir das, nicht wahr?

Du bist derzeit unabkömmlich, was also soll ich tun? Mir in Erinnerung an dich die Seele aus dem Leib onanieren? Wäre das in deinem Sinne?

Keine Bange, Timo, ich vergesse dich schon nicht. Du bist immer in meinem Kopf, jeder Gedanke muss erst an dir vorbei. Überall sehe ich dich, in jedem Zimmer dieses Hauses bist du anwesend. Du liegst vor dem Kamin, du stehst unter der Dusche, du sitzt auf der Fensterbank und du springst die Treppe rauf und runter.

Auch die Gegenstände evozieren Gedanken an dich, alles, was du hier je berührt hast, trägt deinen Namen ... Übertreibe ich? Nur unwesentlich, Timo. Glaube mir, als ich vorhin in der Küche in einer Schublade die Geflügelschere, die berühmte Geflügelschere, entdeckte, hätte ich heulen können.

Du erinnerst dich?

Wir haben gegessen. Ich rauche die Zigarette, die du am meisten hasst, die Verdauungszigarette, du räumst geräuschvoll den Tisch ab.

Ich schaue zum Fenster und rufe dir in die Küche nach: „Die Scheiben hätten es auch mal wieder nötig, Herzblatt!"

„Eine Sekunde," rufst du, „lass mich nur schnell die Fußböden wischen, die Wäsche bügeln und die Kinder ins Bett bringen."

„Au ja, schrubb die Böden! Dann schleiche ich mich an dich heran, lüfte deine aschgraue Kittelschürze und fick dich von hinten. Und du musst stöhnen: Und ich sage: Und du fängst an zu weinen: »

Ich folge dir in die Küche und beobachte dich beim Abwaschen. „Soll ich abtrocknen?"

„Um Himmels willen", schreist du, „vergiss bitte nicht deine lebensgefährliche Geschirrhandtuchallergie! Ich habe nicht vor, dich in einer Urne nach Deutschland zurückzubringen."

„Dummerchen", sage ich, „ich werde nicht verbrannt, ich werde einbalsamiert wie Lenin und Mao."

„Klar, und in einem gläsernen Sarg aufgebahrt wie Schneewittchen."

„Würdest du mich zurück ins Leben küssen, mein Prinz?" frage ich. Und du antwortest: „Du fällst nicht in Schlaf, Chéri, meine Küsse halten dich wach. Solange ich mich um dich kümmere, wirst du frisch und munter bleiben." Du schaust mich an mit diesem Das-war-jetzt-ernst-gemeint-Blick, welchen ich erwidere mit dem Das-habe-ich-auch-so-verstanden-Blick. Wir wissen beide, dass diesem Augendialog Schweigen folgen muss. Ein, zwei Minuten dürfen wir nichts sagen und uns auch nicht berühren. Es würde den Zauber zerstören.

Ich bin es immer, der das Schweigen bricht. Auch jetzt öffne ich, nach einem verschämten Räuspern, den Mund: „Verletz dich nicht, das ist furchtbar scharf!"

Lächelnd polierst du mit einem Tuch die Schneide des Brotmessers, nachdenklich wägst du es in der Hand, lässt es im Schein der Deckenlampe aufblitzen.

„Na, mein Held, hast du jetzt Angst?" fragst du.

„Vor dem Brotmesser? Natürlich nicht, du könntest mir gar nicht wehtun."

„Wer weiß", sagst du, langsam auf mich zukommend, das Messer hebend, als wolltest du zustechen. Ich weiche zwei Schritte zurück und lehne mich an den Türpfosten.

„Tu's!" sage ich, mein Hemd aufknöpfend.

Wir lächeln uns nicht an, wir versuchen vielmehr, uns mit Blicken zu durchbohren, und beide wissen wir: Das wird jetzt eines unserer ernsten Spiele, eines dieser höchst riskanten. Dass in diesen Augenblicken die Welt zu verstummen scheint, ist eines der großen Geheimnisse unserer Liebe, Timo. Kein Auto fährt, kein Radio plärrt, und Mensch und Tier halten den Atem an. Und es fragt sich die Welt: Werden sie wieder den Salto mortale vorführen, diese tollkühnen Artisten? Wagen sie ihn wieder, den vierfachen Todessprung?

Wir starren uns an und ich weiß, was du denkst. Du denkst: Das ist geiler als ficken. Und du flehst mich an, du bittest nicht, du flehst: Du darfst jetzt nicht blinzeln! Guck mich an, guck mich ewig an!

Ich hebe langsam meine linke Hand, greife mit Daumen und Zeigefinger nach der Messerspitze und ziehe dich an mich heran.

Ich sage: „Setz mir das Messer an die Brust!"

Sacht ritzt du mit der Spitze eine waagerechte Linie auf meinen Oberkörper, dann eine senkrechte. „Ist das ein Kreuz?" frage ich heiser.

„Ja, das ist ein Kreuz."

„Und jetzt ein Herz!" sage ich, und du zeichnest ein großes Herz auf meine Brust. Ich schließe die Augen. „Beweg dich nicht!" sagst du. Ich gucke dich an.

„Nein, laß die Augen zu!"

Ich spüre die Messerspitze an meiner rechten Brustwarze, an der linken, am Nabel. Ich drücke meinen Bauch gegen den Stahl. Mit geschlossenen Augen will ich mir die Hose aufknöpfen.

Du sagst: „Noch nicht! Leg deine Hände in den Nacken!"

Ich sehe den Anflug eines Lächelns auf deinem blassen Gesicht, du befiehlst: „Augen zu und stillgestanden!" Ich höre, wie du dich ein paar Schritte entfernst, wie du eine Schublade öffnest, mit metallenen Gegenständen klapperst.

„Nicht schmulen!" sagst du. Und dann spüre ich dich wieder vor mir, spüre deine Wärme, deinen Atem, deinen Geruch.

Du sagst: „Ich kauf dir morgen ein neues." Und dann schneidest du mich mit einer scharfen Geflügelschere aus dem Hemd. In Fetzen fällt es zu Boden, mein Mund wird trocken vor Erregung, mich fröstelt.

Ich öffne die Augen, nehme dir Messer und Schere aus der Hand, lasse die Schere auf den Fußboden fallen und ziehe die stumpfe Seite der Messerschneide durch meinen vollgespeichelten Mund. Ich reiche dir das Messer: „Leck ab!"

Während deine Zunge über das Messer gleitet, ziehe ich dir die Hose in die Knie, dreh deinen Rücken zu mir und beginne, an deinen Arschbacken zu saugen. Ich lege mein Glied frei, onaniere. Plötzlich sagst du: „Stopp!" Verblüfft frage ich: „Wieso?"

„Chéri", antwortest du kühl, „das wäre ein allzu herkömmlicher Abschluss. Wir lassen uns noch ein bisschen zappeln. Okay?"

Also konservieren wir unsere Geilheit für später. Wir knöpfen uns gegenseitig die Hose zu und kichern. „Worauf wir zwei aber auch immer kommen," sagst du. „Unglaublich!"

„Fandest du das auch so erregend?" frage ich.

Und du sagst pathetisch: „Himmel, mir wären fast die Eier geplatzt."

Die Geflügelschere, mein ferner Freund, werde ich vor Jerry verstecken, sie bleibt uns vorbehalten, dir und mir. Wie du mir fehlst ...

(1993)

 
 


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