Proust und Porno

Ein Rückblick in die glorreiche Zeit alternativer Buchläden am Beispiel des Männerschwarm

Sprache: Deutsch

Erscheinungsdatum: September 2026

ISBN 978-3-86300-412-5

22,00 €

Proust und Porno

„Mach dein Schwulsein öffentlich“ – unter dieser Maxime wird Anfang der Achtzigerjahre in Hamburg der Buchladen Männerschwarm gegründet. Als Kollektiv mit dem Ziel, jedes lieferbare „schwule Buch“ zu erfassen und der Kundschaft zugänglich zu machen, entwickelt sich das Projekt zur Drehscheibe queerer Zeitgeschichte. Das Sortiment: divers von Proust bis Porno. Das Motto: „Was nicht verboten ist, ist er laubt“. Immer mittendrin: Joachim Bartholomae alias Johanna von den Schlachthöfen. Im täglichen Wahnsinn zwischen schwuler Repräsentanz und Literaturvermittlung arbeitet der Soziologe sich hoch – von der Aushilfe, zum Geschäftsführer, zur „Verlegerinmutter“. Denn als der Buchladen mit Ralf Königs Bullenklöten einen publizistischen Supercoup landet, gilt es neben
dem Hauptgeschäft zusätzlich einen Verlag zu stemmen. Ein turbulentes Unterfangen, das eine ganze Ära und eine eigene Literatursparte prägen wird.

Joachim Bartholomae erzählt die Geschichte von Männerschwarm als Mischung aus Bewegungschronik, Anekdotensammlung und Autobiografie. Ohne sich selbst und andere zu schonen, beschwört er mit spitzer Feder den Geist einer Gemeinschaft herauf, die die
Solidarität der „Perversen“ feiert und die Anbiederung an den heterosexuellen Mainstream konsequent ablehnt. Die Folge sind Zusammenstöße mit Gerichten und der Sittenpolizei, aber auch Sternstunden des Zusammenhalts und der Subversion. Der Anker im Sturm der Erinnerungen: die Literatur – von den alten Granden des Männerschwarm-Sortiments Oscar Wilde,  Thomas Mann, Hans Henny Jahnn und Ronald Firbank bis hin zu zeitgenössischen Größen wie Detlev Meyer, Walter Foelske, Christoph Geiser und Christine
Wunnicke. Sie alle haben denkwürdige Auftritte auf Bartholomaes Bühne der streitbaren Charaktere.

Proust und Porno ist Zeitkapsel, Generationenporträt und literarischer Tanz auf der Klaviatur der (Un-) Möglichkeiten. Vor allem aber ist das Buch das Vermächtnis einer Generation, die bereit war, ihre frei heitlichen Ideale über den eigenen Vorteil zu stellen

Joachim Bartholomae
Joachim Bartholomae

Joachim Bartholomae wurde 1956 in Bielefeld geboren. Nach Abschluss des Soziologiestudiums war er zunächst Buchhändler, dann Mitgründer des Männerschwarm-Verlags in Hamburg. Weiterhin ist er als Autor, Herausgeber und Übersetzer tätig. Bei Männerschwarm erschienen von ihm „Wie der Keim der Südfrucht im Norden“„Aschenbachs Vermächtnis“ und „’Schlaffe Ghaselen‘ und ‚Knoblauchsgeruch’“ (mit Christopher Keppel). Zu Bartholomaes Übersetzungen zählen u. a. Alan Hollinghursts „Der Hirtenstern“, Rabih Alameddines „Der Engel der Geschichte“, Edmund Whites „Hotel de Dream“ sowie Paul Russells „Brackwasser“.

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