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Thomas Weins

total perfekt alles

Roman

ISBN 3-935596-75-8
gebunden, 288 S.,
€ (D) 18,00

Pressestimmen

Leseprobe

 


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Leben am Rand

Weins entführt uns in die nonkonforme Welt der Bauwagenszene, deren Helden ihre rabiaten Existenznöte mit Drogen und Musik und Sex bekämpfen. Mit Lakonie und oft auch mit leisem Humor beschreibt er die Träume und Tatsachen dieser Einzelkämpfer, die auf ihre Weise versuchen, in der Großstadtwildnis zu überleben. "total perfekt alles" ist nicht nur ein spannender Bericht über Großstadt-Außenseiter und ihre Welt, sondern gleichzeitig auch eine anrührende Liebesgeschichte. Kaum auszuhalten ist die geradezu schmerzhafte Genauigkeit, mit der Thomas Weins Krankheit und Sterben seines Freundes Klaus schildert:

"Diese Sprache ist kraftvoll und direkt, jeder Satz entsteht aus innerer Notwendigkeit und trifft den Leser mitten ins Herz. Schon lange hat mich kein Roman mehr so erschüttert und berührt wie dieses Buch von Thomas Weins."
Mario Wirz über "total perfekt alles"

Pressestimmen

Thomas Weins hat ein eindringliches Buch über eine Freundschaft zum Tode geschrieben, das nicht in der Nische der Schwulen-, Aids-, Aussteiger- oder sonstiger Betroffenheitsliteratur untergehen sollte. "Betroffenheit" ist zwar längst zu einem Schimpfwort geworden und löst Fluchtreflexe aus. Hier aber kann man entdecken, was ein authentischer, unsentimentaler Sozial-Report zu leisten vermag, der seine Betroffenheit nicht verleugnet.
Jörg Magenau im DLF-Büchermarkt vom 24. Januar 2006

Thomas Weins hat mit einer intensiven Sprache einen packenden Großstadtroman geschrieben, der seine Leser an einem Leben teilhaben lässt, das die meisten wohl gerade mal vom Hörensagen kennen.
Rolf G. Klaiber in RIK 12/2005

 

Eine herausragende schwule Geschichte über Liebe, Freundschaft und Loslassenkönnen.
Die Besten Herbst 2005

... berührende Lektüre.
Kontakt 216/ Feb/März 2006

Ein kraftvoller Romanerstling. Authentisch.
Mario Reinthaler in XTRA 3/2006

Ergreifend wird der Roman erst, als Martin sich verliebt und zugleich einen aidskranken Freund im Krankenhaus betreut.
Du & Ich 10/2005

Ein amüsantes und doch eher ernstes Lesevergnügen, ein Muss für den Bücherherbst.
Frank Bonners in hivlife.de

Das ist mutig und wahrhaftig und geht unter die Haut.
Michael Sollorz in Hinnerk 9/2005

Zwischen Leidenschaft und Lethargie
Jens Brodzinski in Männer aktuell 8/2005

Zu deutlich schmälern literarische Defizite zunächst den Lesefluss.
Siegfried Straßner in NSP 11/2005

Der Ausflug in das schwul-alternative Berlin der 90er jahre ist auf jeden fall eine Reise wert.
Ansgar Drücker in Lespress


Leseprobe

In der Mitte, um die sich die beräderten Hütten gruppierten, sah Martin zwei Leute sitzen. Ein Feuer brannte. Er ging zu ihnen hin, es waren Britta und Ulli.

Sie saßen auf je einem der Holzblöcke. Martin blieb eine Weile am Feuer stehen und schaute in das farbige Züngeln der Flammen; dann setzte auch er sich und schaute zu den beiden.

Britta wollte wissen, wer da eben über den Platz gelaufen war, und "Kam der von dir oder Achim?"

"Von beiden", gab Martin zur Antwort, "und wohnt auf der East-Side."

Es gab keine weiteren Fragen oder ironische Bemerkungen. Drüben auf dem Schwarzen Kanal war das differenzierter; Klaus, ein Freund von Martin, wohnte dort und hatte sich auf einem Plenum anhören müssen, es liefen szenefremde Männer im Ecstasytran über den Platz, und dann noch jeden Morgen ein anderer! Damit waren die Techno-Boys gemeint, mit denen Klaus eine permanente Love-Parade feierte. Stattdessen sprachen Britta und Ulli weiter über Vorbereitungen für einen Aktionstag im Sommer.

Es sollte deutschlandweit aufgerufen, eine Demo organisiert werden und ein Straßenfest stattfinden. Auf den Plätzen war ein Tag der offenen Tür geplant, mit Wandzeitungen zur aktuellen Situation, und buntem Programm, wie Britta frotzelte.

"Als ob wir irgendwelche Anwohner von unserer Lebensweise überzeugen würden. Da kommt garantiert kein Einziger, übrigens steht sowieso kein Mietshaus im ganzen Umkreis."

"Das soll ja nicht nur für die Bürgers sein, sondern in die Szene hinein mobilisieren. Ein richtig guter Acid-Rave wär angesagt, wir könnten drei Tage und Nächte Dauerparty machen und hätten den Platz garantiert voller Leute, denk an letztes Jahr, das war total ausgeflippt", plauderte Ulli.

Martin legte die Hände auf die Knie und stützte das Kinn darauf, so schaute er der knackenden Glut zu. Hier sprang ein Funke, leckte eine Flamme blau oder gelb, sprühte grünlich unter einer Borke heraus, ein Ast brach weiß glühend, und rote Plättchen sprangen davon ab, die Hitze strich, in schwarzen Schlieren Muster malend, über das orange grillende Holz.

So saßen sie, er wusste nicht zu sagen, wie lange, als das Tor rasselte.





Der Eingang, besser, die Einfahrt zum Platz wurde durch ein Rolltor gebildet, dessen einer Flügel beim Öffnen ein metallisches Klappern erzeugte.

Alle drei wendeten ihre Blicke zu dem gelben Tor, das eigentlich ein Element des Bauzauns war, der den Platz zur Straße und zum Fußgängerstreifen hin abgrenzte.

Die Person schloss das Tor mit dem gleichen Geräusch, schaute zu ihnen hin, winkte und kam über den sandigen Weg, um den Grasplatz, das Biotop herum, ans Feuer. Martin sah, es war Daniel, den er von gemeinsamen Kneipenabenden kannte.

"Hallo!", grüßte Daniel, als er bei ihnen stand, und schaute zu Martin.

"Hey", erwiderte der, "machst du 'nen Spaziergang?"

"So was Ähnliches", sagte Daniel, "ich will Klaus besuchen."

Er sagte das mit einem sonderbaren Tonfall, fand Martin.

"Komisch, vorhin hab ich noch an ihn gedacht. Hab ihn zwei, drei Tage nicht gesehn. Frag mal bei Susanne nach, die wohnt ja neben ihm", sagte er.

"Ich weiß", entgegnete Daniel, "ich mein, er ist nicht drüben, ehm, ich wollte dich fragen, ob du nicht mitkommen willst ... er liegt nämlich seit drei Tagen im Krankenhaus. Ab heute kann er wieder besucht werden."

"Wie ist das denn passiert?", fragte Martin betroffen.

"Ging fast über Nacht", erzählte Daniel, "war richtig unheimlich ... Von ich glaub Dienstag, also der Tag davor ... Wir waren noch unterwegs vom Wochenende, das fing an mit einem Husten, aber der wurde immer schlimmer. Wir mussten aus der Sauna raus und sind in meine Wohnung, da zitterte er wie von Schüttelfrost und hatte gleichzeitig Fieber. Er hat fast keine Luft mehr gekriegt, wir mussten den Notarzt rufen ... Pneumozystis ..."

Das war ein Schlüsselwort. Martin wusste, Klaus hatte Aids.

Ihn überfiel leichte Panik in Form einer Hitzewallung.

"Er ist in der AVK", sagte Daniel.

Das war die Klinik mit der Sonderstation, Martin hatte Klaus dort im Herbst schon einmal besucht. Aber seitdem schien er wieder gesund zu sein. Martin blickte erneut in das Feuer. Dann stand er auf und sagte zu Daniel, "Lass uns mal an die Spree gehn. Ich hab meinen Tabak im Wagen."

 
 


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