Lyrik als Vermächtnis
John Henry Mackay hat Hunderte von Gedichten geschrieben und mehrmals in kritischer Auswahl neu geordnet (1886, 1897, 1909, 1911 und 1928). Zu seinem Vermächtnis wurde eine kleine, im Jahr vor seinem Tod zusammengestellte Auswahl, die 1932 als bibliophiler Druck der (damaligen) Mackay-Gesellschaft erschien. Die "Zwanzig Gedichte" handeln von Natur und von Freiheit, von Glück und Entsagung. Unsterblich geworden durch die Vertonung von Richard Strauss ist die "Heimliche Aufforderung".
Heimliche Aufforderung
Auf, hebe die funkelnde Schale
Empor zum Mund,
Und trinke beim Freudenmahle
Dein Herz gesund!
Und wenn du sie hebst, so winke
Mir heimlich zu -
Dann lächle ich, und dann trinke
Ich still wie du . . .
(...)
Und will an die Brust dir sinken,
Eh' du's erhofft,
Und deine Küsse trinken
Wie ehmals oft,
Und flechten in deine Haare
Der Rose Pracht -
O komme, du wunderbare,
Ersehnte Nacht!
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