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Larry Ebmeier

Spätsommer

Roman

Taschenbuch

304 Seiten,
14,00 EUR (D)

ISBN: 978-3-86300-034-9


lieferbar

Ebook im Epub-Format und als Kindle:
EUR 11,99

Pressestimmen

Der Autor

Leseprobe

 


Buch portofrei oder als Ebook bestellen bei www.gaybooks.de

Achterbahn der Gefühle

Corey ist ein Verlierertyp, ein verklemmter Pechvogel, dem nichts so richtig gelingt und der stets im Schatten steht. Er will nur irgendwie durchkommen, ohne anzuecken, arbeitet an seiner heterosexuellen Fassade, und wenn's brenzlig wird, schaltet er auf "Autopilot". So stolpert er von einer Katastrophe in die nächste, erklärt dem Leser dabei aber immer wieder, wie fantastisch er gerade noch einmal die Kurve gekriegt hat. An seine Grenze stößt Corey, als plötzlich seine heimliche Jugendliebe Scott vor ihm steht. Das große Glück ist mit Händen zu greifen, was soll er nur tun? Mit viel Sympathie zeichnet Ebmeier seinen Helden und lässt den Leser auf anrührende Weise an dessen skurrilen Verrenkungen teil haben. Am Ende dieser auf regenden Achterbahn fahrt gönnt er ihm fast ein Happy End.

Langtext:

Als der Roman 1987 zum ersten mal veröffentlicht wurde, wurde er vor allem als Aids-Roman wahrgenommen. Corey und Scott. zwei unzertrennliche Schulfreunde, verlieren sich aus den Augen. Beide sind schwul - wissen aber nichts voneinander. Das bleibt zunächst auch so, als sie sich in Chicago wieder begegnen und ihre Freundschaft erneuern. Bis Scott in Coreys Theatergruppe einsteigt und dort einen Schwulen spielt. Im Anschluss daran legt er sein Coming-out hin. Statt sich zu freuen, ist Corey jetzt geschockt - denn Scott begibt sich in die Schwulenszene und hält Corey nach wie vor für hetero. Und ein Coming-out ist für Corey völlig undenkbar.

Irgendwann kommen sie dann doch zusammen. Da hat Sctt aber schon Aids - damals noch eine relativ schnell tödlich ausgehende Krankheit. Die beiden heiraten schließlich im Krankenhaus, bald darauf stirbt Scott.

Und doch ein Roman fast mit einem Happy End? Der Aids-Schock, der damals tief saß, rückt in der Wahrnehmung heute etwas beiseite. Im Vordergund steht heute die wahnsinnige Komik, die Verrenkungen, die Ebmeier seinem Helden Corey zumutet, die slapstickartigen Szenen, vor allem aber etwas Weiteres: die unendliche Kraft und der Mut, die Corey im Umgang mit der Krankheit entwickelt. Erst pflegt er Scott und erfindet immer neue Krankheiten, um dessen Zustand zu erklären. Aids war Tabu. Doch mehr von außen geschubst als von innen heraus ändert sich das - und Corey meistert die Situation, gibt Scott alles, was er ihm nur geben kann. Auch Öffentlichkeit. Ihre Trauung im Krankenhaus wird sogar im Fernsehen übertragen - sie wird zur Demonstration gegen das Verschweigen der Krankheit und die Diskriminierung der Opfer.

Und noch ein kleines Happy End: Als Scott gestorben ist, ist Corey nicht allein. Eine neue, ehrliche und tiefe Freundschaft bahnt sich an - aus der sich vielleicht sogar Liebe entwickelt.


Axel Schock rezensierte den Roman 1998 in "Queer". Hier einige Auszüge:

"Wie dieser verklemmte Corey durchs Leben stolpert, immer am so greifbar nahen Glück vorbei, hat etwas zu Herzen gehend Komisches. Daß ihn am Morgen nach seinem spektakulären Coming-out via Fernsehen ihn keineswegs die Kündigung in die Hand gedrückt wird, sondern die Arbeitskollegen ihm Applaus spendieren - wir Leser haben das natürlich geahnt. Aber trotzdem verdrückt man bei dieser Szene eine kleine Träne der Rührung. Wenn Corey nach einem halben Leben des Verzichts endlich seine große Liebe in Armen hält, hat das etwas von Hollywood und einer sehr filmischen, letztlich sehr konstruierten Dramatik. Aber es muß schon ein ziemlich unromantischer Eisklotz sein, dessen Herz da nicht deutlich schneller und höher mitschlägt. ...

Larry P. Ebmeier verknüpft eine ganze Reihe klassischer Motive schwuler Romane: Von der berühmten Frage Wie sag ich's meinen Eltern? bis zur romantischen Liebesszene und der Aidsproblematik. Daß sein Roman (im Original immerhin bereits 1987 erscheinen, damals noch unter seinem Pseudonym Clayton R. Graham) gerade in diesem Punkt nicht schon überholt wirkt, wie es einigen der sogenannten Aidsromane inzwischen ergangen ist, liegt zum einen an seiner sehr gefühlvollen Art, mit der er das Miteinander dieser beiden Männer beschreibt. Zum anderen aber ist die Krankheitsgeschichte Scotts so sicher in das Hauptmotiv des Romans, die Lasten und Listen des heimlichen Doppellebens, verwoben, daß diese Konflikte keineswegs ein Gähnen bei uns Lesern verursachen. Die HIV-Erkrankung verstärkt in den Figuren vielmehr noch einmal das Problem des späten Coming-outs und spiegelt es in neuen Facetten. Womit wir beim wirklich bemerkenswerten dieses Romans wären: Ebmeiers endringliches Porträt eines Mannes, der lieber sein Leben verschenkt, als den Mut zum selbstbewußten Schwulsein zu haben. Man mag diesem Corey nicht nur einmal so ordentlich in den Hintern treten und fast schon verzweifelt wie fassungslos in die Handlung eingreifen. Eh' man sich eben versieht, macht uns Ebmeier einfach mitfühlend. Im wahrsten Sinne des Wortes. Ein schöner Roman. Und am Ende hatte ich sogar tatsächlich feuchte Augen."


Der Autor

Larry P. Ebmeierwurde 1950 in Nebraska geboren. „Spätsommer" (Originaltitel: „Tweeds") ist sein dritter Roman. Die amerikanische Kritik würdigte „Spätsommer" als einen der besten Aidsromane des Jahres, als „ansprechende Mischung aus romantischer Komödie und Aidstragödie." Larry Ebmeier verdiente seinen Lebensunterhalt als Apotheker in einem Krankenhaus in Nebraska. Er starb am 6. Oktober 2011 an den Folgen eines Fahrradunfalls.


Pressestimmen

Verwirrungen überall und eine liebevoll erzählte Geschichte.
Mario Reinthaler in Xtra


Leseprobe

Ich bin überhaupt kein Freund von schnellen Entscheidungen. Nachdem ich vor langer Zeit die Tücken spontaner Entschlüsse kennen gelernt habe, bin ich dazu übergegangen, alle größeren Unternehmungen in meinem Leben auf Umwegen zu planen. Das bedeutet, sie werden, Schritt für Schritt, zunächst sorgfältig abgewogen, gewinnen dann an Tragweite und Bedeutung, bis sie sich schließlich ineinander fügen und eine nicht mehr zu bremsende Eigendynamik entwickeln. Ich stelle mir gerne vor, dass mein Leben nach den Prinzipien der Bundesgesetzgebung verläuft: Man schreitet langsam und gewissenhaft voran, wobei man sich, unter einer Reihe von Zugeständnissen, bemühen muss, allen Interessengruppen gerecht zu werden, bis man schließlich die Stimmenmehrheit im Parlament erlangt, um am Ende nur haarscharf einem präsidialen Veto oder dem Urteil der Verfassungswidrigkeit durch den obersten Gerichtshof zu entkommen. Auf diese Weise verfahre ich bei meiner Urlaubsplanung, bei der Berufswahl bin ich nach diesem Muster vorgegangen, mein Haus habe ich so gekauft und sogar meinen Rover. Und selbst die wenigen flüchtigen Freundschaften, die ich hatte, waren auf diese Weise zu Stande gekommen.

Als ich in der zweiten Klasse in Scott Sommerfeld einen gewinnversprechenden neuen Kumpel entdeckt hatte und ihn daraufhin mit Beschlag belegte, war ich bloß ein aufbrausender, fetter und einsamer kleiner Junge gewesen, der zu manchmal geistreichen und manchmal recht garstigen Ausbrüchen neigte und der sich dabei oftmals ziemlich jämmerlich gebärdete. Damals hatte ich mich nicht immer unter Kontrolle. Erst als Erwachsener lernte ich, mich in bestimmten Situationen innerlich zu distanzieren und die Position eines objektiven Beobachters einzunehmen, wodurch ich unbeteiligt zusehen konnte, wie die Ereignisse langsam ihren Lauf nahmen, ohne zu problematischen Ergebnissen zu führen. Ich hatte mich selbst unter Kontrolle, und, noch viel wichtiger, ich hinterließ nur noch sehr selten einen jämmerlichen Eindruck.

Verständlicherweise regte ich mich daher auch besonders auf, als ich am nächsten Tag über meinen voreiligen Entschluss nachdachte, mich gemeinsam mit Scott auf einen so törichten und unnötig gefährlichen Sport wie Windsurfen einzulassen. Der einzige Erfolg, den ich mit ziemlicher Sicherheit dabei verbuchen würde, war ohne Zweifel der, mich sowohl zu verletzen als auch einen jämmerlichen Eindruck zu hinterlassen.

Am Freitag wurde ich bei der Arbeit derart von meinen dunklen Vorahnungen überwältigt, dass ich versehentlich einen Bericht der Finanzbehörde Illinois über Betrug, Verschwendung und den Missbrauch von Geldern in Altenheimen an eines der Chicagoer Morddezernate schickte. An und für sich wäre das nicht so tragisch gewesen, wenn die Polizei nicht daraufhin bei der Finanzbehörde angerufen hätte, um sich zu erkundigen, wer denn nun in welchem Altenheim verhaftet werden sollte. Die ganze Sache war mir außerordentlich unangenehm.

Aber so war das eben mit Scott und mir. Obwohl ich damit rechnen musste, schwere seelische wie auch körperliche Blessuren davonzutragen, hatte ich keine Sekunde daran gedacht, ihm abzusagen, denn in Wahrheit hätte ich fast alles ertragen, nur um in seiner Nähe sein zu können. Irgendwie erscheint es mir heute, als habe er das gewusst. Ich kann nicht sagen, warum, aber ich bin fest davon überzeugt, dass er es wusste.

Als er am Samstag vorbeikam, um mich abzuholen, war ich bass erstaunt, Jan Pernicek-Williams in seinem Schlepptau vorzufinden. Wahrscheinlich bin ich einfach ein unverbesserlicher Optimist.

In ihrem hellrosa Tennisdress, das ihre Bräune hervorhob, rauschte sie sofort in mein Haus herein und begann, die kleine Eingangshalle zu inspizieren, wobei sie auf einzelne Details wie die bleiverglasten Fenster, die Eichenholztäfelung und den mosaikgekachelten Fußboden zeigte und atemlos ausrief: "Corr-reyyy! O Coorrrr-ey! Das ist ja wunnnndervoll! Einfach hinreißend! Mein Gott, ist das etwa alles deins?"

Ich nickte. "Nur das Obergeschoss habe ich untervermietet."

Ihr Gesicht wurde von einem überdimensionalen Lächeln überzogen, wodurch ihre Augen sich zu Schlitzen verengten. Unverblümt stieß sie hervor: "Du musst ja richtig wohlhabend sein!"

Sie bestand darauf, dass ich sie durch das gesamte Haus führte, wobei sie durch ihre beständigen "Ohhs" und "Ahhs" laut ihr Erstaunen bekundete. Der Salon, der, wie alle Salons, wirklich außergewöhnlich hübsch ist, hatte es ihr besonders angetan. Sie nannte ihn Wohnzimmer, doch ist das nicht die korrekte Bezeichnung, denn als das Haus um 1880 gebaut wurde, nannte man es Salon. Er ist mit Antiquitäten eingerichtet, unter anderem mit einem gemusterten handgewebten Mohawkteppich von meiner Großmutter, einer Seth-Thomas-Kaminuhr von Onkel Ed und zwei Lampen von Tante Irmis. Wenn ich es recht bedenke, haben meine Vorfahren einiges dazu beigetragen, meinen Salon zu verschönern.

"Oh, Corey", rief Scott dazwischen, der gerade das Westfenster bewunderte, das kunstvoll aus achteckigem Buntglas zusammengesetzt ist, das im Sonnenlicht in allen Regenbogenfarben erstrahlt. "Das ist einfach super! So alt und ehrwürdig."

"Ja, danke sehr, Scott."

"Aber ich fürchte, es ist prä-déco", seufzte Jan bedauernd, wobei sie die Hände in die Hüften stemmte und in den Kamin stierte.

"Ich habe gelernt, damit fertigzuwerden, Janice", erwiderte ich mit demselben Bedauern.

Wir nahmen Jans gelben Celica und fuhren, mit Scotts rotem Surfbrett auf dem Dachgepäckträger, Richtung Süden zum Grant Park. Ich musste mir die Rückbank mit dem riesigen Irischen Wolfshund teilen, den ich bei Hands Across the Sea gesehen hatte. Er beobachtete mich wie einen Einbrecher.

"Er heißt Dag", rief Scott mir lächelnd über die Schulter zu.

"Dag?"

"Benannt nach Dag Hammarskjöld, dem bekannten UN-Generalsekretär."

"Danke sehr. Ja, natürlich. Wie einfallsreich, Scott."

Als wir am Strand angekommen waren und alles ausgeladen hatten, entdeckte ich zu meiner Freude, dass Janice sich nicht an unseren nachmittäglichen Bemühungen beteiligen wollte. "Ich setze mich hier in die Sonne und gucke zu, wie ihr beide euch lächerlich macht. Ich finde, drei sind einer zu viel, wo Scott doch jetzt dich zu seiner Unterstützung hat. Da bin ich nur im Weg."

Ich hielt ihre Überlegungen für durchaus vernünftig. Scotts Surfbrett war von Porsche und hieß Porsche Design Surfbrett. Vermutlich handelte es sich um das teuerste und beste Surfbrett, das man überhaupt kaufen konnte. Das Brett war rot lackiert mit schwarzer Zierleiste und schwarzen Streifen. Das rote Segel hatte an der Spitze ein aufgedrucktes schwarzes Surfbrettemblem, in der Mitte große schwarze Ziffern und im unteren Teil waren zwei große Plastikfenster eingenäht, die beim Segeln bessere Sicht gewährleisteten. "Was ist, wenn ich gegen einen Felsen fahre und das Brett sinkt? Wieviel schulde ich dir dann? Janice glaubt, ich bin ein wohlhabender Mann, aber abgesehen von meinem Haus bin ich nicht gerade reich, Scott."

"Es kann gar nicht sinken, Cor", erwiderte er lachend. "Es besteht aus aufgeschäumtem, schlagfestem Polyäthylen. Okay, nimm das Segel jetzt unten mit der Luvseite."

"Danke sehr, mit der was?"

"Mit der Luvseite, der Vorderseite des Segels. Die Luvseite und die Leeseite kann man an der Manschette unterscheiden. So kommt der Mast hinein, siehst du?"

"Ach." Ich nahm das eine Ende des Segels und untersuchte es besorgt. Sehen Sie, Scott wusste genau, wo alles hingehörte - was auch in Ordnung war -, aber er bestand darauf, alle Einzelteile mit ihren offiziellen nautischen Bezeichnungen zu benennen, wie zum Beispiel: Gabelbaum, Mastfuß, Kielhacke, Startschott, Vorliek, Unterliek, Achternliek. Es war einfach widerwärtig und machte mich überaus ärgerlich.

"Gut, Corey, mach jetzt einen Kreuzknoten und zurr das Segel fest."

"Warum musst du zurren dazu sagen? Warum kannst du nicht, wie jeder normale Mensch, einfach stramm ziehen sagen, Scott?"

"Hä?", grinste er.

"Außerdem habe ich nicht die leiseste Ahnung von Knoten. Kreuzknoten. Was ist das?"

"Sieh her", rief er lachend, "ich zeige es dir."

Er hantierte geschickt mit dem Seil und machte zügig einen festen Knoten, während ich, die Hände in die Hüften gestemmt, auf ihn hinuntersah und vor mich hin grübelte. Anscheinend wusste er alles über diesen Sport und ich überhaupt nichts. Der Nachmittag würde zum Fiasko werden, mit mir als Witzfigur. "Knoten, Knoten, Knoten, nichts als Knoten", murmelte ich in mich hinein. "Wenn ich jemals einen Vorsprung beim Knotenmachen gehabt habe, dann war er spätestens dahin, als Scott zu den Pfadfindern ging. Ich hasse Knoten."

Jan bemerkte meinen Ärger und kicherte mir zu, während sie Dag streichelte, der neben ihr ausgestreckt auf dem Badetuch lag. Aus ihrem tragbaren Radio tönte eine heiße Jazznummer. Durch ihr Jazzhören - schon am Nachmittag - machte Jan einen genauso anspruchsvollen und überlegenen Eindruck auf mich wie Scott.

"Nimm jetzt das Schwert, Cor", sagte Scott, nachdem er das Segel befestigt hatte.

"Verdammt noch mal, ich weiß nicht, was für ein Schwert du meinst!", schrie ich ihn plötzlich an und fuchtelte aufgebracht mit den Armen in der Luft herum. "Wenn du darauf bestehst, mir dieses Seefahrervokabular an den Kopf zu werfen, bringt uns das bestimmt nicht weiter." Ich begann, im Sand herumzustochern, und gab vor, danach zu suchen. "Schwert, Schwert! Hat das was mit Schwertfisch zu tun?"

Scott sah Jan an, und die beiden prusteten los. Scott musste sich sogar vor Lachen in den Sand setzen. Wütend warf ich ihm einen finsteren Blick zu, doch als ich ihn so ansah, mit seiner tiefbraunen Haut, die unter seinem strahlend strohblonden Haar glänzte, mit seiner weißen Speedo-Badehose und den weißen Segelschuhen, löste sich mein Ärger in Luft auf. An seinen Schenkeln klebten hier und da winzige Sandkörner, die in der Sonne funkelten wie Diamanten. Egal, was für Peinlichkeiten und Demütigungen ich fortan auch ertragen musste, dieser eine Blick auf ihn, wie er so im Sand saß und sich über mich amüsierte, war sie wert. Auf einmal wünschte ich mir, ich hätte mich besser angezogen. Ich trug lediglich ein paar abgeschnittene Hosen und ein altes graues T-Shirt, dessen gewinnendstes Merkmal ein rundes Grinnell-College-Wappen war, auf dem in lateinischer Sprache Grinnell, Iowa stand. Wussten Sie, dass Iowa auf Latein "Iowanese" heißt? Ich finde, dass klingt ziemlich nach Askese.

Wir paddelten gemeinsam auf dem fertig zusammengebauten Gerät aufs Wasser hinaus, bis wir ein paar hundert Meter vom Ufer entfernt waren. Als wir dort auf den kleinen Wellen auf- und niedergingen, grinste Scott mir zu, als wollte er sagen: "Jetzt habe ich dich endlich da, wo ich dich immer haben wollte, Corey Reese." Ich machte mir nichts daraus, denn es gefiel mir, derart von ihm angegrinst zu werden. Einen Augenblick lang gab ich mich der Illusion hin, er tue das, weil er mich attraktiv fand. Ich weiß, das hört sich lächerlich an, aber ich bin eben nur ein Mensch, der gern Luftschlösser baut. Schließlich sagte Scott: "Kaum Wind, wahrscheinlich nur Windstärke zwei oder drei. Dafür auflandig, wir müssen also aufpassen, dass wir nicht stranden. Was meinst du?"

"Ich denke, ich würde zwölf Meter Luxusausstattung und sechzehn Zylinder Motorkraft bevorzugen."

Er lachte. "Mach dich nicht über mich lustig, Mistkerl. Du schwimmst wie ein Fisch im Wasser, bist du damals schon, als du noch ein pummeliger kleiner Bengel warst. Fette Kinder mögen das Wasser. Das hat mein Dad früher immer gesagt."

"Ich bin aber nicht mehr fett, Scott."

"Ich weiß." Er grinste einen Moment lang und fragte dann: "Also, wer ist der Erste?"

"Das ist eine lächerliche Frage. Du weißt, wie man damit umgeht. Das mindeste, was ich erwarte, ist eine Vorführung."

"Ich hab dir doch gesagt, Corey, ich bin zum allerersten Mal mit dem Ding im Wasser!"

"Red keinen Unsinn! Willst du etwa behaupten, du hast nicht einmal einen Einführungskurs bekommen, als du dein Porsche-Brett gekauft hast?"

"Also, direkt gekauft hab ich es eigentlich nicht, Cor. Ich habe es von einem Typen aus Kalifornien, der die neuen Radkränze an seinem VW nicht bezahlen konnte."

"Was? Willst du damit sagen, du hast nicht die leiseste Ahnung, wie dieses Ding funktioniert, obwohl du all die Fachbezeichnungen der verschiedenen Einzelteile kennst, den Degen eingeschlossen?"

"Schwert. Na ja, ich hab halt ein bisschen darüber gelesen. Es war ein Handbuch dabei."

"Umso besser. Wenn du das Handbuch gelesen hast, dann wirst du sicherlich wissen, was zu tun ist. Also rauf aufs Brett mit dir, und zeig mir, wie es geht."

"Also gut." Sein Blick streifte über das Surfbrett und das Segel, das zur Seite gekippt auf dem Wasser lag. "Ich glaube, das ist nicht so ganz einfach."

Seine Worte erwiesen sich als Prophezeiung. Nahezu eine halbe Stunde bemühte er sich vergeblich, auf das Brett zu gelangen und zu surfen. Nachdem er das Gleichgewicht auf dem Brett gefunden hatte, war er offensichtlich damit überfordert, das Segel hochzuziehen und es in die richtige Position zu bringen, um den Wind nutzen und die Fahrtrichtung stabilisieren zu können. "Ich hätte doch lieber erst an Land mit einem Surfsimulator üben sollen", gestand er schließlich. Jan lachte uns aus, als wir wieder in flacheres Wasser gingen, damit ich Boden unter den Füßen hatte und so das Brett festhalten konnte, während Scott hinaufkletterte. Leider war das Ergebnis das gleiche. Als Jan ihn vom Ufer aus aufzog, begann mich sein Missgeschick allmählich zu amüsieren. "Du dumme Pute", schrie er zurück. "Wer nicht bereit ist, nass zu werden, lernt auch nichts!"

"Das ist doch absurd, Scott", erwiderte ich trocken, während ich zusah, wie er ungefähr zum sechzigsten Mal versuchte, das Rick zu stabilisieren und loszusegeln. "Ich bin jetzt seit einer halben Stunde nass und habe überhaupt nichts gelernt, außer dass das hier eine äußerst unzureichende Methode ist, sich auf dem Wasser fortzubewegen." Plötzlich wurde das Segel von einem Windstoß erfasst, woraufhin er kopfüber in Wasser fiel. "Okay", prustete er, als er wieder an die Oberfläche kam, wobei sein strohblondes Haar wie angeklatscht an seinem Kopf klebte und aussah wie ein alter zerfledderter Lumpen. "Du bist an der Reihe, Mistkerl."

"Unsinn! Wenn du es schon nicht schaffst, wie soll es mir dann gelingen?"

"Rauf aufs Brett, Mistkerl!" Er lachte, während er mir unter Wasser in die Rippen boxte.

Ich warf ihm einen entsetzten Blick zu, der über meine eigentliche Begeisterung hinwegtäuschte, und nickte dann lächelnd. "Also gut, wenn du darauf bestehst." Nach mehreren ungeschickten Versuchen stand ich schließlich richtig auf dem Brett und hatte das Segel in Position, doch dann geschah etwas überaus Bemerkenswertes. Ich erwischte einen Windstoß und beugte mich instinktiv genau in dem Augenblick nach hinten, als das Brett aus dem Wasser nach vorne schoss. Einmal so unterwegs, war es ziemlich einfach, das Gleichgewicht zu halten.

Hinter mir hörte ich Scott johlen, sodass ich ihm kurz zuwinkte, und dann genoss ich enstpannt meine Fahrt. Es mochte nicht viel länger als dreißig oder vierzig Sekunden gedauert haben, bis die Fahrt schmachvoll endete, indem ich den Grund streifte und durch die Erschütterung vornüber vom Brett fiel. Doch Scott watete im Flachen auf mich zu, und Janice applaudierte wild vom Strand her, und bei dem Theater, das alle beide veranstalteten, konnte man meinen, ich hätte den olympischen Zehnkampf gewonnen. "Du musst dich einfach richtig in den Wind lehnen, Scott", sagte ich ruhig, sobald er mich erreicht hatte. "Und wenn du erst einmal anfängst zu gleiten, ist es wirklich eine relativ sichere Angelegenheit."

"Mistkerl!", schrie er lachend und schlang seine Arme um mich. "Du hast es geschafft! Großartig! Was für ein Mistkerl!" Diese Umarmung war für mich die denkwürdigste Belohnung, die man sich vorstellen kann.

Kurz darauf nahm Scott die Sache erneut in Angriff und hatte einige gute Versuche. Wir bewegten uns weiter hinaus ins tiefere Wasser, und Scott erklärte mir die Grundregeln des Halsens und Wendens. Gemeinsam gelangen uns einige gute Wendemanöver, und mir glückte eine besonders schöne Fahrt in Richtung Strand, wo ich tatsächlich wenden konnte und wieder hinaussegelte. Er nannte das "fantastisch".

Ich glaube, dieser Nachmittag war einer der ersten wirklich verzauberten Nachmittage seit meiner Kindheit, die schließlich, da sie von Natur aus durch ein elementares Nichtbegreifen gekennzeichnet ist, immer von Zauber erfüllt ist. Es ist nicht übertrieben, wenn ich behaupte, dass Scott mir an diesem Nachmittag eine gehörige Portion Zauberkraft einflöste; ich begriff, dass ich in der Lage war, gemeinsam mit ihm Sport zu treiben und dabei in Siegesrausch gelangen konnte, anstatt mich zu schämen oder mich gedemütigt zu fühlen. Das Gefühl, mich einer Herausforderung zu stellen und siegreich mit einem Freund oder einem Waffenbruder daraus hervorzugehen, war mir, so wie eine ganze Reihe menschlicher Regungen, bisher völlig fremd gewesen. Das war der Zauber, mit dem Scott mich erfüllte, auch wenn es ein sehr simpler Zauber war.

Als wir in die Stadt zurückfuhren, lächelte er fast wehmütig und sagte: "Du sahst verdammt großartig aus auf dem Surfbrett."

"Du auch, Scott", wollte ich antworten, "großartiger als alle Menschen, die ich jemals gesehen habe. Ich danke dir, dass du mein Leben mit einem solchen Zauber erfüllt hast." Dann hätte ich ihm am liebsten von hinten die Arme um die Schultern gelegt und ihn seitlich auf den Nacken geküsst.

Natürlich tat ich nichts von alledem. Ich stellte es mir lediglich vor. Trotz allem durfte dieser schöne junge Mann, der jetzt den Toyota fuhr, auf keinen Fall erfahren, wie wundervoll dieser Nachmittag gewesen war. Also streichelte ich dem Hund, der neben meinem rechten Bein lag, die Schnauze und lächelte hinaus auf den dunstigen Michigansee, der, hinter rasch vorbeirauschenden Bäumen und vor den weit zurückliegenden, sich langsamer bewegenden Hochhäusern, mein Lächeln warm und freundlich zu erwidern schien.

 
 


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