Neu in der BrW: „John Olday“ und „Berlins Drittes Geschlecht“

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Frisch bei uns aus der Druckerei eingetroffen: die Biografie des Anarchisten und Künstlers John Olday sowie eine erweiterte Neuausgabe des Magnus-Hirschfeld-Klassikers „Berlins Drittes Geschlecht“

Historisches Doppel: Olday x Hirschfeld

In den neuen Titeln der Bibliothek rosa Winkel trifft der „Einstein des Sex“ auf einen der führenden Repräsentanten des deutschen und internationalen Anarchismus.

John Olday – Anarchist und Künstler. Eine Biografie

John Olday (1905 – 1977) war ein typischer Repräsentant des frühen 20. Jahrhunderts: Begabt mit vielen Talenten, den Kopf voller Ideen und auf der ganzen Welt zuhause. Als uneheliches Kind von der Mutter verlassen und bei der Großmutter aufgewachsen, begeistert er sich für die anarchistischen Denker aus Russland und Frankreich und widmet sein ganzes Leben den Idealen eines antikapitalistischen, staatsfreien Gemeinwesens. Auch seine Kunst als Maler und Musiker soll diesem Gemeinwesen dienen. Während des Nationalsozialismus flieht er nach England; von dort lädt ihn ein Freund nach Australien ein, wo er die große Liebe seines Lebens kennenlernt. Nach dem Krieg avanciert er zum ersten liebevollen Karikaturisten schwulen Lebens, dessen Arbeiten international veröffentlicht werden.

Auf der Grundlage zweier autobiografischer Texte sowie des endlich aufgetauchten Nachlasses Oldays zeichnet Klaus Sator das Bild eines Menschen, dessen große Ziele immer wieder an der Wirklichkeit scheitern und der doch niemals den Mut verliert, nach seinen Idealen zu leben. In Oldays Selbstreflexion vermischt sich offenbar gelegentlich Wunsch und Wirklichkeit. Durch eigene Rercherchen und Interviews mit Freunden und Bekannten Oldays versucht Sator die Spreu vom Weizen zu trennen; herausgekommen ist das Porträt eines unkonventionellen, liebenswürdigen Menschen – cum grano salis.

Magnus Hirschfeld: Berlins Drittes Geschlecht

Der Nachdruck der Großstadt-Dokumente von „Berlins Drittes Geschlecht“ war der erste Band unserer Historischen Reihe Bibliothek rosa Winkel. Jetzt kommt das Buch als erweiterte Neuausgabe mit historischem Cover und neuen kommentierenden Texten heraus.

Der Arzt Magnus Hirschfeld (1868 – 1935) widmete sein Leben der Sexualerziehung breiter Bevölkerungsschichten und der Aufklärung über die vielfältigen Formen menschlichen Sexualverhaltens, darunter vor allem der Homosexualität. Für die populäre Buchreihe „Großstadt-Dokumente“ verfasste Hirschfeld 1904 eine Schilderung des Lebens homosexueller Männer und Frauen in der Reichshauptstadt Berlin, die er mit „Berlins Drittes Geschlecht“ betitelte. Auch wenn Hirschfeld recht allgemein bleibt und keine Lokale etc. beim Namen nennt, ist dieser Bericht die älteste zeitgenössische Beschreibung einer „Homosexuellen-Szene“.

Für diese Neuausgabe des ursprünglich 1991 veröffentlichten Nachdrucks von „Berlins Drittes Geschlecht“ verfasste Hirschfeld-Experte Manfred Herzer-Wigglesworth eine unter Berücksichtigung neuer Forschungsergebnisse überarbeitete Fassung seines Nachworts.

Weiterhin ist dem Band ein Text des Psychiaters und Kriminologen Paul Näcke (1851 – 1913) beigefügt, in dem dieser einen Streifzug mit Hirschfeld durch das homosexuelle Berlin Revue passieren lässt. Literaturhistoriker Dino Heicker ordnet Näckes Aufsatz „Besuch bei den Homosexuellen in Berlin” in einem zweiten Nachwort ein.

Berlins Drittes Geschlecht und John Olday – Anarchist und Künstler gibt’s ab sofort im (Online-)Buchhandel. Die beiden Titel sowie alle weiteren lieferbaren Bände der Bibliothek rosa Winkel sind unter anderem erhältlich im Salzgeber.Shop.

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