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Peter Rehberg

Play
Geschichten aus New York

Klappenbroschur,
120 Seiten,
€ (D) 5,00
ISBN 3 935596065

Pressestimmen

Leseprobe

zum Autor

Play


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New York - wo sonst?
Aber was macht man am Ziel seiner Wünsche?

Angekommen in der schönsten Stadt der Welt überlässt sich der Erzähler mit uneingeschränkter Bewunderung einem Dasein, das süchtig macht. Rhythmus und Atmosphäre der Mega-Metropole spiegeln sich auch in der Sprache: Das Stakkato der Sätze erzeugt einen Beat, bei dem man den Einfluss von Rainald Goetz erkennen kann. Steile Formulierungen schaffen Distanz zu jeder Art von deutscher Innerlichkeit. Sie erzeugen den Hintergrund für Rehbergs präzise Beobachtungen der Stadt und ihrer Menschen: schwule Popliteratur.

Aber Glamour und Glücksversprechen ändern nichts daran, dass man in einem überteuerten Dreckloch wohnt und das Geschrei der verrückten Nachbarn einen tagsüber aus dem Zimmer jagt. Weil das Bad gerade zu Bruch geht, duscht man sowieso besser im Fitness-Studio. Nachts wird dann in Bars abgehangen. Ob die nur normal neurotisch sind oder irgendwann ganz durchdrehen, wer weiß?

Warum wollte man noch mal in New York leben? Weiterwarten oder lieber weiterziehen? Die Lektion der Stadt ist einfach: Wer hier leben will, muss im gleichen Tempo mitmachen. Dann gibt es auf einmal alles: Partys und Sex und sogar Glück.


"Play" ist tatsächlich so etwas wie das literarische Pendant zu den Forschungsstrategien der Queer Studies: ein Roman, dessen Erzähler eigentlich nichts anderes macht, als die vermeintlichen Vorgaben der Gesellschaft, ihrer Subkulturen und individuellen Übereinkünfte in Frage zu stellen. Nur dass eine Romanfigur im Gegensatz zu einer wissenschaftlichen Hypothese damit natürlich glamouröser scheitern darf.
Kolja Mensing in taz, 11. Dezember 2002

In erster Linie jedoch ist es Rehbergs außergewöhnliche Sprachartistik, die aus diesem Stoff eine fesselnde Lektüre macht. Rehbergs Stil ist ebenso atem- wie kompromisslos, verliert sich zugleich niemals in romantischen Sentimentalitäten oder depressiven Seelentiefen. Als schwuler Popliterat - aber im Gegensatz zu anderen dieser Zunft mit exquisitem Gefühl für Sprache und deren Wirkung - gelingen ihm unmittelbare Momentaufnahmen des erlebten Alltags und gesellschaftlicher Eigentümlichkeiten. ... Immer wieder überspringen Rehbergs rhythmischen Texte die Grenze von der Prosa zur Lyrik. Laufend mischt er ironisch-trotzig-arroganten Szenejargon unter und bildet in ihrer plumpen Bestimmtheit verblüffend provozierende Sätze.
Siegfried Straßner in Nürnberger Schwulenpost November 2002

Schnell, schnelllebig, unkompliziert und real, so denkt und schreibt der Erzähler und dementsprechend liest sich das Buch. ... Kategorie: Durchaus empfehlenswert.
Jenny Block in RosaLila Nr. 33/2002

Schwule Geschichten in schnoddriger Sprache, so kurz angebunden wie eindringlich. Kein wohlwollendes Bild, das sich dem Protagonisten, einem immigrierten Deutschen, bietet: der "Kiez" Chelsea als proletarischer Sumpf, wo Intellekt nur stört. (...) Eine betriebsame Hommage an New Yorks Homo-Szene, in einer Sprache wie Rap.
Queer, Mai 2002.

Man schlägt das Buch auf - und liest eine spannende, niveauvolle Geschichte bis zur letzten Seite durch, ohne Unterbrechung. (...) raffiniert, sprachlich hoch begabt, bisweilen sarkastisch, freimütig, kritisch.
Hamburg.gay-web.de

In Passagen von teilweise groteskem Witz erhält der Leser Einblicke in die unterschiedlichen Strukturen der deutschen und amerikanischen urbanen Schwulenszene. Dass homosexuelle Menschen Rituale entwickelt haben, die für Nichteingeweihte erstaunlich komisch sein müssen, bringt der einst in Hamburg, nun in New York lebende Rehberg zum Leuchten, so als wollte er als der Konrad Lorenz der Gay Community in die Literaturgeschichte eingehen. Heterosexuelle Leser werden sich beim Lesen wahrscheinlich so vorkommen wie beim Beobachten von Wildgänsen oder, der Autor sagt es selbst so treffend, wie "eingesperrt im Homozirkus." (...) Hingerissen hat mich der Schluss des Romans. Nach der Odyssee der Partys, des Fickens, Saufens, Pissens bricht das Glück über den Erzähler herein. Ein überwältigender Gefühlsansturm. Schon dafür lohnt es sch, "Play" zu lesen.
Christoph Dompke in Hinnerk 6/2002

... eine wirklich interessante Form der Erzählung... Kategorie: durchaus empfehlenswert.
Jenny Block in RosaLila Nr. 33


Martin

aus Kapitel 4: Vier

Thomas erinnert mich an wen, der auch so heißt, der auch so war. Regelmäßig alle zwei Wochen verliebt, immer wieder, immer wieder neu, nie müde wurde, mich dann anrief und bevor er wirklich was erzählt hat, schon zu hören war, jetzt kommts, es kommt, ICH KOMME!!! Ich will sofort auflegen, ich hörs schon, weil er so verschlafen klingt, so klingt er dann und dann gehts los. Lernen Homos hirnlos niemals nichts, vergessen auf der Stelle, was noch vor zwei Wochen war und fangen wieder an, von vorne, können sich nicht mehr erinnern und verlieben sich wie gerade vierzehn, alle vierzehn Tage neu?
Also Thomas.
Dass seine Geschichten mich nicht anmachen, ist egal.
Dass das nicht interessant ist, ist ihm egal.
Dass das das Allerlangweiligste ist.
Merkt ers nicht oder weiß ers schlimmerweise selbst und ists ihm trotzdem egal? Egal. Ich soll zuhören, ihn ankucken, ihm zunicken, nicht sprechen. Will ich alles nicht. Ich will diese Geschichten nicht mehr hören.

Wir stehen im Boilerroom. Er und ich und noch zwei. Der Boilerroom ist nicht toll, aber immernoch die beste Homobar in New York. Schreibt auch Time Out, schreibt, der Boiler Room ist, actually, einer der Gründe in New York zu bleiben. The dark, lowrent room with the kick-ass jukebox looks like your mother's worst nightmare of a gay cruising ground.
Die Albträume meiner Mutter sehen aber anders aus. Weil New York aber in Wirklichkeit keine gute Homobar hat, jedes Gym ja aufregender ist, dies also doch die beste Bar ist, stehen wir nun mal hier rum.
Ist leer, ist Mittwoch.
Man muss nicht stehen, sondern darf sich gerne setzen. Wir setzen uns. Tomas, Heiko und ich. Da ist noch einer, liegt da, auf dem Ledersofa, passed out. Ich glaube er heißt Smith, wie in The Smiths. Oder Smiss? Ist das denn ein Name - Smith - oder bloß ein ausgedachter, so wie River, Rain oder Tequila?
Thomas, mit h oder ohne, kommt mit keiner neuen Geschichte gerade. Ich bin echt erleichtert, gehe kurz aufs Klo, hol mir fast einen runter da vor Freude, dann ein Bier.
Das ist doch der Fehler, dass aus jedem Fick sofort Verliebtheit wird, das muss nicht sein, das kann man doch verhindern, also lernen, lernt mans nicht, ists leider ein Beweis für Dummheit, denk ich noch beim Pissen / bisschen Wichsen und auf dem Weg zurück zur Bar. Denn die Dummheit, die Verliebtheit immer ist, kann man bei sich selbst ja gerade noch ertragen, auch nur selten, bei andern erst mal gar nicht, bei fremden Menschen schließlich über-haupt nicht, oder eigentlich grundsätzlich nie.
Wir flirten seit zwei Jahren. Wir haben nicht geredet, nie. Dahinten steht er. Kuckt gerade nicht. Jetzt, jetzt kuckt er. KUCKT DA BLOSS NICHT HIN!
Heiko und ich kucken, aber wissen nicht, wen er meint, ich meine Thomas. Heiko ist besoffen und sagt, geh rüber,
geh da hin sage ich auch sofort zu Thomas, damit er weg ist und nicht weiterreden kann. Du hast nichts zu verlieren, sagt Heiko,
stimmt zwar nicht,
ja genau, sag ich trotzdem,
ja genau, stimmt nämlich nicht, ich würde nicht hingehen. Weil ich weiß, dass ich mich unübertrieben fünf volle Tage erholen müsste, hinterher, wenns nicht klappt. Jetzt sagen wir zusammen:
Geh da hin!
Pause.
Sofort!
Smith sagt gar nichts (passed out?). Aber wir reden, zu zweit, zu lange, bis er geht.
Wir kucken zu, wie er wirklich geht, zu dem, zu wem, zu dem? Den kennt keiner, den wollen wir auch gar nicht kennen lernen, mit dem flirtet er seit zwei Jahren.
Thomas ist weg, ich rede mit Heiko, mal sagt Smith was, dann ist er ins Sofa zurückgesackt, Smith, Smith? Mal denke ich, Heiko ist ganz nett, also richtig nett, so nett, dass ich mich frage, warum warum warum ich niemals mal die nehme, die wirklich nett sind. Ist es denn ein Zufall, dass gerade die, die wirklich nett sind, ein Milchgesicht haben? Wie alte Männer, und keine Haare an den Beinen, sodass man erst recht nicht wissen will, was da in der Hose steckt.
Thomas kommt zurück.
Gleichsofort fängt er auch zu erzählen an, sagt alles, was man nicht sagt, sagt:
War nicht interessiert. Er war einfach nicht interessiert. Hat nicht geantwortet.
Er hat nicht geantwortet?
Hat geantwortet, ganz kurz. Dann gar nicht mehr. Dann hat er gar nichts mehr gesagt. Dann ist mir nichts mehr eingefallen und ich bin gegangen.
Pause.
Heiko und ich kucken blöde und wissen nicht, was wir sagen sollen. Dann kommts:
Ich kriege nie die, die ich will.
Ich kriege immer alle, die ich will, sage ich schnell, damit er endlich die Klappe hält.
Hat geklappt. Thomas sagt nichts mehr. Heiko redet, ich rede. Heiko redet über Lacan. New York ist die letzte Stadt auf der Welt, wo noch alle an Psychoanalyse glauben. Ich auch. Aber über Lacan zu reden habe ich mir abgewöhnt, in Bars.
Lacan hilft hier nicht weiter, Heiko, sage ich.
Hier gehts um Mut und um Erfolg.
So ist das Leben, sage ich sogar.
Alles andere zählt nicht und interessiert hier keine Sau.
Heiko kuckt mich an, als sei ich genauso debil wie Smith, der den ganzen Abend stumm in der Ecke liegt. Ich denke, der denkt nicht.
Du musst drin sein, sag ich, darum gehts, drin, drin, drin.
Heiko kuckt mich an, als versteht er nicht, was ich sage, oder denkt, der denkt also auch nur ans Ficken.
Damit fängt doch alles an, was interessant ist.
Kannst du lernen, musst du lernen, immer wieder, jede Nacht. Wenn dus noch nicht kannst, bis jetzt. Dafür ist die Nacht doch da. Wenn du aufm Sofa sitzen bleibst und an Lacan denkst, bist du weg vom Fenster. Kuckt dich keiner an, kommt keiner, lernst keinen kennen, kannst den Abend vergessen Es sei denn, du willst mit dem in die Kiste, mit dem du in diesem Moment gerade redest, fällt mir in diesem Moment gerade ein. Ich will aber nicht. Und wieso nichtmal Augen zu / Ohren auf und einen, der reden kann, mit dem man mal reden kann, statt immer nur schwanzgroße Analpha-beten?

New-Yorker Bars machen um vier zu, um vier. Will man nicht ins Twilo oder Roxy oder Tunnel oder Limelight, Pillen lutschen / Titten glotzen, muss man jetzt nach Hause. Heute aber nicht allein. Auch nicht zu zweit. Heute gehen wir zu viert.
Nicht fürn flotten Vierer, ähnk-ähnk, sondern um auf nem andern Sofa weiterzusitzen und R.E.M. zu hören und Bier zu trinken und zu rauchen und zu reden. Das ist mir in New York allerdings noch nie passiert. Wir reden (in dieser Reihenfolge) über: Celine Dion (ein Roboter), Gefahren des Klappensex an NYU (Security Service holt die Jungs neuerdings aus den Kabinen raus), das neue R.E.M.-Video (R.E.M. haben die Idee von Thomas geklaut - klar), Gefah-ren des Klappensex an NYU (Security Service will IDs sehen, wer keine hat, fliegt raus. Klappensex ist nur was für Studenten), Madonnas Wohnung auf der Upper East Side (Smith, nicht Smiss, sagt, er war da, um ihr Tapes zu bringen, als er in dem Studio gearbeitet hat, wo Ray of Light produziert wurde).

Ich flirte mit Smith, weil er Madonna kennt, aber rede mit Heiko, aber höre Smith zu, der zwar nicht passed out ist, aber total betrunken - ich mag Säufer -, und jetzt spricht er plötzlich die ganze Zeit, Smith.

 
 


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