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Peter Nathschläger ist ein Wiener Autor, der hier sein erstes Buch veröffentlicht. Wir präsentieren einen neuen "City Poet", seine Gedichte erzählen von New York und Wien, die Vorbilder sind Burroughs und O'Hara: Das lyrische Ich fühlt sich wohl in den Niederungen des Großstadtlebens, es ist fasziniert von der Schönheit der Straßenjungen inmitten des Drecks billiger Wohnviertel.
Er hat sich auch an der Anthologie "Der schöne Mann ist tot" beteiligt.
Kontakt zu Peter Nathschläger
"Alles besser" ist der kühl-ironische Titel des ersten Gedichtbands des jungen Wiener Autors Peter Nathschläger, der durch seine lakonische Kürze, seinen lapidaren Witz und seine Sprachbegabung auf- und gefällt.
Das lyrische Ich ist eine typische Großstadtpflanze (...). Eine neue frische Stimme also, die authentisch klingt und die über lyrisches Gespür verfügt. Das hat Schwung, Charme und den coolen Witz, mit dem man sicher am besten durch die Niederungen der Außen- und Innenwelt gelangt - ganz gleich, in welchem Alter
Egbert Hörmann in Männer aktuell
... dann aber gibt es brillante Gedichtbände, die eine durchgängige Geschichte erzählen. Hier ist es die Story eines Träumers, der sich nicht sattsehen kann an den Jungs aus den billigsten Vierteln der Stadt. ... Der Schmutz um sie herum fällt ihm nicht auf, nur die begehrenswerte Schönheit "seiner" Jungs... Fast genial!
Adam
Die stärkesten Momente hat der Autor, wenn er sich nicht auf seine Verständigungscodes von Bier bis Rotz zurückzieht, sondern den lyrischen Seiten seiner Jungen-Beobachtungen Raum gibt. (...) Da spürt man, es ist wahr, sie "reiben sich wie Salz in deine Wunden".
Sergej
... ist bestechend, beinahe schmerzlich direkt, beißend scharf beobachtet und von atemberaubender Rasanz. (...) Der Gedichtband "Alles besser " hat alle Merkmale eines idealen Gelegenheitsgeschenkes. Er besitzt die Kraft, seine Leser unweigerlich zu fesseln und festzuhalten bis zum Schluss. Atemlos dort angekommen? Dann zurück zu Seite 7 und erneut erleiden und genießen. Siegfried Straßner in Nürnberger Schwulenpost
August, Mann
He, Mann, ich sollte rausgehen und der verdammten Sonne Hallo sagen, sollte rausgehen und zusehen, wie die alte Lady da am Himmel ihren Schleim auf die Straße rotzt, diesen glühenden, heißen Schleim, der Asphalt zum Schmelzen bringt, Mann! Ich sollte da rausgehen, auf die Straßen und all die Jungs treffen, die da sind, die Kleinen, Mann, du weißt ja, die sich da mit dem Hausmeisterschlauch vollspritzen, halb nackt um die Hydranten tanzen und singen und schreien, ja Mann, und die älteren Jungs, die da sind! Ja, all die Puertorikaner und Nigger, die Spanier und Chinesen, ja!, und wir sollten da rumgehen und Gimme Five machen, du weißt ja, Hände zusammenklatschen, endlos cool in der Stadtsommerhitze, ja und sollte den Jungs da an die Nippel gehen und an die Hosen! Ja Mann! Ein paar der Jungs haben nichts gegen ein schwules Intermezzo, aber ein paar mal, hin und wieder lande ich mit Prellungen und nem blauen Auge daheim auf der Matte. Na, egal, das muß einer ja mal aushalten, wenn man auf die kleinen Ganoven steht, die da so endlos cool wie hingemalt an den Straßenecken lehnen! Ja, Mann! Ich denke, ich sollte da mal rausgehen und die Lage peilen.
Pause
Ich häng mein Gesicht zum Fenster raus und laß es vom Regen waschen. Hinter mir, im staubigen Halbdunkel, wird der Canon von Pachelbel langsam intensiv. Ich streck die Zunge raus, Bierfahne, du weißt ja, Junge, und: es soll nur eine Pause sein zum Atmen zwischen zwei Zeilen. Unten sehe ich die nassen Kolonnen und auch sie schreiben: wortlos Gummi auf Beton. Scheiße. Ich versuchs auf bierbesudeltem Papier. Ich hol meine Zunge wieder rein und auch mein Gesicht und, Fuck Bart und Mundgeruch, alles noch da, zum Fliegenkillen, schätz ich. Ich wanke zurück an die Maschine und versuche, aus all dem hier irgendwie schlau zu werden. Noch ein Bier, ein paar Rennies. Worte dröhnen in meinem Kopf, zu schwer fürs Papier. Scheiß drauf Noch n Bier, dann zum Fenster, seh Straßenschluchten, alte Zeitungen im Wehmutswind, ein von Tauben verdrecktes Dach gegenüber, darüber alte, fadenscheinige Wäsche, und im Schatten der pueortorikanische Hausmeistersohn, Rico, wichsend, durch die Schleier meiner Worte und den anschwellenden Canon, durch den Dunst der Abendstadt gesehen.
Neues vom Hausmeistersohn
Ja, Leute! Rico heißt der Kerl, und ganz klar: Er führt das Wort im Viertel, er sagt, was Sache ist, wo's langgeht. Ja, Leute! Das ist Rico, 16 Jahre, und der ist so cool, daß die Augen einfrieren, wenn er erlaubt, ihn anzusehen. Klar weiß er, daß er geil aussieht, wie absichtlich, und, klar!, plustert er sich auf, spreizt sich wie ein Gockel, immer auf der Balz, Männlein, Weiblein, egal, nur von den Männlein dürfen die Kumpels nichts wissen. Rico erlegt alles, was auf zwei Beinen geht, Rico fasst sich an die Eier, und die Erde steht still, Rico leckt sich über die nackte Schulter, und das hysterische Kreischen aller Planeten ist ihm sicher.
Rico kann das.
Na, und neulich sondert sich Rico von seinen Freunden ab, die in der Straßenhitze um den Hydranten stehen, der Regenbogen in den Himmel sprüht, entfernt sich in so ne Seitengasse voller Dreck und arrangiert sich mit nem weißen Päckchen. Ein paar Minuten später fährt er mit dem Hintern auf und ab, schabt am Ziegelmauerdreck und zwirbelt seine Nippel, leckt sich den Schweiß von den Lippen und Oberarmen, leckt sich die Finger ab und knöpft seine beige Levis auf, klarer Fall: Rico ist auf nem Trip, und wie! Ach du pueortorikanisches Miststück! Ich hab dich von meinem Fenster aus gesehen, auf dem Dach eures Baus, hab dich unter der Wäsche deiner Mutter wichsen gesehen, und ich weiß, daß du auf den Scheißhäusern entlang der Metro anschaffen gehst, und wenn du rauskommst, trocknen die Essenzen fremder Träume in deinen Mundwinkeln, Du liebst dich, Süßer, ich weiß das; jetzt wirds Zeit. Ich also spring in meine Sachen und hetze die Treppen runter, raus in die Straßenglut, da steht Rico und stöhnt, spreizt sich und wichst wie irr und schleckt sich ab wie ne Katze. Oja! Das ist Rico at his best! Er rotzt sich Spucke auf die Finger und nimmts als Gleitmittel, hebt dann die Hand über seinen Kopf und läßt sich den ganzen Mischmasch in den weit geöffneten Mund tropfen. Ich bugsiere ihn tiefer in die Gasse, über Dreck und alte Kisten, und sein Blick flattert mich an wie aufgeschreckte Schwalben, ich hol mein Ding raus und Rico wird plötzlich wieder wach. Er betoniert mir eine, ich flieg um wie geköpft und Rico beugt sich über mich, zischt, spuckt: "Puto, mierda Puto!" knallt mir eine, "Besame me culo!" noch eine, "Mierda." Und steht auf. Dann setzt er noch einen drauf und knallt mir die Faust in die Eier. Ich winde mich im Dreck und mein Ding spuckt zwei oder drei traurige Tropfen aus, Rico reibt mit seiner Stiefelsohle über meinen Schwanz, rotzt hoch und verschwindet; an der Ecke bleibt er stehen und ruft: "Wenn du was willst, dann zahl wie alle. Und ein Wort zu meinen Leuten, und du bist tot, Mann!" Fliegen schwirren fett um mich, ich sammle mich zusammen und humple zurück ins Haus, gegenüber beim Hydranten steckt Rico ner Dreizehnjährigen grinsend die Zunge ins Ohr, die anderen Jungs sehen mich und fallen fast um vor Lachen ... Ich trete in den Schatten des Hauses, und schwöre mir, nie zu vergessen, wie Rico sich einbringen kann, denn auch nur von ihm verprügelt zu werden, is ne Sache. Nun, ich denke, Rico auf dem Dach beim Wichsen zuzusehen, ist wahrscheinlich mein Ding, bis der nächste Scheck auf dem Konto ist. Ich wische mir seine Spucke von der Wange und lecke sie von den Fingern, sie rinnt salzig und schleimig die Kehle runter, schwängert meinen Schlund mit Rico, auf diese Weise mit ihm verbunden ... Ich gehe zurück ans Fenster, halbwegs zivilisiert, und sehe Rico, der seine Hand zwischen die Beine der Göre schiebt. Er schmiert zu mir rauf und blinzelt spöttisch mit den Augen. Naja. Das nächste Mal vielleicht ohne Prügel. Ein bißchen brutal darf der kleine Ganove ja sein, aber das mit der Faust und den Eiern, das nehm ich ihm schon etwas übel. Irgendwann versinkt die Sonne im Unrat der alten Häuser, und die Jungs verteilen sich, zerlaufen wie Quecksilber ... das Licht schwillt noch ein letztes Mal an, dann legen sich die Schatten aufs Viertel, und die Straßen sind leer ...
Zwei Körper entfernt
Da sang einer, es sei nicht fair, wenn zwei Herzen in verschiedenen Welten schlagen. So ein Unsinn! Also kämpfte ich mich aus dem schmuddeligen Bettzeug, und die Sonne bahnte sich gnadenlos ihren Weg: Durch die Lamellen auf das Gesicht meines Lovers, der mit zerknittertem Gesicht, so verlebt, wie es nur mein Recht ist, säuerliche Wolken ausschnarcht. Also driftete ich in die Küche und, na: kippte die erste Dose Bier runter und meine Laune schrumpfte wie mein Schwanz in kaltem Wasser. Unsinn! Dachte ich, rauchte und sträute Asche in die rostige Spüle. Noch n Bier. Schnell. Ach. Dieser Sänger sollte aufhören, solchen Unsinn zu verzapfen. Riskier doch mal nen Blick in mein abgefucktes Zimmer, und schau dir die Typen mal genauer an, red nich solchen Scheiß, wenn du keine Ahnung hast; oder verwandeln sich deine Lover auch in graues Fleisch, das stinkt? Yeah. Also hör auf, mir solchen Shit vorzugeigen. Dann zog ich mir was an und ging runter, zu Eddys 24 Stunden NonStop Thaipeepshow, um meine Laune in einer der angewichsten Kabinen zu suchen ... oder vielleicht spreizt einer der Boys da die Schenkel und ich kann mich in seinem Geruch verlieren oder ... alles besser als dein saurer Atem und alles besser als das, was ich da im Zimmer habe, alles ... besser.
Zwischenstopp
Unter einem zerlaufenden Mond: Gefrorene Zweige an einem kranken Baum schwanken nicht, sondern brechen unter der Last träumender Spatzen. Dampfend steigt mein Atem auf. Ich parke nahe dem Schrottplatz und die Esse feuert alle fünfzehn Sekunden Blei und Ruß in die Luft, ich lehne am Kühler meines Autos, trinke handwarmes Dosenbier und schaue den Jungs zu, die mit Messern zugange sind. Im Feuerschein der Esse glänzen Haß und Schweiß und Furcht, malerisch spritzt Blut im hohen Bogen aus eitlen Wunden, zwei dampfende Hengste fügen sich stolze Wunden zu; am Ende ist hier nichts romantisches mehr, nur noch ein überflüssiges Drama am Rande der Stadt.
Blut mischt sich mit altem Getriebeöl auf einem toten Schrottplatz; einer bleibt liegen, der andere müht sich zum Zaun, das Messer zwischen den Zähnen schneidet ein Lächeln in seine Mundwinkel, der Maschendraht rasselt unter der Last des jungen Blutes, er schmeißt mir ein Verschwörergrinsen und Spucke vor die Füße, dann ist er nur noch ein weiterer Schatten im Feuerglanz der unermüdlichen Esse. Ich rufe anonym die Ambulanz, ein wenig traurig, daß es vorbei ist, ein wenig entäuscht, weil sie so schön sind, im Bluten und Leben, Lieben und Sterben, im Hassen und töten. Ich schleudere die halbvolle Dose über den Zaun und fahre weiter; immer auf der Spur des magischen Jungen ... endlose gerade Straßen entlang, an toten Förderpumpen, Ungeheuern und Windrädern vorbei, auf die Berge zu. Im ersten Schimmer des Morgens suche ich einen Sender mit gutem Jazz und trauere um das vergeudete, junge Blut auf dem alten, toten Schrottplatz.
Scotty, bitte beamen!
Manchmal, Samstag abends höre ich Kirk sagen: "Scotty: Energie." Und bevor ich nen Furz absetzen kann, strömen die außerirdischen Türken in mein Zimmer; die kommen nicht aus Sympathie.
"Los, laßt uns zu dem schwulen Zeilenschinder raufgehen, is n voll abgedrehter Wichser!"
Tja, und dann rekeln sie sich auf meinen Möbeln, trinken mein Bier, rauchen meine Zigaretten und geizen nicht mit ihren Reizen, den zu großen Jeans und den knallengen T-Shirts. Meistens kommen sie, wenn sie kein Geld mehr haben und noch nicht dicht genug sind, wie gesagt, dann rollen sie bei mir an, verpesten die Wohnung und hausen im Eiskasten.
Und wenn sie genug haben und mehr pissen müssen als Bier oder Wein reingeht, dann ziehen sie Leine ohne ein Wort, nur mit nem geilen Grinsen, das sagt: Du weißt Bescheid, wir wissen Bescheid, also halt die Füße still, Kumpel. Und dann sind sie weg und reißen sich irgendne Ische mit dem Spruch auf: Jetzt ham wir grad nem Schwulen den Eiskasten leer gemacht.
Und mir bleibt nur ein Schwall verrauchter Luft, die zum Fenster rausweht, ich am Sims, lehn mich raus, ne Zigarette zwischen den Fingern, s letzte Bier am Bord und bin irgendwie zufrieden.
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