Als Band 76 der Bibliothek rosa Winkel erscheint Mitte September Ulrike Heiders Buch "Der Schwule und der Spießer. Provokation, Sex und Poesie in der Schwulenbewegung". In einer Mischung aus Zeitzeugenschaft und Autobiografie erzählt die bekannte Autorin hier einen bislang liegengebliebenen Teil ihres Lebens, der eng mit der Schwulenbewegung und dem Leben ihres Freundes Albert Lörken verbunden ist. In Zeiten, in denen es immer wieder zu Spannungen zwischen traditionell "schwulen" und "queer-feministischen" Sichtweisen auf die Geschichte der Emanzipation und gegenwärtige politische Erfordernisse kommt, eröffnet Ulrike Heider einen authentischen Blick auf das, was Schwulenbewegung in den 1970er und 1980er Jahren bedeutet hat. In Ihrem Vorwort schreibt sie:

 

Zu Beginn der 1970er Jahre lebte ich als links engagierte Studentin in Frankfurt am Main in einem besetzten Haus, verkehrte im Sponti-Milieu und hatte mehrere Freunde, die 1971 an der Gründung einer Politgruppe namens RotZSchwul (Rote Zelle Schwul) beteiligt waren. So kam es, dass ich die damals entstehende neue Schwulenbewegung und später auch ihre ersten Krisen nach dem Aufkommen von Aids aus unmittelbarer Nähe miterlebte. Die erwähnten Freunde und die Gruppe, in der sie sich engagierten, fielen mir wieder ein, als ich 2001 meine politische Autobiographie Keine Ruhe nach dem Sturm veröffentlicht hatte, deren historischer Schwerpunkt auf der Studenten-, Sponti- und Hausbesetzerbewegung lag. Weil ich die Schwulenbewegung darin nur am Rande erwähnt hatte, spürte ich das Bedürfnis, auch darüber zu berichten. Wie in dem vorangegangenen

Buch sollten historische Recherchen in Archiven oder Bibliotheken und Interviews mit anderen Zeitzeugen meine eigenen Erinnerungen und Analysen ergänzen. Dabei kam mir die Idee, das Leben eines 1992 verstorbenen Freundes, des Soziologen und Lyrikers Albert Lörken, zum roten Faden meiner Erzählung zu machen. [...]

So hoffe ich, dass auch mein Buch zur Wiederbelebung und Neubewertung der Jahrzehnte des schwulen Aufbruchs beitragen wird. Nicht zuletzt deshalb, weil es sich von den Arbeiten der jüngeren, männlichen Autoren in doppelter Weise unterscheidet. Als Zeitzeugin konnte ich die Atmosphäre der 1970er und 80er Jahre aufleben lassen und die heute oft schwer verständlichen politischen Positionen der Schwulenbewegung aus dem historischen Kontext erklären. Als Frau hatte ich einen distanzierteren Blick auf das Verhältnis dieser Bewegung zur Männlichkeit ihrer Akteure und zu den Geschlechterverhältnissen der gegebenen Gesellschaft.

 

Ulrike Heider versteht es auf besondere Weise, in ihren Büchern Zeitgeschichte und Biografie zu verbinden. Besonders bekannt geworden ist sie mit ihrer Autobiografie "Keine Ruhe nach dem Sturm" und ihrem Rückblick auf die sexuelle Revolution "Vögeln ist schön. Die Sexrevolte von 1968 und was von ihr bleibt".

Und hier alle Infos zum neuen Buch!

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