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Felix Rexhausen
Berührungen

Eine Zeitreise durch die 1960er Jahre

Mit einem Text von
MICHAEL SOLLORZ: Lektüre
Bibliothek rosa Winkel Bd. 31
kartoniert, 216 Seiten,
12,00 € (D)
ISBN 39355962316


Leseprobe

Pressestimmen



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Feldforschung noch unterm Paragraphen . . .

Felix Rexhausen veröffentlichte sein (fiktives?) erotisches Tagebuch 1969 unter dem Pseudonym "Stefan David". Es ist das Jahr, in dem der § 175 - damals seit über 90 Jahren im Strafgesetzbuch und seit mehr als 40 Jahren in der von den Nazis verschärften Form in Geltung - erstmals reformiert wurde.

Als Satiriker war Rexhausen (1932-1992) der Meinung, ein "wirkliches Sexbuch" für Homosexuelle sei "eine Unmöglichkeit", gelte doch die Devise: "Mehr Tränen als Sperma". Als Stefan David führt er uns durch die deutsche Provinz (Effstein, Vaustadt und Zettberg) und zu schwulen Sehnsuchtsorten wie Neapel, San Francisco und Tunis.

"Die Geschichten dieses Buches und die in ihnen vorkommenden Menschen sind nicht frei erfunden. Vom Leser bemerkte Ähnlichkeiten mit Geschehnissen oder Personen, die ihm bekannt sind, können aber zufällig sein." (Felix Rexhausen)

Michael Sollorz in seiner Lektüre:
S. stößt auf ein Bändchen, erschienen im Jahr seiner Einschulung. Feldforschung noch unterm Paragraphen, Episoden vom Aufreißen, vom nimmersatten Streunen.


Pressestimmen

Felix Rexhausens "Berührungen" gehören unbedingt ins Handgepäck des homophilen Urlaubers. ... In den sexuellen Erlebnissen des Protagonisten schwingen Witz und Pedanterie mit; so werden fast buchhalterisch die Vorzüge diverser sexueller Spielarten abgewogen. Rexhausen verrät zudem viel über den Muff jener Zeit, in der mannmännliches Treiben schön, aber eben auch verboten schön war.
Stefan Mielchen in Hinnerk, Juli 2003


Ich fing an, manchmal in Klappen zu gehen, als ich schon ein paar Jahre in Ifurt bei meinen Eltern wohnte. Nie hatte ich bis dahin bemerkt, daß Pissoirs zu irgend etwas sonst gut sein konnten als zum Pissen; als ich's dann aber begriffen hatte, besuchte ich sie ziemlich oft, wie mir schien: zwei-, dreimal im Vierteljahr.

Immerhin, allzu intakt war ich nicht. Wenn ich mich erst einmal in eine Klappe gestellt hatte, die bei Nacht offen war, blieb ich meist ziemlich lange: sei es, weil mit denen, die da rein- und rausgingen, nichts los war, sei es, weil überhaupt niemand erschien.

Einmal hatte ich ganz allein eine halbe Stunde in der unterirdischen Klappe am Rathausplatz gestanden, nachts um zwei herum, als plötzlich von der Tür her barsch jemand fragte: "Was machen Sie denn hier so lange? Kriminalpolizei!" Sie waren zu zweit, beide in Zivil, beide noch nicht dreißig, der eine hielt seine Ausweismarke hoch, der andere Handschellen. "Kommen Sie mal mit rauf!" Während wir die Treppe hinaufgingen, dachte ich mir, daß es ganz logischerweise irgendwann hatte so kommen müssen. Zehn Meter neben der Klappe blieben sie stehen, ließen sich meinen Namen und Beruf sagen, stellten Fragen über meinen Klappenaufenthalt, deren Beantwortung nicht enthielt, was sie wußten. "Ihren Ausweis!" Ich hatte keinen mit. "Um diese Zeit hier in der Stadt, da sind Sie verpflichtet! Das ist Paßvergehen!" Nun langsam hätte ich wohl stutzig werden können, aber ich hatte nur Angst. "Na gut, zwanzig Mark für's Rote Kreuz, ist die Sache für diesmal erledigt!" Zwanzig Mark hatte ich, der linke schrieb eine vorgedruckte Quittung aus, Geld, Quittung, Schluß. "Gute Nacht! Und unterlassen Sie das hier künftig!"

Erst am Morgen zog ich die Quittung wieder aus der Tasche. Eine Standardquittung aus einem Standardblock: "DM Zwanzig für § 175 empfangen zu haben, bescheinigt", Gekritzel, kein Stempel, nichts. Es wurmte mich, daß ich mich in der Nacht so furchtbar aufgeregt hatte.

 
 


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