Chris Lambertsen
Schwul-lesbische Sichtbarkeit
30 Jahre CSD in Hamburg
Fotoband
Klappenbroschur
Großformat 24 x 30 cm, farbig
192 Seiten,
24,00 EUR (D)
ISBN: 978-3-939542-80-3
Pressestimmen
Beispielseiten
|
|
 |
|
|
Raus auf die Straße!
Dieser prachtvolle Fotoband präsentiert großformatig in Farbe und Schwarz-Weiß den Hamburger CSD von den Anfängen bis heute. In einer Mischung aus persönlichem Statement, Thema und Zeitreise zeigt Chris Lambertsen die Demonstrationen und Paraden, die Totale und die kleine, dennoch bedeutsame Geste. Einzelnen Motiven wie Tunten, Polizei oder Lesben, Politik, Fetisch oder auch Aids ist je ein Kapitel gewidmet. Sie werden durch persönlich gehaltene Texte von Männern und Frauen eingeleitet, die die Geschichte, die Erfolge der Bewegung und auch ihre Veränderungen selbst erfahren haben. Fotos aus verschiedenen Jahren und Epochen werden miteinander konfrontiert und korrespondieren miteinander, Konstanten und Entwicklungen werden sichtbar. Ein Stück "visual history"!
Nominiert für den Deutschen Fotobuchpreis 2012
Der Deutsche Fotobuchpreis kennt drei Kategorien: Gold, Silber und für alle sogenannten Dritten Plätze das Prädikat "nominiert". Diese Titel haben zwar keinen Preis erhalten, "haben der Jury jedoch so gut gefallen, dass sie ... zusammen mit den Siegertiteln an der Wanderausstellung "Deutscher Fotobuchpreis 2012" teilnehmen."
Stefan Mielchen über die Fotos von Chris Lambertsen
(Rede zur Eröffnung der Ausstellung in der Galerie "Aplanat" am 1. August 2011)
"Schwul-lesbische Sichtbarkeit: 30 Jahre CSD in Hamburg": Chris Lambertsen hat das Sichtbarwerden der homosexuellen Emanzipationsbewegung in Hamburg mit seiner Kamera dokumentiert. Das dramatischste Foto des Bildbandes zeigt auf einer Doppelseite, wie Polizisten 1980 einen Teilnehmer jener Stonewall-Demo im Schanzenpark wegtragen (S.74+75). Ein Mann in hellen Schlaghosen geht auf sie zu, als wolle er helfend einschreiten, während im Hintergrund eine Frau das Geschehen mit verschränkten Armen beobachtet.
Die völlige Unschärfe des Fotos unterstreicht die Dramatik der Situation. Niemand ist wirklich zu erkennen. Hier hatte der Fotograf gar keine Zeit, über die richtige Blende oder die Länge der Belichtungszeit nachzudenken: Er war Teil des Geschehens.
Neben seinem dokumentarischen Wert liegt die Stärke des Bildes in den Geschichten, die es nicht erzählt: Was geschah mit dem Demonstranten, den die Polizisten in Kampfmontur wegtrugen? Konnte der Mann in den hellen Schlaghosen ihm beispringen, oder wurde auch er Opfer der polizeilichen Maßnahmen? Wohin geht der in einen langen Mantel gehüllte Polizeibeamte, der scheinbar unbeteiligt und geraden Blicks die Szene passiert, als ginge ihn das alles gar nichts an? Und wer ist die Frau mit den verschränkten Armen? Eine dicke Tunte? Oder Lieschen Müller, die einfach auf der Wiese stand?
Dieses Bild, so zufällig es entstanden sein mag, ist typisch für die Herangehensweise von Chris Lambertsen an das Thema CSD: Er hat seine Fotos nie inszeniert, sondern einfach das eingefangen, was sich ihm darbot. Selten schaut jemand bewusst in die Kamera, gleich gar nicht, um zu posieren - und dem Motiv damit seine Lebendigkeit zu nehmen. Das Nicht-Inszenierte schafft den Raum, den der Betrachter braucht, um sich selbst in Bezug zu der gezeigten Szenerie zu setzen und nicht bloß die Selbstinszenierung anderer zu betrachten. So werden Geschichten, so wird Geschichte lebendig.
In der Gesamtschau, die das Buch und auch diese Ausstellung im Rückblick auf drei Jahrzehnte liefern, zeigt sich der politische und gesellschaftliche Fortschritt wie nebenbei. Wenige Seiten vor dem erwähnten Foto aus dem Schanzenpark ist im Bildband eine Aufnahme zu sehen, die 25 Jahre später, also 2005, in der Kirchenallee entstand. Sie zeigt einen Polizisten in Motorradkluft im Gespräch mit einem SM-Paar (S. 66+67):
Eine Frau führt einen Mann an einem Hundehalsband durch die Stadt, dessen Gesicht unter einer Hundemaske aus braunem Leder verborgen ist - mit Schlappohren und heraushängender Zunge. Es ist eine vollkommen entspannte Situation, der Polizist strahlt im Gespräch mit den Sadomasochisten über das ganze Gesicht. Auch dieses Foto ist quasi im Vorbeigehen entstanden - und man möchte sich sofort beim Betrachten ausmalen, wie diese Konversation wohl verlaufen sein mag und was der Polizeibeamte nach Dienstschluss daheim erzählt hat. Im Hintergrund, genau zwischen dem Paar und dem Polizisten, ist auf einem Transparent das damalige CSD-Motto zu lesen: "Get in touch!"
Lesens- und sehenswert und nicht nur für Hamburger Homo-Haushalte eine absolute Bereicherung.
Hinnerk
Interessant bis witzig, berührend komisch und auf jeden fall schon Zeitgeschichte.'
XTRA
Ein kompakter, lustvoller Fotoband.
Pride
Ein toller Bildband.
Lambda

© Männerschwarm - 1999 - 2012 -Lange Reihe 102 - 20099 Hamburg
Kontakt/Webmaster: Detlef Grumbach
|