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Sonderangebot - exklusiv bei gaybooks.de"Das Brot der Liebe" - Jourdans 1993 im Kellner-Verlag erschienener Roman über Freiheit, Liebe, totale Machtausübung und Verrat ist noch lieferbar. Die letzten Exemplare der Restauflage sind zum Sonderpreis bei gaybooks.de erhältlich. | ![]() |
Hier schreibt ein Autor mit all der unkontrollierten Kraft seiner Jugend. Sein Pathos ist bedingungslos, seine Süprache ungezügelt. Er zieht die LeserrInnen in einen Strudel, der sie zu verbotenen Phantasien zerrt.
Martin Weber in Lambda
Der Zusammenhang von Erotik, Gewalt und Homosexualität war zwar schon von Proust, Cocteau und Genet geschildert worden, doch die Schilderung einer Liebe, die in einem Blutrausch endet, ging eindeutig zu weit. Zuweilen mag dies alles dem heutigen Leser, der an festgefügte Erzählmuster gewöhnt ist, zu lyrisch, zu sprunghaft erscheinen. Doch das Einlassen auf das Abenteuer dieser beiden Jungen mit tödlichem Ausgang lohnt sich gerade deshalb: Jourdan beschreibt Momente körperlicher und emotionaler Sehnsüchte, die für den aufgeklärten Schwulen von heute kaum mehr vorstellbar sind, aber als Prüfsteine des eigenen Erlebens dienen.
Dirk Naguschewski in Hinnerk 11/06
Ein großer Verdienst, das vergessene Meisterwerk ein halbes Jahrhundert später endlich auf den deutschen Buchmarkt zu werfen. ... Zeitlos ist das detaillierte Psychogramm einer jugendlichen Liebe, die an Ideale glaubt und an den Grenzen der Vereinigung verzweifelt.
Carsten Schrader in Kulturnews
Wilde siebzehn Jahre war Eric Jourdan, als er diesen Roman verfasste. Liebe und Tod, Schmerz und Schönheit schießen ineinander. Ein Sprachkunstwerk gibt das nicht. Aber seltsam keusch sind die Klischees. Frei von Innerlichkeitskitsch verdoppeln und verstecken sie Gefühle.
Christine Richard in Baseler Zeitung
Ich erwachte und schloss, vom Tageslicht geblendet, sofort wieder die Augen. Ich drehte mich und berührte den Körper neben mir. Nun kam mir alles wieder und zärtlich kuschelte ich mich an Gérards Schulter. Er schlief auf dem Bauch, den Kopf mir zugewandt, die Lippen beim Atmen leicht geöffnet, das Haar zerzaust, aufgedeckt bis zur Taille und nur ein Bein unter der roten Bettdecke. Die warme Nacht hatte uns nach und nach entblößt, so dass wir zur Hälfte auf einem zerknitterten Laken lagen und zur Hälfte auf einem wie von Blut gefärbten Tuch, in dem sich Gérards Bein verfangen hatte. Das andere Bein schimmerte matt, wie Messing. Ich konnte die Konturen seines Körpers verfolgen, vom Knöchel bis hinauf an die Achsel, die sein Atem kaum merklich erbeben ließ, und zog sanft an dem Stoff, in den sein Schenkel sich verwickelt hatte, um die Skulptur dieses schlafenden Jünglings vollständig vor Augen zu haben. Es war, als ob Gérard aus dem Purpur emporwuchs, denn auch seine Haut glänzte in dieser blutig dunklen Pracht.
Eine köstliche Müdigkeit lag mir schwer in den Gliedern, vor allem der Nacken tat weh. Wir hatten uns einander hingegeben, bis die erschöpften Kräfte uns wehr- und waffenlos gemacht hatten. In einer einzigen Nacht hatten wir die Geheimnisse der Liebe allesamt entdecken wollen und geleitet hatte die Suche eine so wilde Wut, dass der Morgen die bis zum Rand gefüllten und doch nicht satten Leiber überstrahlte. Die Art, in der sie sich genommen und gegeben hatten, ließ die jungen Liebenden doppelt männlich erscheinen.
Ich legte meine Hand auf seinen Rücken, an die Stelle, wo die Sonne mit einem kleinen flimmernden Mund in das Fleisch biss, denn sie drängte durch alle Schlitze in den Fensterläden herein, sie war neugierig auf die Fortsetzung der Geschichte. Ich war so erschöpft, dass ich wieder einnickte. Gérard rührte sich und das weckte mich schließlich ganz auf. Die Nacht wich aus seinen Augen. Er fühlte dieselbe Erschöpfung wie ich: Sein Nacken und seine Beine waren wie zermalmt. Scheinbar kraftlos lagen wir Seite an Seite, doch im Morgengrauen triumphierte unsere Jugend erneut.
Der Raum war wie belagert vom Licht des Tages, goldene Pfeile bohrten sich in die Wände, den Boden, das Bett, auf dem sie unsere Körper aneinander nagelten und quasi zu einem einzigen verschmolzen, von dem sich einmal sein und dann wieder mein Kopf erhob. Reglos ließen wir die Lust ausklingen. Ich umschlang Gérard und allmählich wurde ein Streicheln daraus. Ich glaubte mich auf Abenteuerfahrt, im Ozean des Himmels, das Bett ein Schiff, und dieser schöne nackte Knabe, der neben mir lag, sollte es zum Kentern bringen. Er wälzte und wälzte sich, seine Hüfte rieb sich an meiner Hand, die gar nicht aufhörte die Sanftheit seiner Haut zu erkunden, die meinem Fleisch widerstand, einer Haut, die zugleich danach rief, genommen zu werden, und mehr als genommen - gebissen, und mehr noch als den Biss den Schlag verlangte, dessen beherrschende Gewalt die stolze Schönheit eines Leibes brechen würde, dem doch selbst die Mittel des Begehrens zu eigen waren: Tastsinn und Blick. Denn das letzte Besitzen, das Eindringen in einen Körper, bestätigt stets nur die Unfähigkeit, dieser andere zu sein. Ich wollte nicht bloß in ihn eindringen, sondern ihn im Geiste verschlingen; auch wenn ich mich seiner bemächtigte, unter seiner Haut war, lebte der Drang nach neuen Zärtlichkeiten unablässig fort. Wir sagten kein Wort, schon seine Schulter zu berühren erregte mich. Tausendmal glitt mein Mund über sein Ohr, tausendmal strich meine Wange über sein Nackenhaar, meine Hand fuhr seinen Rücken hinab, mein Blut stockte, tausendmal berührte ich einen stets anderen Leib. Seine Sinnlichkeit gewann die Oberhand, er griff nach dem Kissen und gab sich hin. Kein Zoll seines Leibs war mir fremd. In Gestalt dieses vor Kraft strotzenden Jungen hatte das Leben meine Zukunft vorbestimmt. Adieu, Gymnasium, wo man mich auf ein Leben wie alle anderen vorbereitete, dieses Kultivieren der Blumen des Erfolgs widerte mich nun an. Ich wollte frei sein, frei, einen Körper wie den meinen zu lieben, und ich baute eine gläserne Festung um unser Leben, wohl wissend, dass die Welt alles daransetzen würde sie zu zerstören. Ich spürte innerlich schon den Rückzug meines Cousins, seine wie Kartenhäuser einstürzenden Lügen, sobald ihn der Vater nur erst an seine Manneswürde erinnert hätte, fühlte schon den Tod, der auf ihn wartete, wenn er auf die Komödie der Erwachsenenwelt zuletzt mit demselben Ernst eingehen würde wie auf die Spiele seiner Jugend.
Ich erinnerte mich an eine der ersten Szenen, als wir wirklich Freunde wurden: Es war in Paris, in Sekunda am Lycée Carnot. Wir waren fünfzehn Jahre alt. Niemand liebte Gérard, er hatte keine Freunde, denn er war zu allen arrogant und schien sich zu langweilen. Man kannte auch seine tierische Gnadenlosigkeit beim Raufen; selbst wenn man die Oberhand hatte, taten die Faustschläge, die man ihm austeilte, so weh wie die, die man empfing. Wenn die Klasse randalierte, war er sich stets zu fein, in den Radau mit einzufallen, er entzog sich der Autorität auf eigene Art, döste beispielsweise unter den Augen der Lehrer, die ihm eine sträfliche Nachsicht entgegenbrachten. Ein einziger hatte ihn sich zur Zielscheibe genommen. Es war der unbeschränkte Herr über unsere Französisch- und Lateinnoten, wir nannten ihn untereinander Ugga Ugga. Es war ein sehr junger Mann mit einem langen, feinen Gesicht, das wir schön fanden, und er war Gérard gegenüber von machiavellischer Ironie, war unerbittlich in Fragen der Syntax, ließ ihn inmitten des drückenden Schweigens aufstehen, um sich über den poetischen Stil seiner Übersetzungen zu mokieren und ihn mit Hilfe von Cicero und Catull fertig zu machen.
Gérard hielt dem nur sein steinernes, schmollendes Gesicht entgegen und erhob stolz das Haupt, wenn das Gelächter der Klasse eine besonders gelungene Spitze honorierte. Er, der dem Lernen so gleichgültig gegenüberstand und den die Lehrer vor versammelter Klasse als ein zwar charmantes, jedoch vor allem beim Pingpong oder Tennis unschlagbares Wesen bezeichneten, er ließ sich in solchen Augenblicken dazu herab, sie mit einer dieser ganz und gar ungewöhnlichen Schularbeiten in Erstaunen zu versetzen, die Übermut und jugendliche Einsamkeit hervorzubringen vermögen. Ugga Ugga, tödlich gekränkt durch eine besonders gelungene Übersetzung des Tacitus, vergab ihm nicht.
Wie alle Fünfzehnjährigen hatten auch wir ein Reich geschaffen, in dem strenge Gesetze herrschten, denen wir uns freiwillig unterwarfen. Wir hatten Verhaltensregeln, Riten, Rechte. Ein geheimer Rat unterdrückte Aufruhr und Ansprüche auf Alleinherrschaft. Zu siebt bildeten wir unseren eigenen kleinen Wohlfahrtsausschuss, dessen Schergen im Hof oder vor der Schule eine Schreckensherrschaft errichteten und von uns ersonnene Strafen an den Hitzköpfen der anderen Klassen vollzogen, was in den Pausen für Ablenkung sorgte und unserem natürlichen Bedürfnis nach Grausamkeit entsprach. Wir übten unsere Willkür in tausend Formen aus: Mal verordneten wir die romantische Mode karierter Westen, mal Spazierstöcke und lange Haare; dann wieder hatte jeder mit einer Frisur wie Kaiser Titus daherzukommen und im Sträflingsjargon zu reden. Am Handgelenk trugen wir silberne Kettchen wie die Soldaten, in die wir bei jeder Großtat unseres Clubs eine Kerbe feilten.
Gérard lebte außerhalb dieser Regeln. Obwohl wir ihm und seiner Unverfrorenheit eine dumpfe Feindschaft entgegenbrachten, beschützte ihn die Tatsache, dass wir miteinander verwandt waren, solange ich als einer der Clanchefs akzeptiert wurde.
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