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Peter Nathschläger

Alles besser

Gedichte
kart., 90 S., € (D) 12,50
ISBN 3 928983 72 5

Pressestimmen

Leseprobe

Alles besser


portofrei bestellen bei www.gaybooks.de

Peter Nathschläger ist ein Wiener Autor, der hier sein erstes Buch veröffentlicht. Wir präsentieren einen neuen "City Poet", seine Gedichte erzählen von New York und Wien, die Vorbilder sind Burroughs und O'Hara: Das lyrische Ich fühlt sich wohl in den Niederungen des Großstadtlebens, es ist fasziniert von der Schönheit der Straßenjungen inmitten des Drecks billiger Wohnviertel.

Er hat sich auch an der Anthologie "Der schöne Mann ist tot" beteiligt.

Kontakt zu Peter Nathschläger


Pressestimmen

"Alles besser" ist der kühl-ironische Titel des ersten Gedichtbands des jungen Wiener Autors Peter Nathschläger, der durch seine lakonische Kürze, seinen lapidaren Witz und seine Sprachbegabung auf- und gefällt.
Das lyrische Ich ist eine typische Großstadtpflanze (...). Eine neue frische Stimme also, die authentisch klingt und die über lyrisches Gespür verfügt. Das hat Schwung, Charme und den coolen Witz, mit dem man sicher am besten durch die Niederungen der Außen- und Innenwelt gelangt - ganz gleich, in welchem Alter
Egbert Hörmann in Männer aktuell

... dann aber gibt es brillante Gedichtbände, die eine durchgängige Geschichte erzählen. Hier ist es die Story eines Träumers, der sich nicht sattsehen kann an den Jungs aus den billigsten Vierteln der Stadt. ... Der Schmutz um sie herum fällt ihm nicht auf, nur die begehrenswerte Schönheit "seiner" Jungs... Fast genial!
Adam

Die stärkesten Momente hat der Autor, wenn er sich nicht auf seine Verständigungscodes von Bier bis Rotz zurückzieht, sondern den lyrischen Seiten seiner Jungen-Beobachtungen Raum gibt. (...) Da spürt man, es ist wahr, sie "reiben sich wie Salz in deine Wunden".
Sergej

... ist bestechend, beinahe schmerzlich direkt, beißend scharf beobachtet und von atemberaubender Rasanz. (...) Der Gedichtband "Alles besser " hat alle Merkmale eines idealen Gelegenheitsgeschenkes. Er besitzt die Kraft, seine Leser unweigerlich zu fesseln und festzuhalten bis zum Schluss. Atemlos dort angekommen? Dann zurück zu Seite 7 und erneut erleiden und genießen.
Siegfried Straßner in Nürnberger Schwulenpost


August, Mann

He, Mann, ich sollte rausgehen und
der verdammten Sonne
Hallo
sagen, sollte rausgehen
und zusehen, wie die alte Lady da
am Himmel ihren Schleim auf die Straße rotzt, diesen
glühenden, heißen Schleim, der
Asphalt zum Schmelzen bringt, Mann!
Ich sollte da rausgehen, auf die
Straßen und all die Jungs treffen, die
da sind, die Kleinen, Mann, du weißt ja,
die sich da mit dem Hausmeisterschlauch
vollspritzen, halb nackt um die Hydranten
tanzen und singen und schreien, ja Mann, und die älteren
Jungs, die da sind!
Ja, all die Puertorikaner und Nigger, die
Spanier und Chinesen, ja!, und wir sollten
da rumgehen und Gimme Five machen, du weißt ja,
Hände zusammenklatschen, endlos cool
in der Stadtsommerhitze, ja und
sollte den Jungs da an die Nippel gehen und an die
Hosen!
Ja Mann! Ein paar der Jungs haben nichts gegen
ein schwules Intermezzo,
aber ein paar mal, hin und wieder lande ich
mit Prellungen und nem blauen Auge
daheim auf der Matte. Na,
egal, das muß einer ja mal aushalten, wenn
man auf die kleinen Ganoven steht, die
da so endlos cool wie hingemalt an den Straßenecken
lehnen! Ja, Mann! Ich denke, ich sollte da mal
rausgehen und die Lage peilen.


Pause

Ich häng mein Gesicht
zum Fenster raus
und laß es vom Regen
waschen.
Hinter mir,
im staubigen Halbdunkel,
wird der Canon von
Pachelbel langsam
intensiv.
Ich streck die
Zunge raus,
Bierfahne, du weißt ja,
Junge, und:
es soll nur eine Pause
sein zum Atmen
zwischen zwei Zeilen.
Unten sehe ich die
nassen Kolonnen
und
auch sie schreiben:
wortlos
Gummi auf Beton.
Scheiße.
Ich versuchs auf bierbesudeltem
Papier.
Ich hol meine Zunge
wieder rein und
auch mein Gesicht
und,
Fuck
Bart und Mundgeruch, alles
noch da, zum
Fliegenkillen,
schätz ich.
Ich wanke zurück an die
Maschine und versuche,
aus all dem hier
irgendwie schlau zu werden.
Noch ein Bier, ein paar Rennies.
Worte dröhnen in
meinem Kopf, zu schwer fürs
Papier.
Scheiß drauf
Noch n Bier, dann zum
Fenster, seh
Straßenschluchten, alte Zeitungen
im Wehmutswind, ein von Tauben verdrecktes
Dach gegenüber, darüber alte, fadenscheinige
Wäsche, und im Schatten der
pueortorikanische Hausmeistersohn, Rico,
wichsend, durch die Schleier meiner
Worte und den anschwellenden Canon, durch
den Dunst der Abendstadt gesehen.

Neues vom Hausmeistersohn

Ja, Leute! Rico heißt der
Kerl, und ganz klar: Er
führt das Wort im Viertel, er
sagt, was Sache ist, wo's
langgeht.
Ja, Leute! Das ist Rico, 16 Jahre,
und der ist so cool, daß die Augen
einfrieren, wenn er erlaubt, ihn
anzusehen.
Klar weiß er, daß er geil aussieht, wie
absichtlich, und, klar!, plustert er sich auf, spreizt
sich wie ein Gockel, immer
auf der Balz, Männlein, Weiblein, egal,
nur von den Männlein dürfen die Kumpels nichts wissen.
Rico erlegt alles, was auf zwei Beinen
geht, Rico
fasst sich an die Eier, und die Erde
steht still, Rico leckt sich
über die nackte Schulter, und
das hysterische Kreischen aller Planeten
ist ihm sicher.

Rico kann das.

Na, und neulich sondert sich Rico
von seinen Freunden ab, die in der
Straßenhitze um den Hydranten stehen, der
Regenbogen in den Himmel sprüht, entfernt
sich in so ne Seitengasse voller Dreck
und arrangiert sich mit nem weißen Päckchen.
Ein paar Minuten später
fährt er mit dem Hintern auf
und ab, schabt am Ziegelmauerdreck
und zwirbelt seine Nippel, leckt
sich den Schweiß von
den Lippen und Oberarmen, leckt
sich die Finger ab und
knöpft seine beige Levis
auf, klarer Fall: Rico ist auf nem Trip,
und wie!
Ach du pueortorikanisches Miststück!
Ich hab dich von meinem Fenster aus gesehen, auf
dem Dach eures Baus, hab dich unter der Wäsche deiner Mutter
wichsen gesehen, und ich weiß, daß du auf den
Scheißhäusern entlang der Metro anschaffen gehst, und
wenn du rauskommst, trocknen die Essenzen fremder
Träume in deinen Mundwinkeln,
Du liebst dich, Süßer, ich weiß das;
jetzt wirds Zeit.
Ich also spring in meine Sachen und hetze die Treppen
runter, raus in die Straßenglut,
da steht Rico und stöhnt,
spreizt sich und wichst wie irr und schleckt sich
ab wie ne Katze.
Oja! Das ist Rico at his best! Er rotzt
sich Spucke auf die Finger und nimmts als
Gleitmittel, hebt dann die Hand über
seinen Kopf und läßt sich den ganzen
Mischmasch in den weit geöffneten Mund
tropfen.
Ich bugsiere ihn tiefer in die
Gasse, über Dreck und alte
Kisten, und sein Blick
flattert mich an wie aufgeschreckte
Schwalben, ich hol mein Ding raus und
Rico wird plötzlich wieder wach.
Er betoniert mir eine, ich flieg
um wie geköpft und Rico beugt
sich über mich, zischt, spuckt:
"Puto, mierda Puto!"
knallt mir eine,
"Besame me culo!"
noch eine,
"Mierda."
Und steht auf.
Dann setzt er noch einen drauf und knallt
mir die Faust in die Eier.
Ich winde mich im Dreck und
mein Ding spuckt zwei oder
drei traurige Tropfen aus, Rico reibt mit seiner
Stiefelsohle über meinen Schwanz, rotzt hoch
und verschwindet; an der Ecke bleibt er stehen
und ruft: "Wenn du was willst, dann
zahl wie alle. Und ein Wort zu meinen Leuten, und
du bist tot, Mann!"
Fliegen schwirren fett
um mich, ich sammle mich
zusammen und humple zurück ins Haus,
gegenüber beim Hydranten steckt Rico ner
Dreizehnjährigen grinsend die Zunge ins Ohr, die
anderen Jungs sehen mich und fallen fast
um vor Lachen ...
Ich trete in den Schatten des Hauses, und
schwöre mir, nie zu vergessen, wie Rico sich einbringen
kann, denn auch nur von ihm verprügelt
zu werden, is ne Sache.
Nun, ich denke, Rico auf dem Dach
beim Wichsen zuzusehen, ist wahrscheinlich
mein Ding, bis der nächste Scheck auf dem
Konto ist.
Ich wische mir seine Spucke von der
Wange und lecke sie von den Fingern, sie rinnt
salzig und schleimig die Kehle runter,
schwängert meinen Schlund mit Rico, auf
diese Weise mit ihm verbunden ...
Ich gehe zurück ans Fenster, halbwegs
zivilisiert, und sehe Rico, der seine Hand
zwischen die Beine
der Göre schiebt.
Er schmiert zu mir rauf und blinzelt
spöttisch mit den Augen.
Naja. Das nächste Mal vielleicht
ohne Prügel. Ein bißchen brutal darf
der kleine Ganove ja sein, aber das mit
der Faust und den Eiern, das nehm ich ihm schon etwas
übel.
Irgendwann versinkt die Sonne im
Unrat der alten Häuser, und die Jungs
verteilen sich, zerlaufen wie Quecksilber ...
das Licht schwillt noch ein letztes Mal an, dann
legen sich die Schatten aufs Viertel, und
die Straßen sind leer ...


Zwei Körper entfernt


Da sang einer, es
sei nicht fair, wenn
zwei Herzen in
verschiedenen Welten
schlagen.
So ein Unsinn!
Also kämpfte ich mich aus
dem schmuddeligen Bettzeug, und die Sonne
bahnte sich gnadenlos ihren Weg: Durch die Lamellen
auf das Gesicht meines Lovers, der mit zerknittertem
Gesicht, so verlebt,
wie es nur mein Recht ist,
säuerliche Wolken ausschnarcht.
Also driftete ich in die Küche und, na:
kippte die erste Dose Bier runter und meine Laune
schrumpfte wie mein Schwanz in kaltem Wasser.
Unsinn! Dachte ich,
rauchte und sträute Asche in die
rostige Spüle.
Noch n Bier. Schnell.
Ach. Dieser Sänger sollte
aufhören, solchen
Unsinn zu verzapfen. Riskier doch mal nen Blick
in mein abgefucktes Zimmer, und schau dir die
Typen mal genauer an, red nich solchen
Scheiß, wenn du
keine Ahnung hast; oder verwandeln sich deine Lover auch
in graues Fleisch, das stinkt?
Yeah. Also hör auf, mir solchen Shit vorzugeigen.
Dann zog ich mir was an und ging runter,
zu Eddys 24 Stunden NonStop Thaipeepshow, um
meine Laune in einer der angewichsten Kabinen
zu suchen ... oder vielleicht spreizt einer der
Boys da die Schenkel und ich kann mich
in seinem Geruch verlieren oder ... alles besser
als dein saurer Atem und alles besser als das, was ich
da im Zimmer habe, alles ...
besser.

Zwischenstopp

Unter einem zerlaufenden
Mond: Gefrorene Zweige
an einem kranken Baum
schwanken nicht, sondern
brechen unter der
Last träumender Spatzen.
Dampfend steigt mein
Atem auf. Ich parke nahe
dem Schrottplatz und
die Esse feuert alle
fünfzehn Sekunden Blei und
Ruß in die Luft, ich lehne
am Kühler meines
Autos, trinke handwarmes
Dosenbier und schaue
den Jungs zu, die
mit Messern
zugange sind. Im
Feuerschein der Esse
glänzen Haß und
Schweiß und
Furcht, malerisch
spritzt Blut im hohen
Bogen aus eitlen
Wunden, zwei
dampfende Hengste fügen
sich stolze Wunden
zu; am Ende ist
hier nichts
romantisches mehr, nur noch
ein überflüssiges Drama
am Rande der Stadt.

Blut mischt sich mit
altem Getriebeöl
auf einem toten
Schrottplatz; einer
bleibt liegen, der andere
müht sich zum Zaun, das
Messer zwischen den
Zähnen schneidet
ein Lächeln in seine
Mundwinkel, der
Maschendraht rasselt
unter der Last des
jungen
Blutes, er
schmeißt mir ein
Verschwörergrinsen und
Spucke vor die Füße, dann
ist er nur noch ein
weiterer Schatten im
Feuerglanz der unermüdlichen
Esse. Ich rufe anonym
die Ambulanz, ein wenig
traurig, daß es vorbei ist,
ein wenig entäuscht, weil
sie so schön sind, im
Bluten und Leben, Lieben
und Sterben, im Hassen
und töten. Ich schleudere
die halbvolle Dose über
den Zaun und
fahre weiter; immer
auf der Spur des
magischen Jungen ... endlose
gerade Straßen entlang, an
toten Förderpumpen,
Ungeheuern und
Windrädern vorbei, auf
die Berge zu. Im ersten
Schimmer des Morgens suche
ich einen Sender mit
gutem Jazz und trauere um
das vergeudete, junge
Blut auf dem alten, toten Schrottplatz.

Scotty, bitte beamen!

Manchmal, Samstag abends
höre ich Kirk sagen:
"Scotty: Energie."
Und bevor ich nen
Furz absetzen kann, strömen
die außerirdischen Türken
in mein Zimmer; die
kommen nicht aus
Sympathie.

"Los, laßt uns zu dem
schwulen Zeilenschinder
raufgehen, is n voll
abgedrehter Wichser!"

Tja, und dann rekeln
sie sich auf meinen
Möbeln, trinken mein
Bier, rauchen
meine Zigaretten
und geizen nicht
mit ihren Reizen, den
zu großen Jeans und
den knallengen
T-Shirts.
Meistens kommen sie,
wenn sie kein Geld
mehr haben und
noch nicht dicht
genug sind, wie
gesagt, dann rollen
sie bei mir an,
verpesten die Wohnung
und hausen im
Eiskasten.

Und wenn sie
genug haben und
mehr pissen müssen
als Bier oder Wein
reingeht, dann
ziehen sie Leine
ohne ein Wort, nur
mit nem geilen Grinsen, das
sagt: Du weißt Bescheid,
wir wissen Bescheid,
also halt die Füße still,
Kumpel.
Und dann sind sie
weg und reißen sich
irgendne Ische mit
dem Spruch auf:
Jetzt ham wir grad
nem Schwulen
den Eiskasten leer
gemacht.

Und mir bleibt nur
ein Schwall verrauchter
Luft, die zum Fenster
rausweht, ich am
Sims, lehn mich raus,
ne Zigarette zwischen
den Fingern, s
letzte Bier am Bord
und bin irgendwie
zufrieden.

 
 


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